Warum eigentlich nackt? - Die Evolutionstheorie weiß es offenbar nicht
Es ist hübsch formuliert: „Als Nacktheit bezeichnet man biologisch die Kleidungslosigkeit von Menschen und die Haar- oder Federlosigkeit von Tieren.“ Das schreibt so das Onlinelexikon Wikipedia. Was die weit gehende Haar- beziehungsweise Felllosigkeit betrifft, so teilt sich der Mensch diese Eigenschaft immerhin mit Säugetieren wie Hausschweinen oder Walen.
Was sagt die Evolutionstheorie dazu? Glaubt man einigen, dann sei es vor vielleicht 500 000 Jahren eine Mischung von zwei Effekten gewesen: die Nutzung des Feuers sowie der Gebrauch von Kleidung. Ob außerdem die fehlende Behaarung bei der schweißtreibenden Jagd auf Beutetiere in der Savanne geholfen hat, den Körper besser zu kühlen?
Jedenfalls war ich etwas verblüfft, als ich neulich im Wissenschaftswochenblatt „New Scientist“ (19. September 2009) die Meinung vertreten sah, dass alle versuchten Erklärungen der Nacktheit spekulativ und nicht haltbar seien. Da schließlich laut Theodosius Dobzhansky (1900–1975) alles in der Biologie nur dann einen Sinn ergäbe, wenn es im Lichte der Evolution betrachtet würde, so fehlt offenbar eine schlüssige Erklärung für diese in der Säugetierwelt doch seltene Eigenschaft.
|
| Rekonstruktionszeichnung des Neandertalers von František Kupka um 1909; so haarig waren die Urmenschen jedoch nicht. |
Es war der Altmeister der Evolutionstheorie selbst, der einen ersten Deutungsversuch wagte. „Niemand nimmt an“, schrieb Charles Darwin in „Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“, „dass die Nacktheit der Haut dem Menschen irgendeinen direkten Vorteil bietet; sein Körper kann sein Haar nicht durch natürliche Selektion verloren haben.“ Ob es, wie er meinte, ein Effekt der Sexualauswahl war? Doch diese These ließ sich nicht halten: Unter all den tausenden Säugetierarten wäre auch schwer zu verstehen, warum die Männchen lediglich einer Art eine nachhaltige, aber ansonsten willkürliche Vorliebe für fast nackte Weibchen entwickelt haben sollten.
Als dann in den 1920er Jahren propagiert wurde, dass das Jagen in der offenen Savanne schon wegen der körperlichen Erhitzung ohne Fell doch Vorteile böte, stieß diese These auf ähnlichen Widerspruch: Auch hier wäre doch seltsam, dass keine andere Säugetierart den gleichen Weg zur Körperkühlung eingeschlagen habe. Immerhin schützen Haare vor der Sonnenstrahlung bei Tag und vor Kälte bei Nacht, von der Verletzungsgefahr nackter Haut ganz abgesehen; und die Säuglinge können sich im Fell der Mutter sicher besser festkrallen als auf nackter Haut. Warum also sollten ausgerechnet Weibchen noch stärker Haare verlieren als die Männchen? Gleichwohl wurde diese Sicht der Dinge ein halbes Jahrhundert lang kaum bestritten.
![]() |
|
Die Entwicklung des Menschen, veranschaulicht im American Museum of National History |
Oder doch? Mit einer Minderheitenmeinung hatte sich 1960 Alister Hardy von der Oxford University vorgewagt, die noch heute manchmal in Esoterikkreisen beliebt ist. Dem britischen Meeresbiologen war aufgefallen, dass die menschliche Haut nicht nur nackt, sondern auch mit einer Fettschicht unterfüttert sei, wie das Meeressäuger ebenso eigen ist. Doch niemand sonst wollte wirklich annehmen, der Mensch sei nach einer Zwischenphase sozusagen „aus dem Meer“ an Land gegangen. Hardys „Wasseraffen-Hypothese“ konnte nicht gegen die herrschende Savannentheorie bestehen.
Als eine weitere Minderheitenmeinung, berichtet der „New Scientist“, konstatierte 1970 der Biologe Russell W. Newman, dass Hominiden in der baumlosen Ebene folgende drei Eigenschaften niemals zugleich hätten entwickeln können: zu wenig Haare, zu viel Schweiß, und einen häufigen Trinkbedarf. Doch dieser Einwurf wurde ignoriert – bis dann 1977 der Evolutionsbiologe Stephen Jay Gould seine Neotenie-These aufstellte. Neotenie, das zuerst, bezeichnet in der Domestikationsforschung die Verjugendlichung, also die Beibehaltung von Jugendmerkmalen beim Eintritt in die Geschlechtsreife.
