Siemens cop15 Gedanken zum Klimawandel

Menschheit vs. Klima - 0:1

Beitrag vom 22. Dezember 2009, 09:52

Von Rainer Gerhards  

Zwei Nachrichten eines Tages: der Klimagipfel in Kopenhagen ist grandios gescheitert. In den USA tobt ein Schneesturm und legt das öffentliche Leben lahm. Das verbindende Element? Ganz offensichtlich die Abhängigkeit der Menschheit vom Klima!

Während die Repräsentaten der Völker dieser Erde in Kopenhagen zeigen, wie wenig sich die Menschheit als Ganzes für das Erdklima interessiert, beweist uns die Natur am anderen Ende dieser Erde eindrucksvoll, wie wenig sie sich von den Menschen beeindrucken läßt. Die USA sind mit Sicherheit eines der technologisch fortschrittlichsten Länder. Dennoch gelingt es auch der Weltmacht USA nicht, ein so "leichtes" und "einfach vorhersehbares" Ereignis wie eine Schneesturm abzuwenden.

Trotz aller Technologie und Wissenschaft sind wir offensichtlich nicht in der Lage, ein so komplexes Gebilde wie das Weltklima von unsereren Aktivitäten unberührt zu lassen. Offensichtlich haben unsere Aktivitäten Einfluß auf das Klima - das aber offensichtlich nicht in einer neutralen oder positiven Weise. Es wäre wohl an der Zeit, sich einzugestehen, das natürliche Prozesse, einmal aktiviert, oft nicht mehr vom Menschen beeinflußt werden können.

Eine schöne Formulierung dieses Themas findet man übrigens auf den Internet-Seiten der US-Nationalparkverwaltung für den Yellowstone Nationalpark. In der dortigen FAQ gibt es einen fast schon philosophisch anmutenden Eintrag. Es geht um den Ausbruch des Yellowstone-Supervulkans, ein Thema, das offensichtlich doch ein paar Besucher besorgt:

Q: What is Yellowstone [National Park Services] doing to prevent an eruption?

Nothing can be done to prevent an eruption. The temperatures, pressures, physical characteristics of partially molten rock, and the immensity of the magma chamber are beyond man's ability to influence--much less control.

 

"[National Park Service]" von mir eingefügt.

Ganz besonders die Unterscheidung zwischen "Influence" (beeinflußen) und "control" (gestalten) finde ich erwähnenswert. Das Weltklima können wir nicht gestalten, beeinflußen können wir es sehr wohl. Im Großen und Ganzen ist das mittlerweile auch anerkannt. Es scheint im Wesentlichen Konsenz darüber zu herrschen, dass unsere Beeinflußung des Klimas zu nicht mehr kontrollierbaren Konsequenzen führt.

Schlimmer noch: offensichtlich haben die Delegationen in Kopenhagen den absehbaren Schaden ja billigend in Kauf genommen, nachdem man sich noch nicht einmal verbindlich auf eine Limitierung auf zwei Grad Erwärmung einigen konnte (man verzeihe mir diese Interpretation der "zur Kenntnis genommenen" Schlußerklärung).

Bei den absehbaren Folgen: müsse die Regierungen nun nicht damit rechnen, weltweit von Revolutionen abgesetzt zu werden? Ganz offensichtlich nicht. Dann aber ist doch eigentlich die Frage zu stellen, warum über die jeweils nächste Steuerreform Regierungen stürzen, über die Erderwärmung aber nicht.

Ich möchte eine persönliche Spekulation einbringen: ich denke, für eine große Zahl von Menschen in den Industrienationen sind die Folgen noch viel zu abstrakt, viel zu weit weg, um wirklich ernsthafte und nachhaltige Besorgnis auszulösen. Schweinegrippenhysterie ja, Klimahysterie wohl eher nicht...  Das Thema ist ja in der Tat etwas schwer greifbar. Vielleicht könnte Technologie hier unterstützend eingreifen, indem realistische Simulationen (womöglich als Computerspiel) die Folgen unmittelbar vor Augen führen?

Und die Entwicklungsländer? Ich befürchte, die Menschen dort haben dringendere Probleme (Maslow läßt grüßen...). Solange der Hungertod, oder zumindest doch bittere Armut , die Menschen tagtäglich bedrohen, solange werden mögliche Katastrophen in 10 oder 20 Jahren niemanden ernsthaft zur Handlung motivieren. Ja, einmal gehäßig gesagt, ist es überhaupt auszuschließen, dass manche Entwicklungsländer gar zu "Gewinnern des Klimawandels" werden? Getreu dem Motto "es regnet mehr und ich mag in einem Unwetter ums Leben kommen, aber zumindest verhungere ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht". Nochmal: das ist sehr gemein gedacht, aber kann man diesen Gedanken ausschließen?

