wissenslogs Gute Stube

Mission Statement

von Carsten Könneker, 06. Juni 2008, 16:42

Heute mal was vorrangig für die Blogger selbst. Nicht nur für die WISSENSlogger, sondern auch für unsere Kolleginnen und Kollegen von den Chronologs, den Brainlogs und den Kosmologs.

Beim – mittlerweile legendären – Deidesheimer Bloggertreff haben wir in einer Arbeitsgruppe gemeinsam Wünsche für die neue, alle 4 Portale vereinende Dachseite SciLogs.de formuliert. Bislang steht da nur eine „blinde“ Verteilstation mit den jeweils neuesten Posts aus den Subportalen. Ein Besuch auf der jetzigen SciLogs-Site ist ungefähr so spektakulär wie das Video des Spiels Österreich-Deutschland bei der WM 1982. (NB: Diesmal tippe ich im Ernst auf Jogis Mannen. Das mag man mir in den Kommentaren gern um die Ohren hauen.)

Kurz zum Stand der Dinge: Die neue SciLogs-Seite wird richtig klasse, ist aber noch nicht fertig, das kann noch ein paar Wochen dauern ...

Was wir u.a. noch dafür brauchen und was ich heute zur Diskussion stellen möchte ist ein kurzer Text zum Selbstverständnis der SciLogs, der auf der neuen Seite abrufbar sein soll. Also unser „Mission Statement“ sozusagen.

Kritik und Verbesserungsvorschläge sind ausdrücklich willkommen – sollten aber längeninvariant daherkommen. Und hier der Entwurf:

Über die SciLogs

Gute Wissenschaft ist seriös, in ihrer Methodik und ihren Ergebnissen transparent – und fördert neues Wissen zu Tage. Als wichtiger Teil unserer Kultur und Gesellschaft steht Wissenschaft nie isoliert da. Das Gespräch über Wissenschaft ist ein Anliegen guter Wissenschaft.
 
Gute Blogs sind authentisch, ehrlich und aktuell. Oft enthalten sie einzigartige Ansichten. Ihre Posts sind ernst gemeinte Einladungen zum Dialog, ihre Leser potenzielle Gesprächspartner – aufgerufen zu kommentieren, zu fragen, den Gedankenaustausch aktiv mitzugestalten.

Die SciLogs
sind eine Familie von Wissenschaftsblogs. Sie vereinen die Stärken wissenschaftlicher Kultur und des Mediums Blog. Unser Anliegen ist der interdisziplinäre Dialog über Wissenschaft in all ihren Fassetten: Forschung, Anwendung, Politik, Ethik, Werte. Unsere Blogger sind Forscher, Theoretiker, Praktiker, Journalisten, Enthusiasten.



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Kommentare

  1. Michael Blume Ergänzungsvorschlag
    06.06.2008 | 18:22

    "Gute Wissenschaft ist seriös, in ihrer Methodik und ihren Ergebnissen transparent, aber auch um Wissensvermittlung und Dialog auf Augenhöhe bemüht. So fördert sie neues Wissen zu Tage und stößt wiederum neue Einsichten und Chancen an."

    Begründung: Gerade die Scilogs sind ja keine Papers, sondern auf Kommunikation zwischen Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen und Laien orientiert. Deswegen würde ich "Wissensvermittlung" und "Dialog auf Augenhöhe" als den Teil von guter Wissenschaft hervorheben, den Blogs ggf. besonders gut erschließen können.

  2. Michael Blume Übrigens...
    06.06.2008 | 18:23

    ...finde ich die Textleiste jetzt links und dafür die Klappfenster oben klasse!

  3. Joachim Schulz Kleinigkeiten
    06.06.2008 | 20:54

    "Gute Wissenschaft ist seriös, in ihrer Methodik und ihren Ergebnissen transparent"

    das Komma muss weg sonst ist der Satz (mir zumindest) unverständlich.

    "Gute Blogs sind authentisch, ehrlich und aktuell."

    Müssen gute Blogs wirklich aktuell sein? Manchmal kann auch etwas alt bekanntes aber selten ausgesprochenes als Gedankenanstoß ein guter Blogbeitrag werden.

    Gruß,
    Joachim

  4. Joachim Schulz Ah, jetzt..
    06.06.2008 | 20:57

    Sorry,

    jetzt habe ich den satz doch auch in dieser Kommasetzung verstanden. Also soll auch die Methodik transparent sein und nicht die Methodik seriös und die Ergebnisse transparent.

    Entschuldigt den unsinnigen Einwand.

  5. Martin Huhn @ Michael
    06.06.2008 | 20:59

    "...finde ich die Textleiste jetzt links und dafür die Klappfenster oben klasse!"

