Siemens cop15 Gedanken zum Klimawandel

Wer bezahlt den Klimaschutz?

Beitrag vom 21. Dezember 2009, 11:04

Von Björn Lohmann 

Es ist ein großes Drängen. Russland drängt die USA. Die USA drängen China. China drängt die EU. Die Entwicklungsländer drängen den Rest der Welt. Frau Merkel drängt sie alle. Gebt mehr Geld für den Klimaschutz, verpflichtet euch zu strengeren Vermeidungszielen bei den Treibhausgasen. Praktisch alle Staatschefs dieser Welt sind großzügig mit Forderungen, was andere tun müssen, bevor sie selbst etwas (oder mehr als bislang zugesagt) tun werden. Und so tut wieder einmal kaum jemand etwas. Kopenhagen wird ein Fortschritt sein und gleichzeitig ein Scheitern. Globaler Klimaschutz scheint eine moderne Variante des Beamtenmikados zu sein: Wer sich zuerst bewegt, verliert.

Dabei werden wir alle verlieren, wenn wir uns nicht alle bewegen. 20 Millionen Klimaflüchtlinge gibt es schon heute, 200 Millionen könnten es Ende des Jahrhunderts sein. In Deutschland spüren wir die ersten Folgen des Klimawandels beispielsweise daran, dass Überträger von Tropenkrankheiten am Oberrhein heimisch geworden sind. Doch am härtesten trifft es jetzt und in Zukunft die Entwicklungsländer – die am wenigsten Schuld am Klimawandel haben.

Viel wird in diesen Tagen über heutige CO2-Emissionen diskutiert und über das Niveau von 1990 oder später. Doch der Klimawandel – und damit die Verantwortung für ihn – wird nicht nur von dem bestimmt, was wir in den nächsten Jahrzehnten machen. Entscheidend ist auch, wer für die heute in der Atmosphäre befindliche CO2-Konzentration von 385 ppm ursächlich ist. Mehr als ein Viertel davon dürfte von Menschen zu verantworten sein, davon gut zwei Drittel von den Industrieländern. Wir haben also nicht nur die moralische Pflicht, wirtschaftlich schwachen Ländern beim Kampf gegen zukünftige CO2-Emissionen zu unterstützen, wir haben auch die historische Pflicht.

Doch Klimaschutz kostet Geld, viel Geld. Massiv weniger, als den Klimawandel abzuwarten und die Folgen zu bekämpfen, darüber sind sich die meisten einig. Trotzdem liest man immer wieder, es gäbe dringlichere Probleme, die sich günstiger lösen ließen. Der Hunger in Afrika, zum Beispiel. Ich bin der Letzte, der bestreitet, dass bereits ein Bruchteil der in der Finanzkrise von Staaten bereit gestellten Gelder genügen würde, den Hunger in der Welt zu beseitigen und nebenbei noch allen Menschen grundlegende Schulbildung zu ermöglichen. Doch der Klimawandel wird das trockene Afrika noch trockener machen, wird das überschwemmungsgeplagte Bangladesh noch häufiger und heftiger überschwemmen. Wer den Klimawandel ignoriert, wird langfristig gegen Windmühlen kämpfen.

Die Frage, wer die Kosten des Klimaschutzes tragen soll, ist also gar nicht so schwierig. Für die heute in der Atmosphäre befindlichen Mengen, die ja ziemlich genau beziffert sind, kommen diejenigen auf, die sie verursacht und von der Industrialisierung profitiert haben. Für zukünftige Emissionen kommen die auf, die sie verursachen und davon profitieren. Eigentlich banal, oder?

Selbst die Umsetzung müsste nicht kompliziert sein. Zum Ausgleich für die Emissionen der Vergangenheit helfen die Industriestaaten den Entwicklungsländern dabei, mit klimafreundlichen Technologien Wohlstand und Lebensqualität zu erhöhen. Wer in welchem Umfang verantwortlich ist, sollte sich aus den Wirtschaftsdaten der letzten Jahrzehnte grob rekonstruieren lassen.

Noch einfacher wird es in Zukunft: Damit im Jahr 2100 die Temperatur maximal zwei Grad höher ist als heute und der Klimawandel somit beherrschbar, dürfen dann nicht mehr als 450 ppm CO2 in der Atmosphäre sein. Bis 2050 darf der globale Ausstoß 750 Milliarden Tonnen nicht überschreiten, um dieses Ziel mit 67 Prozent Wahrscheinlichkeit zu erreichen. (Übrigens kein sehr konservatives Ziel. Läge die Wahrscheinlichkeit, dass ich eine Straßenüberquerung überlebe, bei 67 Prozent, ginge ich nicht mehr vor die Haustür...) Bis 2050 können wir also weltweit analog dem in Europa bereits erprobten Zertifikatehandel Verschmutzungsrechte in Höhe von 750 Milliarden Tonnen versteigern, deren Erlös in Klimaschutzprojekte gesteckt wird.

