wissenslogs Gute Stube

Carl Djerassi – Naturwissenschaft und Literatur

07. Mai 2009, 15:59

Während übermorgen in New York eine große Konferenz der New York Academy of Sciences das Problem der Kluft zwischen den „2 Kulturen“ theoretisch beackern wird, hatte ich am Mittwoch vergangener Woche das Vergnügen, in Berlin auf einen Menschen zu treffen, der eben diesen Graben ganz pragmatisch, mit scheinbar schlafwandlerischer Sicherheit, überwunden hat: Carl Djerassi, Chemiker und Literat, hochdekorierter Vertreter sowohl der naturwissenschaftlich-technischen als auch der geisteswissenschaftlich-künstlerischen Kultur.  (weiter)

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Evolutionstheorie, zweistimmig

08. April 2009, 18:04

Wissenschaft muss in die Öffentlichkeit. Diesem Mantra gehorchen nun zwei unabhängig voneinander entstandene Musikclips zur Evolutionstheorie, passend zum Darwinjahr. Es lohnt sich, beide anzuschauen, denn bei allen Unterschieden drängen doch die Gemeinsamkeiten ins Blickfeld: Kinder und Jugendliche erreichen wollen, Edutainment, Musik usw. Das Projekt "Darwin Rocks" des Tübinger Biologieprofessors Nico Michiels lässt den Schöpfer der Evolutionstheorie seine Überlegungen von einst heute nochmal im Labor überprüfen. Der Rauschebart analysiert ein Fußballspiel in einer Petrischale.  (weiter)

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Joachim Müller-Jung: Bloggen – Dienst oder Vergehen an der Wissenschaft?

28. März 2009, 17:31

Joachim Müller-Jung ist einer der profiliertesten deutschen Wissenschaftsredakteure. Seit 2003 leitet er das Ressort "Natur und Wissenschaft" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der gebürtige Heidelberger studierte Biologie in seiner Heimatstadt und Köln; seine Diplomarbeit behandelte die Reptilienfauna Madagaskars. Schon vor und während des Studiums schrieb er für diverse Zeitschriften und Agenturen. Er volontierte bei der Kölnischen Rundschau und wechselte im Anschluss zur FAZ. Seit Dezember 2008 ist er zusammen mit Kollegen auch Autor des Wissenschaftsblogs Planckton auf faz.net. Dort bloggt er über biologische Themen ebenso wie über grundsätzliche Fragen der Wissenschaftskommunikation im Netz.

Dieses Wochenende ist Joachim Müller-Jung Gastredner beim SciLogs-Bloggertreff 2009 in Deidesheim, den er vorhin mit seinem Vortrag auch eröffnete. Darin legte er den mehr als 40 versammelten Bloggern und Wissenschaftsjournalisten die Frage vor, ob Bloggen einen Dienst oder doch eher ein Vergehen an der Wissenschaft darstelle. In der Guten Stube wiederholt er die Antworten, zu denen er selbst kommt, noch einmal: 

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Andreas Bartels: Außenseiter aus anderen Disziplinen

19. März 2009, 09:34

Andreas Bartels in der Guten StubeIn meinem abschließenden Gastbeitrag in der Guten Stube möchte ich meinen dritten und letzten Grund für mehr Interdisziplinarität näher erläutern: Grundlagenkritische Argumente warten nicht immer an der eigenen Haustür.

Grundlagenkritik ist unentbehrlich für den Fortschritt wissenschaftlicher Disziplinen. Die Grundlagenkrise in der Mathematik hat die Anschauung als Basis mathematischen Argumentierens hinweggespült und damit das Tor zur modernen Mathematik geöffnet. Einsteins relativistische Physik beginnt mit einer Grundlagenkritik an einem apriorischen Begriff der Gleichzeitigkeit. Das neue Paradigma setzt sich (wieder Thomas S. Kuhn zum Trotz) nicht durch, weil die Vertreter des alten Paradigmas langsam aussterben, es setzt sich durch, weil dessen Fundamente durch Grundlagenkritik erschüttert wurden. Aber häufig braucht es den wissenschaftlichen Außenseiter, manchmal den Außenseiter, der aus einer anderen Disziplin stammt, um solche Grundlagenkritik zu leisten. Verzeihen Sie mir, wenn ich wieder zu einem Beispiel aus der Philosophie greife, um dies zu illustrieren. Hier kenne ich mich nun mal am besten aus.  (weiter)

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Andreas Bartels: Strategien der Problemlösung aus anderen Disziplinen

18. März 2009, 09:26

Andreas Bartels in der Guten StubeKönnen Forscher von ihren Kollegen anderer Fächer für die eigene Arbeit profitieren? Ich meine, ja! Daher lautet meine zweite These für mehr Interdisziplinarität, die ich heute näher erläutern möchte, auch: Wissenschaftler können sich Strategien der Problemlösung bei Wissenschaftlern anderer Disziplinen abschauen.