    Ich finde es auch klasse. ;-) Es war viel Mühe, aber die hat sich gelohnt, denn es sieht besser aus (ein Dank an den Layouter Marc Grove) und ist auch praktischer. Ein echter Fortschritt.

  6. Martin Huhn Die aktuelle Kamera ;-)
    06.06.2008 | 21:21

    "Müssen gute Blogs wirklich aktuell sein?!"

    Das ist von Carsten anders gemeint. Am Donnerstag sind Blume (Michael), Fischer Lars), Huhn (Martin) und Könneker (Carsten) gemeinsam Essen gegangen.

    #An dieser Stelle: Fand ich prima mit Euch, es war eine ergiebige Diskussion#

    Unter anderem haben wir uns auch über Blogs unterhalten. Ein Vorteil der Blogs sind ihre Aktualität. Eine Zeitung ist erst nächsten oder übernächsten Tag gedruckt, Zeitschriften und Bücher benötigen noch mehr Zeit. Das Fernsehen kann auch nicht sofort senden. Eigentlich kann da nur das Radio mithalten. Jedenfalls ist durch ein Blog die Möglichkeit gegeben sehr aktuell zu sein. Man muß sich nur vor den Rechner setzen, eintippen und dann ist es für alle Welt lesbar.

    Daß man sich Themen wählt, die alles andere als aktuell sind, ist eine andere Geschichte. Selbstverständlich kann jeder Blogger auch über grundsätzliche oder vergangene Themen schreiben. Zumal es viele Fragen gibt, die schon seit Jahrtausenden diskutiert werden und wir haben immer noch keine Antworten darauf. Offene Fragen haben auch Aktualität. ;-)

  7. Martin Huhn @ Joachim
    06.06.2008 | 21:26

    "Entschuldigt den unsinnigen Einwand."

    Ahh, da bin ich aber beruhigt. Ich habe nämlich den Satz ein paar Mal mit und ohne Komma gelesen und konnte nicht verstehen, was daran so schlimm sein soll. :-)

  8. Carsten Könneker @Joachim, @Martin
    06.06.2008 | 21:37

    Beides stimmt: In dem Sinne, dass sie relevant sind (zumindest für bestimmte Leser), sind gute Blogs immer auch "aktuell". Im engeren Sinne aktuell sind sie freilich nur, wenn sie schnell sind beim Aufspießen neuer Entwicklungen. Das muss aber, da hat Joachim völlig recht, nicht notwendig der Fall sein, damit ein Blog "gut" ist. Diese Art von Aktualität ist ohnehin eher die Kompetenz von klassischen redaktionellen Online-Angeboten wie spektrumdirekt.

    Gute Blogs können geradezu anachronistisch ticken, was die Inhalte ihrer Posts angeht. Aber auch das ist dann "aktuell", oder? Letztlich entscheiden doch die Leser darüber, was für sie "dran" ist.

    PS: Die Klappnavi ist echt gut. Martin hat sich hier selbst übertroffen :-)

  9. 06.06.2008 | 21:44

    Kurze Rückfrage: Ich bin mir nicht sicher, ob Wissenschaft (oder eher: der Wissenschaftler) wirklich am Dialog AUF AUGENHÖHE mit der Öffentlichkeit interessiert ist. Vermittlung sollte natürlich ein Anliegen sein. Dialog auch. Aber AUF AUGENHÖHE? Das leisten (am ehesten) erst die Blogs. Die Wissenschaft selbst nicht.

  10. Martin Huhn Wissenschaftler
    06.06.2008 | 21:55

    "Ich bin mir nicht sicher, ob Wissenschaft (oder eher: der Wissenschaftler) ..."

    Was meinst Du mit Wissenschaftler? Diplomanden, Leute in der Forschung & Entwicklung, Doktoranden, Wissenschaftsjournalisten, Professoren oder so Leute wie am beispielsweise am CERN?

  11. Michael Blume @ Carsten
    06.06.2008 | 23:29

    Doch, ich denke, jede gute Wissenschaft ist um Wissensvermittlung und Dialog auf Augenhöhe "bemüht" (!) oder "interessiert". Ein Graben wird immer bleiben: nicht nur gegenüber Laien, sondern auch gegenüber Kolleginnen und Kollegen anderer Fächer.

