Papa und Papa bekommen ein Baby
Manchmal denkt man, „die haben doch einen Knall“. Aber der Schock von heute ist häufig die Banalität von morgen. Ich bin mir selbst nicht ganz sicher, drum will ich auch gar nicht die – oft wohlfeile – Empörungstrommel rühren. Aber ich wüsste gerne, wie Sie das sehen, und Sie deshalb einladen, mir Ihre Ansichten dazu als Kommentare unten an diesen Beitrag zu schreiben.
Um was es geht? Ein Patentanalytiker in San Francisco will sich nach einem Bericht im „New Scientist“ (12. Februar 2008, S. 6) Verfahren schützen lassen, weibliches Sperma und männliche Eier herzustellen – bei Menschen, versteht sich. Genauer gesagt: Aus genetisch männlichen Zellen sollen Eizellen, aus genetisch weiblichen Zellen sollen Samenzellen geformt werden.
Ziel von Greg Aharonian ist die „gleichgeschlechtliche Reproduktion“. Das wird für einigen Aufruhr sorgen, und das weiß Aharonian auch: „Ich bin ein Unruhestifter“, meint der Kalifornier. Und ob dies funktioniert, weiß auch noch keiner. Kurioserweise braucht er das auch gar nicht zu beweisen – denn das ist zumindest in den USA nicht nötig, um das Patent auf eine Erfindung zu erhalten.
Auf jeden Fall geht es um Stammzellforschung, vielleicht auf einen bizarren Fall angewandt. Wie also bekommen gleichgeschlechtliche Paare ihre Kinder? Hier unterscheiden sich das männliche und das weibliche Problem, und zwar wie folgt:
Männlich – männlich
Einem der beiden Männer wird beispielsweise eine Hautzelle entnommen, diese zunächst in eine embryonale Stammzelle und dann in eine Eizelle konvertiert. Die so entstandene männliche Eizelle wird mit dem Samen des Partners befruchtet und das Resultat von einer Leihmutter ausgetragen.
Weiblich – weiblich
Aus der Körperzelle einer Frau eine Samenzelle zu fertigen, wäre wohl nicht ganz so einfach (falls die männliche Variante denn einfach ist). Denn im weiblichen Genom mangelt es ja etwas an dem männlichen Y-Chromosom. Ohne dieses Teil würde ja jedes Kind automatisch weiblich sein. Das „Y“ enthält womöglich auch wesentliche Informationen über die Bildung von Spermien, ohne die nun mal eine Befruchtung nicht möglich ist. Also müsste das Genom der weiblichen Zelle mit einer Art künstlichem Y-Chromosom im Austausch gegen ein X-Chromosom ausgestattet werden, regt Aharonian in seiner Patentschrift an. Käme es aber zu einer Befruchtung, dann verliefe die Sache danach sogar einfacher: Eine der beiden Partnerinnen würde dann die befruchtete Eizelle selbst austragen können.
Das Ganze ist womöglich weniger absurd, als es den Anschein hat. So, wie sich derzeit die Ereignisse in der Stammzellforschung fast täglich überstürzen, scheint fast nichts mehr ausgeschlossen. Gerade die Rückprogrammierung reifer Körperzellen zu Zellen mit embryonalen Eigenschaften scheint immer besser zu gelingen, inzwischen auch ohne die krebserzeugenden Retroviren als „Genfähren“.
So äußern sich die Experten zwar kritisch, aber keiner behauptet, dass solche Eskapaden aus technischen Gründen grundsätzlich ausgeschlossen seien. Eher sei auch mit ethischen Bedenken zu rechnen. So organisiert Debra Mathews von der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore gerade eine Tagung in Cambridge (England), wo im April Probleme bei der Züchtung von Eizellen und Spermien diskutiert werden – auch solche von homosexuellen Paaren. „Menschen wollen Kinder“, sagt die Bioethikerin. „Niemand will da hören, dass sie das nicht dürfen.“



Was ich nicht verstehe: Warum muss das aus der Frau gewonnene Spermium ein Y-Chromosom bekommen? Von den natürlich entstandenen Spermien haben doch auch nur die Hälfte ein Y-Chromosom, die anderen erhalten das X-Chromosom. Der Nachteil ist, dass Frauen dann keine Jungs bekommen könnten. Aber wozu auch? Mit dieser Methode wäre eine rein weibliche Kultur, wie sie in der Legende der Amazonen beschrieben wird, in greifbarer Nähe.