Der Klimawandel läßt sich nur durch globales Handeln lösen. Dabei aber fällt auf, wie ungerecht die Resroucen auf unserem Planeten verteilt sind. Vielleicht müsste man dieses Problem zunächst in den Griff bekommen. Das wiederum schreckt aber die Industrienationen, bzw. deren Bevölkerung. Ein Teufelskreis...

Ist es also an der Zeit, fatalistisch dem Ende entgegen zu sehen und bis dahin so unbesorgt wie möglich zu leben? Dazu noch eine Nachricht[2]:

In der Nacht von Freitag auf Samtag sind die Eurostar-Züge im Tunnel stecken geblieben, wahrscheinlich aufgrund der Kältewelle (wie war das mit der Abhängigkeit vom Klima?). Trotz der Probleme wurde später versucht, zwei weitere Züge den Tunnel durchfahren zu lassen (wie war das mit dem "Problem kleinreden"?).Die fielen ebenfalls aus (über die Analogie will ich gar nicht nachdenken). Danach hat man sich nun entschlossen, das Problem ernsthaft mit Testzügen zu analysiseren, und den Verkehr erst einmal eingestellt.

Ich befürchte fast, so lernen Menschen (und wir sehen das "am kleinen" an unseren Kindern und - wenn wir ehrlich sind - uns selbst): etwas muss erst "richtig schief gehen", bevor wir uns ernsthaft um eine (unbequeme) Lösung bemühen. Das Positive an dieser Überlegung ist, dass wir uns wahrscheinlich irgendwann erstnhaft mit dem Thema Klimawandel auseinander setzen werden. Die Frage ist nur, ob es dann nicht schon zu spät ist...

[1] http://www.nps.gov/yell/naturescience/volcanoqa.htm
[2] http://www.independent.co.uk/news/uk/home-news/eurostar-cancels-services-amid-chaos-1846069.html


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Kommentare

  1. M.Adeno
    22.12.2009 | 13:27

    Ich tippe eher darauf, dass die Menschen die Lösungen(deutsche Solarstomsubventionen oder Abwrackprämien, Glühbirneberbote)einfach als unglaubwürdig ansehen, ähnlich wie Schuldenabbau, Arbeitslosigkeit halbe oder Steuergerechtigkeit. Warum soll man zum dem potenziellen Unglück einer Klimaverschlechterung noch zur Bereicherung von Zertifikatehändlern, Subventionslobbyisten und anderen Geschäftemachern beitragen, die sich am Feuer einer Klimakatastrophe die Hände wärmen.

  2. Rainer Gerhards Glaubwürdigkeit der Maßnahmen
    22.12.2009 | 17:10

    Klar, die Frage der Glaubwürdigkeit stellt sich auch. Das macht die Sache nicht unbedingt besser. Aber ich vermute wirklich, dass der Kern des Problems davon nicht getroffen wird. Ich denke wirklich, in der breiten Masse ist das Problem nicht wirklich als "so gravierend" wahrgenommen. Wobei die allgemeine Politikmüdigkeit ja auch in eine gewisse Richtung zeigt...

  3. Dr. Eberhard Schmidt-Ihn Menschheit vs. Klima 0:1
    22.12.2009 | 21:15

    Wenn doch endlich einmal aufgehört würde, von "offensichtlich" im Zusammenhang zwischen Mensch und Klima zu sprechen. Nichts wird offensichtlich dadurch, dass die wissenschaftliche Phantasie fehlt und in gewissem Rahmen auch die Seriosität. Statt dessen wird gegackert, bevor ein Ei gelegt ist, und Simulationen werden unbesehen zur vermeintlichen Realität.

  4. Rudiswiss Klimawandel
    23.12.2009 | 05:27

    klar gibt es einen “klimawandel” aber nich so wie es suggeriert wird, vom menschen gemacht. wir befinden uns in einer vorbeigehenden warmperiode und sonst nichts, es geht um billionen im emissionshandelmarkt und nicht um das wohl der leute gegenüber einer angeblichen klimakillerwelle. die winkinger haben bereits in einer damaligen warmperiode, die wärme war als unsere aktuelle zeit, in grönland ackerbau betrieben und viehzucht, in südengland war weinanbau zur damaligen zeit gang und gebe, bis die klimatischen verhältnisse kippten…

  5. Jürgen Bolt Pessimismus
    23.12.2009 | 09:06

    Ich fürchte, Sie haben mit Ihrer pessimistischen Einschätzung recht. Aber dennoch muß man, meine ich, sein Handeln an vorsichtig optimistischen Prämissen ausrichten. Jared Diamond gibt in 'Collapse' Beispiele von Kulturen, die einen schonenderen Umgang mit Ressourcen realisieren konnten. Es ist also in der Vergangenheit gelegentlich schon gelungen.

