wissenslogs Gute Stube

Andreas Bartels: Außenseiter aus anderen Disziplinen

19. März 2009, 09:34

Andreas Bartels in der Guten StubeIn meinem abschließenden Gastbeitrag in der Guten Stube möchte ich meinen dritten und letzten Grund für mehr Interdisziplinarität näher erläutern: Grundlagenkritische Argumente warten nicht immer an der eigenen Haustür.

Grundlagenkritik ist unentbehrlich für den Fortschritt wissenschaftlicher Disziplinen. Die Grundlagenkrise in der Mathematik hat die Anschauung als Basis mathematischen Argumentierens hinweggespült und damit das Tor zur modernen Mathematik geöffnet. Einsteins relativistische Physik beginnt mit einer Grundlagenkritik an einem apriorischen Begriff der Gleichzeitigkeit. Das neue Paradigma setzt sich (wieder Thomas S. Kuhn zum Trotz) nicht durch, weil die Vertreter des alten Paradigmas langsam aussterben, es setzt sich durch, weil dessen Fundamente durch Grundlagenkritik erschüttert wurden. Aber häufig braucht es den wissenschaftlichen Außenseiter, manchmal den Außenseiter, der aus einer anderen Disziplin stammt, um solche Grundlagenkritik zu leisten. Verzeihen Sie mir, wenn ich wieder zu einem Beispiel aus der Philosophie greife, um dies zu illustrieren. Hier kenne ich mich nun mal am besten aus.  (weiter)

Geschrieben in Philosophie . Kommentare: (2). Trackbacks: (0). Permalink


Andreas Bartels: Strategien der Problemlösung aus anderen Disziplinen

18. März 2009, 09:26

Andreas Bartels in der Guten StubeKönnen Forscher von ihren Kollegen anderer Fächer für die eigene Arbeit profitieren? Ich meine, ja! Daher lautet meine zweite These für mehr Interdisziplinarität, die ich heute näher erläutern möchte, auch: Wissenschaftler können sich Strategien der Problemlösung bei Wissenschaftlern anderer Disziplinen abschauen.

Ein Beispiel, in dem die Einwanderung von Methoden aus anderen Fächern einer Disziplin neuen Schub verleihen kann, ist die Ökonomie. Als befruchtende Nachbardisziplinen sind hier v.a. die Mathematik und die Physik zu nennen. Häufig erweisen sich mathematische und physikalische Methoden und Konzepte, die fernab von ökonomischen Fragen entwickelt wurden, auch zur Beschreibung ökonomischer Phänomene als hilfreich. So führte z.B. Benoit Mandelbrot in den 1960er Jahren in die Ökonomie stabile nicht-Gaußsche Wahrscheinlichkeitsverteilungen ein, die zunächst ohne jeden Bezug auf die Ökonomie durch den Mathematiker Levy entdeckt worden waren.  (weiter)

Geschrieben in Philosophie . Kommentare: (0). Trackbacks: (0). Permalink


Andreas Bartels: Wissenschaftliche Probleme halten sich nicht an Fachgrenzen

16. März 2009, 09:23

Andreas Bartels in der Guten StubeGestern habe ich an dieser Stelle bekannt, dass ich Interdisziplinarität gut finde, aber nicht „aus sich heraus“. Daher muss man ihren Wert begründen. Dazu habe ich drei Thesen vorgelegt, die ich heute und in den folgenden Tagen näher erörtern werde. Zunächst geht es um diese Überlegung: Wissenschaftliche Probleme halten sich nicht an Fachgrenzen. Warum sollten dann Wissenschaftler dies tun?

Das erste Argument für Interdisziplinarität macht einen Sachzwang geltend. Häufig werden (Thomas S. Kuhn zum Trotz) in einer wissenschaftlichen Disziplin Fragen gestellt, die nicht allein mit den Mitteln dieser Disziplin selbst beantwortet werden können. In diesem Fall bleibt dem Wissenschaftler gar nichts anderes übrig als sich an andere wissenschaftliche Disziplinen zu wenden und deren Kompetenzen nachzufragen. Mit einem Telefonanruf oder einer email wird es dabei in der Regel nicht sein Bewenden haben, denn es geht ja nicht darum, irgendeine einzelne Tatsache zu erfragen – z.B. nach welchem Prinzip funktioniert eigentlich das Navigationssystem von Fischen? Was genau sagt das Völkerrecht eigentlich über die Anerkennung neuer Staaten? Was eigentlich hat Quine mit der Unbestimmtheit der Übersetzung gemeint?  (weiter)

Geschrieben in Philosophie . Kommentare: (0). Trackbacks: (0). Permalink


Andreas Bartels: Weshalb Interdisziplinarität gut ist

15. März 2009, 09:31

Heute ist der Philosoph Andreas Bartels Gast in der Guten Stube. Wir haben uns im Januar auf einer Veranstaltung der VolkswagenStiftung und des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin kennengelernt. Bei einem Gespräch am Kaffeetisch wurde schnell klar: Professor Bartels hat etwas zum Thema der „2 Kulturen“ zu sagen, denn er arbeitet selbst interdisziplinär mit Vertretern anderer Fächer – etwa mit Neurowissenschaftlern bei einem gemeinsamen Forschungsprojekt zur Raumorientierung. In Berlin vertrat er konsequenz die These, viele zentrale Begriffe der Geisteswissenschaften seien auch empirisch erschließbar, ja Geistes- und Naturwissenschaftler hätten sogar oft dieselben Untersuchungsgegenstände. Heute und in den kommenden Tagen bricht Prof. Bartels in der Guten Stube eine Lanze für mehr Interdisziplinarität an deutschen Universitäten. Jedoch keine, die nur „aus sich heraus gut“ ist ... Herzlich willkommen, Herr Bartels! (weiter)

Geschrieben in Philosophie . Kommentare: (0). Trackbacks: (1). Permalink


szmtag