Gould meinte nun, die Nacktheit sei eine Evolutionsstrategie für die Entwicklung größerer Gehirne – gefördert durch eine Verlängerung der Adoleszenzphase, in der Gehirne besonders stark wachsen. Entsprechend hätten wir auch infantile Züge beibehalten: flache Gesichter, größere Köpfe, und nackte Haut. Doch so ganz klappt diese These auch nicht. Gerade der humane Embryo ist behaart; und schon in der Kindheit verlieren wir unsere kurzen Beine und die Zahnlosigkeit.
|
|
Der Homo ergaster lebte vor etwa 1,4 bis 1,8 Millionen Jahren. Zum aufrechten Gang war er in der Lage, aber war er schon nackt? Copyright: AMNH |
So ging es, bis auch die dominierende Savannentheorie ins Wanken geriet. Flora- und Faunanalysen im Zusammenspiel mit frühen Hominiden führten Kaye Reed von der Arizona State University zu der Annahme, dass die Urmenschen wahrscheinlich in einer Mischung aus Buschlandschaft, Galeriewäldern und Feuchtgebieten lebten – eine Sicht, die bis heute standgehalten hat. Das veränderte drastisch unsere Sicht auf unsere Menschwerdung. Der aufrechte Gang entstand demnach nicht notwendig erst in der Savanne, auch wenn die Hominiden diese ab einem Zeitpunkt für sich eroberten.
Doch wann verloren sie ihren Haarpelz? Anders gefragt: Ab wann wurde der Mensch nackt? Das ist für Paläontologen schwierig herauszufinden, denn Haare bilden keine Fossilen. Doch hier sprangen Genetiker ein. 2004 bestimmten Forscher von der University of Utah den Zeitpunkt, ab dem Hominiden einen bestimmten Rezeptor entwickelten, der ein Protein produziert, das Haut und Haare beeinflusst. Die Genetiker vermuteten nun, dass dieses Protein die Haut gegen Sonnenstrahlung schützt und daher notwendig war, sobald die Urmenschen nackt wurden. Ihre Schlussfolgerung: Das geschah spätestens vor 1,2 Millionen Jahren, deutlich früher als bis dahin gedacht. Andere Befunde scheinen dieses Datum sogar noch weiter in die Vergangenheit zu verschieben.
Doch was sagt das über die Nacktheit selbst? Die Wasseraffen-Theorie von Alister Hardy wird dadurch noch nicht widerlegt. Ihr Problem ist wohl eher, dass sie zu viel erklären will: aufrechten Gang, Nacktheit, Fettschicht, Reduzierung des Geruchssinns. Ein wichtiger Hinweis könnte sein, wenn Forscher herausfänden, ob sich aufrechter Gang und Nacktheit in etwa gleichzeitig entwickelten. Ob das schon ein Pluspunkt für Hardy wäre, bleibt Spekulation. Aber der Casus Nacktheit bleibt für Evolutionsbiologen weiterhin spannend.
Ähnliche Artikel:
- John Archibald Wheeler: Magier der Quanten und Schwarzen Löcher
- Eiskristalle als Zellularautomaten
- Der König ist tot und andere Schachfrechheiten
- Auf der Jagd nach Schwarzen Löchern
- Ein Plan, die Welt zu retten?




Ich könnte mir auch eine positive Wirkung der Nacktheit auf die Vermeidung von Hautparasiten vorstellen.
In der Eiszeit konnte man sich auf zwei Arten anpassen:
Langsam durch ein dickeres Fell, oder
viel schneller durch fremde Pelze.
Analog dazu ist die Rückentwicklung des Gebisses
durch Messergebrauch, Kochen und Braten.
Anpassung allgemein:
Der Mensch passt zuerst seine Umgebung manuell, technologisch oder kulturell an sich an.
Danach kann es sich der Mensch leisten, jene genetischen Informationen zu verlieren, die ähnliche Anpassungen seines Körpers bewirkt hätten.
»...berichtet der „New Scientist“...«
Nicht der "New Scientist" berichtet hier, sondern Elaine Morgan, die die Wasser-Affen-Theorie vertritt:
http://www.elainemorgan.me.uk/
Viele Punkte, in denen sich Menschen und Affen unterscheiden, lassen sich mit der Theorie des Wasseraffen erklären:
Die Nasenlöcher nach unten verhindern ein Eindringen des Wassers. Es gibt eine Affenart, die Nasenaffen, die ebenfalls nicht nach vorn gerichtete Nasenlöcher hat und interessanterweise viel im Wasser lebt.
Die subkutane Fettschicht ist ein Muss, um die Körpertemperatur im Wasser regulieren zu können. Fell isoliert nur an der Luft.
Menschenbabies können von Geburt an tauchen (besitzen den nötigen Reflex zum Atem-Anhalten), haben das andere Menschenaffen auch?
Bei Menschenaffen schiebt sich bei einer Erektion die Vorhaut von der Eichel, beim Menschen nicht. Das ist ein wichtiger Faktor bei der Kopulation im Wasser, da nur so die notwendige Gleitfähigkeit gegeben ist.
Hingegen tut sich die reine Savannen-Theorie schwer, beispielsweise den Tauchreflex der Babies zu erklären...
Die Evolutionstheorie hält eine Menge von Antworten bereit. Wir wissen nur nicht, welche die richtige ist.
