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Ein anderer Vorläufer der Präsentation: die Folien-Präsentation

von Henning Lobin, 23. September 2009, 14:13

Die Folien-Präsentation ist technologisch untrennbar mit dem Overhead-Projektor verbunden. Dieser kam seit den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts in den USA bei Polizei und Militär zum Einsatz, um Einsatzbesprechungen durchzuführen. Von dort aus verbreitete sich der Gebrauch dieser Präsentationstechnologie in den fünfziger und sechziger Jahren in Schulen und Universitäten, teilweise unterstützt durch staatliche Programme, und in der Wirtschaft. Das Hauptmerkmal von Overhead-Projektoren ist die Verwendung von transparenter Folie, die als einzelnes Blatt oder auf einer Rolle als Schrift- oder Zeichnungsträger verwendet wird. Die Verwendung von Folie erlaubt es, das Licht einer Lampe ohne große Helligkeitsverluste direkt durch Linsen und Spiegel an die Wand oder auf eine Leinwand zu projizieren. Damit unterscheidet sich der Overhead-Projektor von seinem Vorläufer, dem Episkop.

Overhead-Projektoren dienen also dazu, textuelle oder grafische Materialien für alle Zuschauer sichtbar auf eine vertikale Fläche zu projizieren. Derartige Visualisierungen binden die Aufmerksamkeit und wirken am Bedeutungsaufbau in der gemeinsamen Kommunikationssituation mit. Ein weiterer wichtiger Vorteil von Overhead-Projektoren gegenüber anderen Formen der Visualisierung besteht darin, dass das Schreib- oder Zeichenmedium offen zugänglich ist, der Präsentator mit einem geeigneten Stift also direkt auf die Folie schreiben oder zeichnen kann. Diese Eigenschaft von Overhead-Projektionen wird vor allem in didaktischen Zusammenhängen oder bei der gemeinsamen Produktion von Texten genutzt. Zugleich ist es dem Präsentator möglich, beim Betrachten oder Beschreiben der Folie dem Publikum zugewandt zu bleiben und Blickkontakt zu halten, weshalb eine bessere Interaktion zwischen Präsentator und Publikum bewirkt wird als etwa bei der Verwendung einer Wandtafel. Der Präsentator verfügt also schon bei der Folienpräsentation gewissermaßen über einen eigenen Projektionsmonitor, wie es auch bei einer Präsentation mit Beamer und Laptop der Fall ist. In beiden Fällen können die projizierten Materialien, die auch im Blickfeld des Präsentators liegen, ihm als Gerüst für seine Rede dienen.

Folien haben gegenüber einem Tafelbild den Vorteil, transportabel zu sein, ein geringes Format zu haben und einfach auf einem Kopierer vervielfältigt werden zu können, sie sind also archivierbar und distribuierbar. Die kooperative Arbeit vermittels eines Overhead-Projektors lässt sich deshalb in einen umfassenderen medialen Workflow integrieren – eine Eigenschaft, die in den Anfängen dieser Technologie auch für Polizei und Militär von ausschlaggebender Bedeutung war.

Das große Maß an Interaktivität, das bei Folien-Präsentationen realisiert werden konnte, wird bis heute nicht von Powerpoint-Präsentationen erreicht. Powerpoint erlaubt zwar prinzipiell auch ein gewisses Maß an Einflussnahme während der Präsentation, doch wird dieses selten genutzt. Meistens wird eine vorab festgelegte Abfolge von Folien durchlaufen, eine gemeinsame Entwicklung von Texten oder Schaubildern durch Vortragenden und Publikum findet nicht statt. Damit Präsentationen langfristig eine Rolle in der wissenschaftlichen Kommunikation spielen können, ist es unerlässlich, Interaktivität und somit auch Sponaneität und Kreativität von Präsentationen zu erhöhen. Präsentationssoftware, die das zu leisten vermag, muss sich von der Vorstellung abwenden, dass eine Präsentation als ein Sequenz von "Folien" strukturiert ist. Erste Ansätze dazu existieren bereits.





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Kommentare

  1. Michael Khan Oddene Frage ...
    23.09.2009 | 14:57

    >Präsentationssoftware, die das zu
    >leisten vermag, muss sich von der
    >Vorstellung abwenden, dass eine
    >Präsentation als ein Sequenz
    >von "Folien" strukturiert ist. Erste
    >Ansätze dazu existieren bereits.

    An der interessantesten Stelle bricht der Artikel leider ab. Schade. Es ist doch gerade von Interesse, welche dieser Ansätze es gibt.

    Oder wird sich der nächste Blog-Artikel zu diesem Punkt äußern?

  2. Henning Lobin @ Michael Kahn: Offene Frage
    23.09.2009 | 15:55

    Ja, zur Frage, was für Alternativen es gibt, werde ich demnächst einen gesonderten Beitrag schreiben.

  3. A.S. Kürzer muss doch besser sein
    24.09.2009 | 19:29

    Dieser Artikel zeigt wieder einmal, wie der Wissenschaftler gerne viel Lärm um Nichts macht:

    (H. Lobin) „Ein weiterer wichtiger Vorteil von Overhead-Projektoren gegenüber anderen Formen der Visualisierung besteht darin, dass das Schreib- oder Zeichenmedium offen zugänglich ist, der Präsentator mit einem geeigneten Stift also direkt auf die Folie schreiben oder zeichnen kann.”

    Der Bademeister der deutschen Stilkunst, Leidwig Runers, hätte das knapp und prägnant so formuliert:

    (Leidwig Runers) „Mit einem Stift kann man schreiben.“

    So einfach kann man eine verklausulierte Botschaft in eine klare Form bringen, die auch der Laie versteht.

  4. Thilo Leidwig Runers ?
    24.09.2009 | 19:55

    Apropos Anagramme : "Nachweis Spott"

  5. Jan Re: Kürzer muss doch besser sein
    25.09.2009 | 11:30

    „Mit einem Stift kann man schreiben.“

    ist keine Verkürzung von:

    „Ein weiterer wichtiger Vorteil von Overhead-Projektoren gegenüber anderen Formen der Visualisierung besteht darin, dass das Schreib- oder Zeichenmedium offen zugänglich ist, der Präsentator mit einem geeigneten Stift also direkt auf die Folie schreiben oder zeichnen kann.”

    sondern bedeutet etwas ganz anderes.

    Und sooo unverständlich ist der Satz ja nun auch wieder nicht, oder?

    Grundsätzlich bin ich auch kein Freund von unnötiger Verklausuliereung. Man sollte, gerade in einem öffentlichen Blog, um Verständlichkeit auch für Laien bemüht sein. Andererseits ist das hier ja auch ein Portal für Wissenschaftsblogs und nicht die Bildzeitung. Mann muss es also auch nicht übertreiben mit der Vereinfachung.

  6. Billigflug USA kein Betreff
    16.12.2009 | 16:42

    super interessanter Artikel. Hätte gar nicht gedacht, dass der Overhead-Projektor schon so lange in Gebrauch ist...

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