    Aber jede Disziplin, die sich gar nicht mehr darum bemühen würde, diese Gräben zu überbrücken, würde über oder lang verkümmern. Und, ja, gerade in diesem Bereich können Blogs eine tolle Hilfe und Ergänzung für "gute Wissenschaft" sein, wie ja gerade auch Physiker, Philosophen und Geologen hier in den Wissenslogs beweisen. :-)

  12. Michael Blume @ Martin
    06.06.2008 | 23:31

    Ich fand den Mittag mit Euch auch unglaublich fröhlich, menschlich angenehm - und nicht zuletzt inhaltlich spannend! Seid schon eine tolle Truppe, da in Heidelbersch! Und das schreibt ein Schwabe! ;-)

  13. Carsten Könneker @Michael: Augenhöhe
    07.06.2008 | 09:11

    Ooooch, Schwaben sind auch nicht ohne - Du bist ja selbst das beste Beispiel!

    Nochmal zur "Augenhöhe". In der Lesart "Wissenschaftler und Laie sind gleichberechtigte Partner, wenn sie (zumal in einer Demokratie) über Wissenschaft diskutieren" stimmt das natürlich. Ich hatte eher an den fachlichen Hintergrund gedacht bei meinem Einwand: Je näher der Gesprächsgegenstand, den ein Wissenschaftler kredenzt, an seiner aktuellen Forschung dran ist, desto schwieriger wird es für ihn, passende Dialogpartner AUF AUGENHÖHE überhaupt zu finden. Ab einer gewissen Grenze findet er sie nur noch hinter Institutsmauern. Und irgendwann gibt es nur noch eine Handvoll potenzieller Dialogpartner - weltweit.

    Ansonsten hast Du recht: Vermittlung allein als Attitüde genügt nicht. Das wäre eine Beschränkung des Diskurses auf das Modell "Frontalunterricht": Ich weiß mehr, hört ihr da draußen mir mal schön zu und lernet! Der Dialog MUSS dazukommen, völlig d'accord. Nur in Fachfragen kann er eben nicht (immer) auf Augenhöhe sein, wenn Forscher und Laie sich treffen.

  14. Michael Blume @ Carsten: Genau...
    07.06.2008 | 17:32

    ...der Dialog auf Augenhöhe sollte stets ein Ziel bleiben, gerade weil klar ist, dass er in den zunehmend spezialisierten Wissensgebieten immer wieder nur selten zu erreichen bzw. das Ergebnis harter Arbeit sein kann.

    Aber wenn wir z.B. Schülern nicht auch das Gefühl vermitteln können, dass ihre Fragen, Beiträge, Ideen etc. gehört werden, einmal eine Rolle spielen können, dann würden wir schon sie verlieren. Die Briefwechsel, die Einstein und Darwin mit Kollegen über Disziplingrenzen, fragenden Laien, ja auch mit Kindern pflegten, sind für mich Beispiele für "gute Wissenschaft" und haben tausende von Menschen für das Forschen begeistert.

  15. Carsten Könneker Kinder und Wissenschaft
    07.06.2008 | 19:28

    Apropos Kinder. Ich sitze gerade im Mannheimer Capitol bei der Eröffnungsgala von Explore Science. Gerade ist Pause. Eine klasse Veranstaltung mit TV-Stars, Astronauten, Astronomen, Musik, Experimenten. Z.B. wurde bereits ein Komet "gebacken". Alles für Kinder und Familien. Ein mustergültiges Projekt der Klaus-Tschira-Stiftung. Da kann man denn auch das EM-Eröffnungsspiel für verpassen :-) Wer die Kids hier staunen sieht, der weiß, wie faszinierend Wissenschft sein kann. Gleich geht´s weiter ...

  16. 08.06.2008 | 07:34

    Bei der Explore-Science-Auftakt-Veranstaltung traten als weitere Promis vor johlenden Kindern übrigens auch unsere Mitblogger Markus Landgraf und Michael Khan auf und erzählten von ihren Erfahrungen in der Schwerelosigkeit (Landgraf) bzw. den Plänen zur weiteren Erforschung des Mars (Khan).

  17. Christian Hoppe Mission Statement
    11.06.2008 | 11:23

    Könnte insgesamt ohne weiteres mit dem Mission Statement mitgehen, gefällt mir sehr gut!
    Eine Formulierung finde ich ungewöhnlich: "einzigartige Ansichten" - meinen Sie an dieser Stelle "persönliche Ansichten", Herr Könneker? Dass also Blogs durchaus persönlichen, subjektiven Interpretationen, Meinungen und Kommentaren Platz bieten? (was m.E. ja auch so sein sollte)
    Zu den SciLogs: "vereinen Stärken wissenschaftlicher Kultur und des Mediums Blog" - erscheint mir etwas unklar; was meinen Sie hier genau?
    Ansonsten: prima prima!

