Hätten Sie gerne einen Roboter?
Jetzt spielen Roboter schon Gitarre, teilte mir jedenfalls neulich die Firma Gibson Guitar mit, die ihren Automaten Anfang Dezember in Berlin auftreten lassen wollte. Na, habe ich gedacht, das wäre doch mal was! Und dann bin ich vorher noch auf deren Webseite www.gibson.com gesurft – und habe gemerkt, dass ich reingefallen wäre. Die Gitarre stimmt sich nur automatisch, von selbst spielen keine Rede. OK, auch nett, und für verschwitzte On-Stage-Artisten vielleicht Harmonie rettend. Aber bedient wird auch die „Robotguitar“ weiterhin im Handbetrieb.
Dabei spähe ich ja durchaus begierig nach neuen Anzeichen vernünftiger Robotertechnologie und Künstlicher Intelligenz. Auf dem Klavier hat man es schon weiter gebracht. Tonaufnahmen großer Meister wurden in elektronische Befehle für einen Flügel umgesetzt. So konnte man ihn dann hören: Horowitz live – aber aus der Konserve. Kenner sagten, vom Original sei das praktisch nicht unterscheidbar. Aber warum dann der Spaß? Klaviere, deren Tasten sich wie von unsichtbarer Hand bewegen, weil im Innern eine Papierwalze rotierte, kannte man, nicht ganz so exquisit, schließlich schon vor einem Jahrhundert.
Kürzlich veröffentlichten wir in „Spektrum der Wissenschaft“ einen Beitrag über eine Art Haushaltsroboter (September 2007, S. 74). Der Prototyp des „Ballbots“, entwickelt von einem amerikanischen Forscher, steht auf einer Kugel, rollt herum und hält in fast allen Lagen sein Gleichgewicht, immerhin! Gelobt hat sein Erfinder Robbis grazile, halbhohe Figur. So schlank würde er auch in engen Zimmern herumkurven können ohne anzuecken. Vielleicht kann er mir mal das Frühstück bringen, Staub saugen oder das Geschirr spülen. Aber schon den tanzenden Roboter Asimo von Honda würde ich eher nicht in mein Wohnzimmer lassen. Von Asimovs intelligenten Robotern, mit denen sich zwischendurch auch über die philosophischen Fallen in seinen drei Robotergesetzen debattieren ließ, ist das alles noch ein weiter Weg.
Jetzt hat mein Leib-und-Magen-Blatt „Science“ dem Thema gleich einen ganzen Schwerpunkt gewidmet (16. November, 2007, S.1083). Da geht es nicht um Roboterclowns à la R2-D2 von „Star Wars“ (übrigens gerade 30 Jahre alt, der Film). „Feindliche“ Umgebungen sind das primäre Einsatzgebiet für die Automaten der Zukunft: etwa in den Tiefen des Ozeans oder im Weltall, in Raumschiffen, auf Monden oder Planeten. Autonome Geräte sind gefragt, wie sie schon bei monotoner und gefährlicher Arbeit zum Einsatz kommen: für die Reinigung von Ölpipelines oder das Lackieren von Karosserien.
Von der Biologie lernen, sagen sich dagegen KI-Forscher aus Zürich und entwerfen Roboter, die sich an biologischen Organismen orientieren. Diese haben es über die Jahrmillionen gelernt, in unsicherer Umgebung, mit großen Veränderungen und unvollständiger Information zu überleben. Industrieroboter dagegen agieren in weit gehend kontrollierter Umgebung, mit keiner oder geringer Unsicherheit. Die Schweizer entwickeln nun Maschinen, die sich selbst organisierten und so eher für die wirkliche Welt geschaffen sind als industrielle Spezialprodukte. Die „biologisch inspirierten Roboter“ krabbeln und laufen, schwimmen und winden sich gleich Raupen, sobald sie an Land gehen.
Auf anderen Gebieten ist das Militär da schon weiter, und da hört auch jeder Spaß auf, zum Beispiel bei Flugrobotern. Letzten September, so berichtet „Science“, wurden mit Hilfe der ferngesteuerten, unbemannten Drohne MO-5B/C im Irak zwei Personen lokalisiert, die offenbar gerade dabei waren, bei Qayyarah eine Bombe zu platzieren. Dann traf sie die Bombe von oben.
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