Auch ob die Erbinformation zur Bildung der Spermien auf dem Y-Chromosom codiert ist, ist für dieses Verfahren unerheblich, denn man möchte ja nicht die eine Mutter zur natürlichen Produktion von Spermien umprogrammieren, sondern diese Zellen schlicht synthetisch herstellen.
Schön, dass man auch homosexuellen Paaren womöglich schon bald zu eigenen Kindern verhelfen kann.
Die Zulassung synthetischer Gameten wird freilich auf die üblichen moralischen Einwände stoßen. Doch welche Einwände könnten ein Verbot rechtfertigen?
Das Wohlergehen des Kindes? Dies käme der Behauptung gleich, dass es für Kinder homosexueller Paare besser wäre, gar nicht geboren zu werden - und wer wollte das allen Ernstes behaupten?
Ich bezweifle, dass eine rein weibliche Kultur von Frauen überhaupt gewünscht wird. Die meisten von denen sind ja nach wie vor Heterosexuell.
Ich bezweifle, dass eine rein weibliche Kultur von Frauen überhaupt gewünscht wird. Die meisten von denen sind ja nach wie vor Heterosexuell.
@Fischer
Das mit den Amazonen war auch nicht ganz ernst gemeint. Aber interessant an dieser Entwicklung ist, dass Sexualität und Reproduktion zunehmend weniger miteinander zu tun haben. Schon jetzt gibt es alleinstehende Frauen, die sich durch künstliche Befruchtung ihren Kinderwunsch erfüllen. Mit der oben beschriebenen Technik wäre es nicht nur für homosexuelle Paar möglich Kinder zu bekommen, sondern eine alleinstehende Frau könnte statt eines anonymen Samenspenders ihre beste Freundin zur zweiten Mutter wählen.
Was die Gesellschaft hier grundlegend verändern wird, ist also nicht dass auch gleichgeschlechtliche Paare gemeinsam Kinder haben können (das gibt es durch Adoption oder anonyme Samenspender bereits), sondern dass die Reproduktion immer mehr von der Geschlechtlichkeit entkoppelt wird. Seit Einführung der Pille ist Sex ohne Reproduktion möglich. Durch die künstliche Befruchtung ist Reproduktion ohne Sex (oder unabhängig vom Sex) möglich.
Ob das moralisch zu vertreten ist? Ich lehne es gefühlsmäßig für mich ab. Anderen verbieten kann und möchte ich es nicht. Aber meine Ablehnung stützt sich nicht auf die gleichgeschlechtliche Vermehrung, sondern auf die künstliche Befruchtung allgemein, die einfach eine zu starke Technologisierung des Kinderkriegens darstellt. Wie gesagt: Nur mein Gefühl, keine allgemeine Norm.
Es könnte dennoch sein, dass man das hier geschilderte Verfahren zum Wohl der Kinder ablehnen muss. Und zwar dann, wenn sich nach Realisierung des Verfahrens herausstellt, dass die Gefahr von Missbildungen oder sonstigen Nebenwirkungen unzumutbar groß ist.
Wir werden sehen. Wenn die Methode funktioniert, wird man ihre Anwendung eh nicht unterbinden können. Notfalls gehen die interessierten Paare zur Befruchtung ins Ausland.
"Wenn die Methode funktioniert, wird man ihre Anwendung eh nicht unterbinden können. Notfalls gehen die interessierten Paare zur Befruchtung ins Ausland."
Mit welchem guten Grund ließe sich die Anwendung dieser Methode überhaupt unterbinden?
"Es könnte dennoch sein, dass man das hier geschilderte Verfahren zum Wohl der Kinder ablehnen muss. Und zwar dann, wenn sich nach Realisierung des Verfahrens herausstellt, dass die Gefahr von Missbildungen oder sonstigen Nebenwirkungen unzumutbar groß ist."
Wenn das Verfahren nicht funktionierte und die auf diese Weise gezeugten Kinder vermehrt mit Missbildungen auf die Welt kämen, würden Paare auch keinen Gebrauch von ihm machen wollen. Doch warum nicht? Die Antwort scheint einfach: Weil sie sich nun einmal gesunde Kinder wünschen! Doch warum wünschen sie sich gesunde Kinder? Weil sie sich nicht mit einem behinderten Kind belasten wollen oder weil sie meinen, dass das Leben behinderter Kinder nicht lebenswert sei?