Ein Beispiel, in dem die Einwanderung von Methoden aus anderen Fächern einer Disziplin neuen Schub verleihen kann, ist die Ökonomie. Als befruchtende Nachbardisziplinen sind hier v.a. die Mathematik und die Physik zu nennen. Häufig erweisen sich mathematische und physikalische Methoden und Konzepte, die fernab von ökonomischen Fragen entwickelt wurden, auch zur Beschreibung ökonomischer Phänomene als hilfreich. So führte z.B. Benoit Mandelbrot in den 1960er Jahren in die Ökonomie stabile nicht-Gaußsche Wahrscheinlichkeitsverteilungen ein, die zunächst ohne jeden Bezug auf die Ökonomie durch den Mathematiker Levy entdeckt worden waren.  (weiter)

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Andreas Bartels: Wissenschaftliche Probleme halten sich nicht an Fachgrenzen

16. März 2009, 09:23

Andreas Bartels in der Guten StubeGestern habe ich an dieser Stelle bekannt, dass ich Interdisziplinarität gut finde, aber nicht „aus sich heraus“. Daher muss man ihren Wert begründen. Dazu habe ich drei Thesen vorgelegt, die ich heute und in den folgenden Tagen näher erörtern werde. Zunächst geht es um diese Überlegung: Wissenschaftliche Probleme halten sich nicht an Fachgrenzen. Warum sollten dann Wissenschaftler dies tun?

Das erste Argument für Interdisziplinarität macht einen Sachzwang geltend. Häufig werden (Thomas S. Kuhn zum Trotz) in einer wissenschaftlichen Disziplin Fragen gestellt, die nicht allein mit den Mitteln dieser Disziplin selbst beantwortet werden können. In diesem Fall bleibt dem Wissenschaftler gar nichts anderes übrig als sich an andere wissenschaftliche Disziplinen zu wenden und deren Kompetenzen nachzufragen. Mit einem Telefonanruf oder einer email wird es dabei in der Regel nicht sein Bewenden haben, denn es geht ja nicht darum, irgendeine einzelne Tatsache zu erfragen – z.B. nach welchem Prinzip funktioniert eigentlich das Navigationssystem von Fischen? Was genau sagt das Völkerrecht eigentlich über die Anerkennung neuer Staaten? Was eigentlich hat Quine mit der Unbestimmtheit der Übersetzung gemeint?  (weiter)

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Andreas Bartels: Weshalb Interdisziplinarität gut ist

15. März 2009, 09:31

Heute ist der Philosoph Andreas Bartels Gast in der Guten Stube. Wir haben uns im Januar auf einer Veranstaltung der VolkswagenStiftung und des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin kennengelernt. Bei einem Gespräch am Kaffeetisch wurde schnell klar: Professor Bartels hat etwas zum Thema der „2 Kulturen“ zu sagen, denn er arbeitet selbst interdisziplinär mit Vertretern anderer Fächer – etwa mit Neurowissenschaftlern bei einem gemeinsamen Forschungsprojekt zur Raumorientierung. In Berlin vertrat er konsequenz die These, viele zentrale Begriffe der Geisteswissenschaften seien auch empirisch erschließbar, ja Geistes- und Naturwissenschaftler hätten sogar oft dieselben Untersuchungsgegenstände. Heute und in den kommenden Tagen bricht Prof. Bartels in der Guten Stube eine Lanze für mehr Interdisziplinarität an deutschen Universitäten. Jedoch keine, die nur „aus sich heraus gut“ ist ... Herzlich willkommen, Herr Bartels! (weiter)

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Optimale Grundlagenforschung. Oder: Nicht in Programme, in Köpfe investieren!

27. Februar 2009, 10:55

Kann man als Wissenschaftler irgendwo auf der Welt genau das tun, was man eigentlich möchte: Wissen allein aus Neugierde schaffen? Ohne den Zwang, verwertbare Ergebnisse hervorbringen zu müssen, Produkte zu entwickeln, Antworten auf vorgegebene Fragen zu finden?

Gestern Nachmittag war ich auf Einladung der Deutschen Gesellschaft der Freunde des Weizmann-Instituts zu Gast in Weinheim. Im dortigen Hermannshof sprach der Präsident des Weizmann-Instituts, Prof. Daniel Zajfman. Sein Vortrag hatte den etwas platitüdenhaften Titel „The Business of Science. Building a Better World“ – enthielt aber dafür umso mehr gute Gedankenanstöße, wie man Wissenschaftlern optimale Bedingungen für ihre Arbeit schafft. (weiter)

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Klaus Vondung: Rechtfertigungsdruck der Disziplinen

08. Februar 2009, 09:17

Gibt es eine Krise der Geisteswissenschaften? Immer wieder wird sie heraufbeschworen, doch bei Lichte besehen ähneln die Probleme der Geisteswissenschaften denen der Naturwissenschaften, analysiert Klaus Vondung. Der Literaturwissenschaftler von der Uni Siegen hatte bereits bei anderer Gelegenheit an dieser Stelle auf das Verbindende der "Zwei Kulturen" hingewiesen. Dies erscheint um so wichtiger, als oft das Trennende im Vordergrund steht.  (weiter)

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Klaus Vondung: Keine Kluft zwischen den "Zwei Kulturen"

04. Februar 2009, 16:17

Es gibt nicht viele Germanisten ohne jegliche Scheu vor den "exakten Wissenschaften". Klaus Vondung, der mich heute und beim nächsten Mal in der Guten Stube besucht, hat in dieser Hinsicht keine Berührungsängste. Der emeritierte Literaturwissenschaftler von der Uni Siegen engagiert sich seit vielen Jahren für den Dialog mit den Naturwissenschaften, wovon Forschungsprojekte wie etwa "Mystische und naturwissenschaftliche Weltbilder: Gegensatz oder Gemengelage?" Zeugnis geben. Und so diagostiziert er denn auch heute, dass die oft beschworene "Kluft" zwischen den beiden Kulturen bei Lichte besehen gar nicht existiert. Herzlich willkommen, Herr Vondung! (weiter)

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