Natürlich müsste man noch so manches Detail aushandeln, aber letztlich wären es eben wirklich Details. Man hätte ein klares Konzept, mit dem man arbeiten und nahezu sofort Maßnahmen ergreifen könnte. Eigentlich simpel. Am Ende von Kopenhagen werden wir jedoch weder dieses noch ein anderes Lösungskonzept sehen. Die Staatsoberhäupter haben den Klimawandel als Problem erkannt, längst aber nicht die Dringlichkeit und Intensität, mit der sie handeln müssten. Die wissenschaftlichen Berater der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen warnen, Deutschland müsse bis 2020 seine CO2-Emissionen halbieren und bis 2030 komplett einstellen, sofern das Zwei-Grad-Ziel global fair verteilt erreicht werden soll. Was drastisch klingt, ist gar nicht so wild: Technisch und wirtschaftlich sei es möglich, das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten, urteilt das Fraunhofer ISI. Der Klimaschutz könne verwirklicht und die wirtschaftliche Entwicklung sogar stellenweise verbessert werden.

Versammelte Politiker beim Weltklimagipfel: Hört auf eure Experten. Wer in Kopenhagen kompromisslos voran geht, wird doppelt gewinnen. Noch ist der Klimawandel auch eine Chance.


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Kommentare

  1. Armin Quentmeier Wer bezahlt den Klimaschutz?
    21.12.2009 | 23:00

    Die westlichen Industriestaaten pumpen jedes Jahr viele Milliarden Dollar in die sogenante Dritte Welt. Meist versickert das Geld in den Taschen brutaler und unfähiger Machthaber. Jeder weitere Dollar oder Euro würde ebenso nutzlos versickern. Keine weiteren Mittel für den Klimachutz sollte nach Afrika, Asien oder Lateinamerika fließen!
    Das größte Problem in der Dritten Welt ist das enorme, ungebremste Bevölkerungswachstum. In allen Drittweltstaaten hat sich die Bevölkerung in den letzten 40 Jahren mindestens verdoppelt: wieviel Einwohner hatte z. B. Bangla Desh 1971 im Jahr der Unabhängigkeit? Wieviel Einwohner hatte Indien, die afrikanischen Staaten? Es gibt keine "Klimaflüchtlinge", nur Menschen, die wegen der Bvölkerungsexplosion vor schlechteren Lebensbedingungen zu fliehen versuchen. Egak wieviele Menschen wir aufnehmen würden - den Bevölkerungsüberschuß aus der dritten Welt können wir nicht durchfüttern!
    "Klimaflüchtlinge" ist deswegen ein kaum erträgliches Unsinn-Wort!

    "Die wissenschaftlichen Berater der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen warnen, Deutschland müsse bis 2020 seine CO2-Emissionen halbieren und bis 2030 komplett einstellen, sofern das Zwei-Grad-Ziel global fair verteilt erreicht werden soll."
    Deutschland trägt weniger als drei Prozent zur weltweiten CO2-Emission bei. Selbst wenn wir gar kein CO2 mehr produzieren und auch noch das Atmen einstellen (ca 1 kg CO2 pro Person und Tag), wird sich an der weltweiten CO2-Emission gar nichts ändern, weil "unser" Anteil in weniger als einem Jahr allein von China oder Indien mehr als wettgemacht werden würde. Sorry, aber Deutschland kann die Welt nicht retten, am deutschen Wesen kann und soll die Welt nicht genesen!

  2. Wanderer 3.Welt
    22.12.2009 | 09:29

    Vor langer Zeit wurde von uns begonnen (den "modernen" Ländern) die Kolonien auszuplündern, von dessen Ressourcen gönnen wir uns ein besinnliches Fest, aber zu christlichen Festen gehört auch dazu, daß man weiss, es verhungern dort 30000 Kinder jeden Tag. Aber wenn in 20 Jahren die fetten Kinder an Asthma und Allergien sterben, ist die 3.Welt sowieso schuld, oder warum haben die sich die Regenwälder abholzen lassen.

  3. A.B Wer bezahlt den Klimaschutz?
    10.01.2010 | 15:57

    Herr Lohmann, wir hatten und haben immer die Pflicht Menschen vor dem Hungertod zu bewahren.
    Glauben sie wirklich, dass die Leute die uns die Klimakatastrophe einreden wie z.B. Mr.Pachauri oder Mr.El Gore sich Gedanken über die Verbesserung der Lebensumstände in der 3.Welt machen.Bezahlen werden wir alle und das nicht zu knapp, schließlich geht es ja um alles. Den 3.Ländern verbietet man die Verfeuerung fossieler Brennstoffe, statt dessen bekommen sie von uns ein Windrad und drei Solarzellen, so das muß aber auch reichen.Die Billionen einnahmen für den Klimaschutz legen wir mal gut in co2 Zertifikate an, bringt glatt eine super Rendite. Das Klima macht Freudensprünge mal rauf mal runter und alle sind zufrieden, na ja fast alle.
    Es zweifelt doch niemand an, dass massive Geldsummen aufgebracht werden müßen, um unser aller Leben zu retten oder? Ich bin davon überzeugt, dass die die bezahlen können am Leben bleiben.

szmtag