"Mit welchem guten Grund ließe sich die Anwendung dieser Methode überhaupt unterbinden?"
Unterbinden gar nicht, höchstens einschränken. Und zwar nicht durch Verbot, sondern durch Aufruf zum freiwilligen Verzicht auf diese unnötige Technologisierung menschlichen Lebens.
"Doch warum wünschen sie sich gesunde Kinder? Weil sie sich nicht mit einem behinderten Kind belasten wollen oder weil sie meinen, dass das Leben behinderter Kinder nicht lebenswert sei?"
Das ist provokant gefragt. Meine Antwort ist: Weder, noch. Diese Frage stellt sich bei der Abtreibungsdebatte. Dort macht der Appell, auch behinderten Kindern eine Zukunft zu geben, Sinn. Aber für die absichtliche künstliche Erzeugung missgebildeter Kinder sehe ich kein Argument. Warum sollte man das wollen?
Ich könnte auch provokant zurückfragen: Warum wünscht man sich überhaupt unbedingt eigene Kinder? Steht dahinter nicht hauptsächlich der Wunsch, seine eigenen Gene und damit eigene Eigenarten in die nächste Generation weiterzuvererben, also der egoistische Wunsch nach einem genetischen fortbestehen nach dem Tod?
Ein solches Verfahren wäre, wenn es mit einer realiv geringen Fehlbildungsrate funktionieren würde, nicht "nur" für homosexuelle Paare ein Gewinn, sondern auch für unfruchtbare Paare, die entweder keine Eizellen oder keine Spermien haben. Und daher für mich zu begrüßen. Ich kenne sogar schon Paare, die sich ein paar Hoffnungen darauf machen. Ich denke aber, der Weg dorthin ist noch weit.
Zitat Fischer:
"Ich bezweifle, dass eine rein weibliche Kultur von Frauen überhaupt gewünscht wird. Die meisten von denen sind ja nach wie vor Heterosexuell."
Sie wären ja nicht gezwungen, diesen Weg zu gehen. Wenn sie es aber tun, um ein - auch genetisch - gemeinsames Kind zu haben, werden sie doch, wie alle anderen Eltern auch, damit leben können, wenn es ein Mädchen ist.
Zitat Joachim:
"Steht dahinter nicht hauptsächlich der Wunsch, seine eigenen Gene und damit eigene Eigenarten in die nächste Generation weiterzuvererben, also der egoistische Wunsch nach einem genetischen Fortbestehen nach dem Tod?"
Na und? Warum wollen sich Menschen überhaupt fortpflanzen? Es ist doch einerseits wegen der Weitergabe der Gene. Man kann das an einigen Tieren, die ja irgendwie auch mit uns verwandt sind, gut beobachten. Da geht es öfter mal um die weitergabe der höchst eigenen Gene. Warum sollten wir das dann an uns ignorieren?
Und die Sache mit dem Egoismus kann ich in diesem Zusammenhang echt nicht mehr hören. Warum hast du heute früh 2 Brötchen gegessen, wo du doch auch schon mit einem satt gewesen wärst. Ist das nicht purer Egoismus? Immerhin hättest du ja dein zweites Brötchen an hungernde Kinder verschicken können. WIR ALLE sind egoistisch. Ich kann das - wenn auch in gewissen Grenzen - gut tolerieren.
*Es könnte dennoch sein, dass man das hier geschilderte Verfahren zum Wohl der Kinder ablehnen muss. Und zwar dann, wenn sich nach Realisierung des Verfahrens herausstellt, dass die Gefahr von Missbildungen oder sonstigen Nebenwirkungen unzumutbar groß ist.*
Zum einen das, und zum anderen ist ja noch die Frage, wie man herausfinden will, wie groß die Gefahr von Missbildungen ist. Allein um das herauszufinden muss man ja schon Verluste in Kauf nehmen.
Denn dass das Verfahren beim ersten mal perfekt klappt, ist meines Erachtens nicht gesagt. Und da ist dann die Crux.
Der Argumentation von der "unnötigen" Technisierung des menschlichen Lebens kann ich nicht so ganz folgen. Ein Paar, das nur auf diese Weise ein Kind bekommen kann, wird jedenfalls nicht zustimmen, dass es sich um eine unnötige Technik handelt.