  18. Carsten Könneker @ Christian Hoppe
    11.06.2008 | 13:52

    Lieber Herr Hoppe,
    in beiden Fällen liegen Sie exakt richtig mit Ihren Vermutungen. Mit "einzigartige Ansichten" ist das bewusst Persönliche, teils hochgradig Authentische, ja manchmal "Intime", oft auch Meinungsbehaftete an den Bloginhalten gemeint. Von den vielen Beispielen, die man aus den gesammelten Posts der SciLogs anführen könnte, sei in diesem Zusammenhang beispielhaft auf Helmut Wichts Darstellung einer Prüfungssituation aus der Sicht des Prüfenden hingewiesen. Das ist "einzigartig", findet man sonst nicht.

    Der 2. Punkt, die Vereinigung von "Stärken wissenschaftlicher Kultur und des Mediums Blog" bezieht sich darauf, dass Wissenschaft per se auf Austausch (innerhalb der Forschergilde, aber natürlich auch mit der "Öffentlichkeit") angewiesen ist – und Blogs als Medium mit vielfältigen Möglichkeiten für Kommentare und Diskussionen dem kommunikativen Anliegen von Wissenschaft ganz neue Horizonte eröffnen.

  19. Stephan Schleim Und die Philosophen?
    12.06.2008 | 15:34

    War meine spontane Frage; aber ich gestehe, mit dem "Theoretiker" kann man (ich?) auch leben. :-)

    Ein spontaner Gedanke war noch, bei guter Wissenschaft hinzuzufügen, dass die Interpretationen den Daten angemessen sind; daran kranken ja oft gerade diejenigen Disziplinen, die in Mode sind; aber das kann man durchaus unter Seriosität fassen.

    Zur Frage, was Wissenschaft ist, habe ich übrigens gerade im Telepolis-Magazin einen Artikel veröffentlicht:

    www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27747/1.html

    Viele Grüße

    Stephan

    P.S. Wie meinst du das eigentlich mit Wissenschaft als Teil der Kultur? Oft wollen Naturwissenschaftler doch Kulturelles ausklammern.

    P.P.S. Vielleicht kann man unter SciLogs die Idee aufnehmen, dass hier auch viele Wissenschaftler selbst über ihre Wissenschaft schreiben und man nicht nur über Wissenschaft schreibt? Oder ist das irrelevant?

  20. Carsten Könneker @Stephan: Dein Telepolis-Artikel
    12.06.2008 | 16:05

    Hi Stephan,

    Du schreibst in Deinem schönen Telepolis-Artikel: „Ein Kernproblem unserer Wissensgesellschaft mag sein, dass ein Großteil der Kommunikation nur in einer Richtung stattfindet: Hier sprechen die Experten, dort hören die Laien.“ Ich gebe Dir völlig recht darin, dass sich hier Blogs möglicherweise als ein Medium etablieren, das die Wissenschaftler, so sie denn bloggen, mehr aus der Frontalunterricht-Attitüde herausreißt. Denn ein Blog lebt ja eben davon, dass man dem Blogger die eigene Meinung um die Ohren hauen kann - und dieser antwortet. Mir fehlt da aber ein Aspekt, und das ist der Wissenschaftsjournalismus. Leider besteht nach wie vor die irrige Ansicht, Wissenschaftsjournalisten seien ALLEIN dazu da, den vermeintlich kommunikativ unfähigen Forschern das Vermitteln ihrer schwer zu verstehenden Erkenntnisse abzunehmen. Ein Sprachrohr, eine Übersetzungstätigkeit. Hier Fachchinesisch, dort Alltagssprache. Doch das Darstellen und Erklären ist nur eine Aufgabe des Journalisten. Darüber hinaus ist seine kommunikative Haltung: Hinterfragen („Stimmt das überhaupt? Sagt nicht Experte B das Gegenteil?“), Einordnen („Diese Argumente wurden schon im 19. Jahrhundert vorgebracht.“), Interessen und Motive abklopfen („Warum der Prof. sich so auf diesen Seitenaspekt stürzt“), Filtern („Unwichtig, brauch man nicht für die Argumentation“), Kommentieren („Hier wird nur behauptet, das ist nicht gesichert.“) usw. Der Journalist ist damit Anwalt der Leser/Hörer/Zuschauer/Nutzer. Und als Experte in dieser Hinsicht ist er auch etwas anderes als ein Blogger. Im Aufbrechen der Kommunikation im Stile eines Frontalunterrichts sind aber beide, Journalist wie Blogger, vereint.

    Liebe Grüße
    Carsten

    PS: Man wundert sich, was für viele gute Gedanken Du zu Papier bringst. Gestern ging erst Dein fundierter Artikel über Neuro-Forensik mit dem nächsten Gehirn&Geist (Heft 7/8 2008) in Druck. Sollten sich alle User hier unbedingt vormerken!

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szmtag