»Ob es, wie er meinte, ein Effekt der Sexualauswahl war? Doch diese These ließ sich nicht halten: Unter all den tausenden Säugetierarten wäre auch schwer zu verstehen, warum die Männchen lediglich einer Art eine nachhaltige, aber ansonsten willkürliche Vorliebe für fast nackte Weibchen entwickelt haben sollten.«
Schwer zu verstehen?
Die Vorliebe der Männchen für nackte Weibchen besteht doch nach wie vor. Die nackte Haut signalisiert nämlich, wie alt oder jung das Weibchen ist und hat somit Bedeutung für das Balzverhalten des Männchens.
Sexuelle Selektion dürfte der plausibelste Evolutionsmechanismus für das Phänomen "nackter Affe" sein.
Vielleicht war es aber auch Zufall.
Der Mensch ist deshalb Mensch, weil er Natur zu ersetzen vermag. Kleider haben es ermöglicht in lebensfeindliche Gebiete vorzudringen. Wahrscheinlich/sicher haben sich die Frauen von Männer, die weniger eigenen Pelz, sondern solchen erlegter Tiere trugen, mehr Sicherheit für ihre Nachkommenschaft versprochen.
Also ich finde, Darwin trifft es mit seiner Erklärung der sexuellen Selektion noch immer am besten, insbesondere wenn man noch folgende Modifikation in das Argument einbaut: Durch eine (verhaltensmutationsbedingte) anfängliche Auswahl möglichst unbehaarter Weibchen (ursprünglich möglicherweise ein Indiz für das Alter des Weibchens), stieg aufgrund der ständigen optischen Stimmulation, das Fortpflanzungsinteresse der Hominiden. (Mal ehrlich - ist doch intuitiv unmittelbar nachvollziehbar, oder?) Im Gegensatz zur Pfauenfeder hätte diese sexuelle Selektion also ein produktives Ergebnis, das selbstverstärkend gewirkt haben dürfte. Die Erklärung, warum andere Tiere dann nicht auch Unbehaartheit selektiert haben, könnte darin liegen, dass nur die Hominiden aufgrund ihrer weiterentwickelten Intelligenz (also besseren Anpassungsfähigkeit an die Umwelt) dann auch in der Lage waren, den Zuwachs an Nachwuchs erfolgreich bis ins fortpflanzungsfähige Alter aufzuziehen.
Weil der schulwissenschaftliche Weg (vgl. Shakespeare) keine Begründung findet, bleibt der andere Weg. Nehmen wir den Fakt der Bibel und die Überlieferungen der Sumerer. In der Bibel heißt es bei 1 Mo 1,26: "Dann sagte Gott: Nun wollen wir den Menschen machen, ein Wesen das uns ähnlich ist." Und in der Überlieferung steht, dass Gott Ea, seine Halbschwester Ninharsag und sein Sohn Ningischzidda vor gut 200.000 Jahren den Menschen schufen – wie sie später glaubten – im Auftrag Gottvaters. Genehmigt hatten das die Anunnaki-Götter Enlil (Halbbruder) und Anu (König vom Nibiru, Vater von beiden und Ninharsag). Der Homo erectus war die Ausgangsform – und so lässt sich kein Missing Link zwischen beiden Formen finden.
Da die Anunnaki-Götter nackt waren ohne Kleidung – ist es der Mensch auch geworden. Das war im Süden Afrikas. Und weil hier die Menschen danach hauptsächlich aufwuchsen stimmt auch die wissenschaftliche Erkenntnis:
Bräuer, G.: Der Ursprung lag in Afrika. Spektrum der Wissenschaft 3/2003, S. 38 – 46.
Die Frauen waren eben schon immer sehr wählerisch und wollten sich,wahrscheinlich schon in grauester Vorzeit,nicht von jedem "Affen"ein kleines,süßes Baby machen lassen.
Vielleicht war es auch das Feuer, dass uns das Fell geraubt hat.
Haarlosigkeit hat biologische Vor- und Nachteile.
Die Nachteile überwiegen dabei im Allgemeinen, jedoch konnte sich der Mensch durch die stetige Fortentwicklung seiner Intelligenz die Vorzüge der Nacktheit leisten, da er in der Lage war, die Nachteile "künstlich" auszugleichen, was andere Tierarten eben nicht konnten.
Somit erklärt sich auch ganz von selbst, warum nur der Mensch sich haarlos entwickelte, während es andere Arten nicht taten.
Das perfekte Kühlsystem der nackten menschlichen Haut bringt, mit der "Savannen-Theorie" übereinstimmend, einen deutlichen Vorteil. Der Nachteil der fehlenden nächtlichen Wärmung wurde durch die Intelligenz ausgeglichen, sich körperfremden Kälteschutzes zu bedienen. Durch steigende Intelligenz sinkt das Verletzungsrisiko, da das intelligente Wesen auch unbekannte Gefahren als solche erkennen kann.
Die Theorie der "optischen Asuwahl" ist zu kurz gedacht, denn "optisch reizvoll" ist immer etwas, was einen Vorteil verheißt. Im Übrigen beißt sich diese Theorie auch mit dem Umstand, dass der Mensch letztlich ausgerechnet an den Stellen, an denen der Affe "nackt" ist, Haare entwickelt hat.