    Vielleicht lohnt es sich, in der Weihnachtszeit noch einmal Schillers Gedichte anzusehen, z.B. 'Hoffnung'. "Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn, Erzeugt im Gehirne des Toren, Im Herzen kündet es laut sich an: Zu was Besserm sind wir geboren. Und was die innere Stimme spricht, Das täuscht die hoffende Seele nicht."

    Ich wünsche Schöne Feiertage und Ihnen einen erholsamen Urlaub im Süden.

  6. Schweickhardt Dogma?
    30.01.2010 | 15:00

    Lieber Rainer Gerhards, wir erkennen doch, dass der Mensch kein Einfluß auf das Wetter und das davon statisch abgeleiteten Klima hat.
    Eine CO2 Reduktion ist unwirksam, da die Menschheit nur 2% diese Spurengas produziert.
    Der Zug ist wegen der Temperatur-unterschiede stehen geblieben und NICHT WEGEN DEM KLIMA.
    Versuchen Sie mal das ideologische Brett vorm Kopf abzunehmen.
    Warum muß Klimawandel ein Problem sein, dass man global "lösen" muß?
    Hat Ihre Anmaßung keine Grenzen?

    Ich denke, die Gefahr kommt aus der Ökodiktatur und der "Großen Tranformation". Schauen Sie a mal nach, Sie können sicher recherchiern.
    Gruß Gerhard Schweickhardt

  7. David Zeller
    14.08.2010 | 22:40

    @Rudiswiss, Schweickhart:

    Da ich weiß, dass ich euch nicht umstimmen kann versuche ich es erst garnicht.

    Ich möchte nur allen anderen gesagt haben, dass die beiden den puren Blödsinn verzapfen!

    Überlegt auch doch einfach mal, wer an der Nuzung er Fossilen Brennstoffe verdient?

    Oder wer es gerne hätte, dass ihr eure stromfressenden Altgeräte weiterbenutzt?

    Oder der Amazonas abgeholtzt wird, um billig Holz zu gewinnen?

    Richtig!
    es sind die ganz großen Firmen wie BP, Stromkonzerne und andere mächtige Organisationen, die sich keinen Deut um das Wohl unserer Erde kümmern, siondern viel lieber Geld verdienen wollen!

    "Eine CO2 Reduktion ist unwirksam, da die Menschheit nur 2% diese Spurengas produziert."
    sagt wer? sowas will mit Links belegt werden ;)

    "Der Zug ist wegen der Temperatur-unterschiede stehen geblieben und NICHT WEGEN DEM KLIMA."

    Wodurch wurden die Tmperaturunterschiede nochmal ausgelöst?

    "Versuchen Sie mal das ideologische Brett vorm Kopf abzunehmen.
    Warum muß Klimawandel ein Problem sein, dass man global "lösen" muß?
    Hat Ihre Anmaßung keine Grenzen?"

    was wollen sie damit sagen?

    "Ich denke, die Gefahr kommt aus der Ökodiktatur und der "Großen Tranformation"."

    Sprachen nicht sie von Anmaßung?

    "Schauen Sie a mal nach, Sie können sicher recherchiern."

    Fassen sie sich doch bitte mal an die eigene Nase ;)

    Ich möchte im Übrigen nicht bestreiten, dass es Firmen gibt, die mit dem sogenannten "Green-Washing" Geld verdienen wollen (im Aldi stand ein PC, auf dessen Verpackung ernsthaft von "Green-DDR3-RAM" gesprochen wurde (der wahrscheinlich maximal 10% weniger LEistung, als normaler RAM verbrät, was aber etwa 0,2W ausmacht... also ~nichts)Allerdings muss man deshalb nicht die ganze Sache verteufeln!
    Oder würden sie nie wieder an Hilfsorganisationen wie Unicef oder WWF spenden, nur weil es auch unter diesen schwarze Schafe gibt, die nur am eigenen Gewinn interessiert sind?

    Wer mir nicht glaubt:
    Schafft euch eine eigene Meinung!

    Vetraut nicht auf das, was ich, Politiker, oder Die Zeitung sagen - Denkt selbst!

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