Und eine solche Möglichkeit als unnötig zu bezeichnen, nur weil man selbst sie nicht braucht, erscheint mir fragwürdig. Ich würde ja auch nicht - jetzt mal als Extrembeispiel - einen Rollstuhl als unnötige Technisierung bezeichnen, nur weil ich noch laufen kann.
@Beate T.
"WIR ALLE sind egoistisch. Ich kann das - wenn auch in gewissen Grenzen - gut tolerieren."
Volle Zustimmung. Ich fand es nur an den Haaren herbeigezogen, mir zu unterstellen, ich würde "das Leben behinderter Kinder nicht (als) lebenswert" ansehen, weil ich auf die Gefahr von Missbildungen hinweise.
"Ich würde ja auch nicht - jetzt mal als Extrembeispiel - einen Rollstuhl als unnötige Technisierung bezeichnen, nur weil ich noch laufen kann."
Richtig! Das ist ein Strohmann-Argument. Von Rollstühlen war hier nicht die Rede.
Dann sind wir uns ja einig. Auf die Gefahr von Mißbildungen hinweisen, das ist wichtig.
Letzten Endes werden sich die Wunscheltern auch nur dann für diese Technik entscheiden, wenn sie einigermaßen sicher ist. Ich halte es für wichtig, die Paare da jeweils über die ganz konkreten Gefahren (prozentual ausgedrückt) hinzuweisen und sie dann selbst entscheiden zu lassen.
Zulassen sollte man ein solches Verfahren auch erst dann, wenn die Risiken nicht mehr allzu hoch eingeschätzt werden müssen.
Also der Joachim darf willkürlich eine Technologie als unnötig bezeichnen und davor warnen, ohne das näher begründen zu müssen. Aber wenn der Fischer mit einem anderen Beispiel das gleiche macht, dann ist das ein Strohmann? Ich denke nicht.
Das ist eine legitime Analogie, und die unterschiedliche Behandlung von Reproduktionsmedizin und Rollstuhl bedarf einer Erklärung, die über die "gefühlsmäßige Ablehnung" hinausgeht.
Die Frage geht ja nicht weg: Wann ist eine Technologie unnötig und wer bestimmt das?
Da sehe ich halt das Problem: Wie will man rauskriegen, ob das Verfahren sicher ist, ohne es auszuprobieren. Und das wäre ethisch schon wieder ausgesprochen Grenzwertig.
Und wenn man die Risiken einschätzen kann, dann kann man das höchstwahrscheinlich nur auf der Basis von ethisch höchst fragwürdigen "verbrauchenden" Versuchen, die irgendjemand mal irgendwo durchgeführt hat.
Insofern hab ich meine Zweifel, ob man das in dem Fall zulassen sollte. Falls man dann noch eine Wahl hat.
Hallo Herr Fischer,
Lassen Sie uns doch mal von der persönlichen Ebene zurück auf die sachliche kehren. Ich gebe zu, das Wort "unnötig" war von mir daneben gegriffen. Dafür entschuldige ich mich bei allen betroffenen. Ich sehe natürlich die begründung für diese Technik auch. Wer sich aus vollem Herzen ein Kind wünscht, wird unter Umständen für diese Technik dankbar sein. Vielleicht wird er sich auch aus subjektiven Gründen dagegen entscheiden.
Den Unterschied zwischen Rollstuhl und Reproduktionstechnik sehe ich darin, dass eine Gehbehinderung eine Einschränkung ist, die einen einzelnen Menschen betrifft und die mit einfachen technischen Mitteln (dem Rollstuhl) zwar nicht geheilt aber doch gelindert werden kann. Hier kann sich der Betroffene selbst aussuchen, ob und in welchem Unfang er den Rollstuhl nutzt.
Die hier vorgeschlagene Reproduktionsmethode ist dagegen kein einfaches mechanisches Hilfsmittel. Sie greift tief in genetische Abläufe ein, die zum Teil nur unzureichend verstanden sind. Sie haben die bedenken ja selbst geäußert.
Tut mir leid, Ihre Analogie kann ich nicht erkennen. Welche Bedenken sprachen denn gegen die Entwicklung des Rollstuhls.
Gruß,
Joachim Schulz
Für eine Entschuldigung Ihrerseits besteht hier absolut kein Anlass. Ich hätte zugegebenermaßen auch ein etwas besseres Beispiel wählen können.
Ich sehe eben einen Unterschied, ob es gegen eine Technologie Bedenken gibt (in dem Fall sind die Fälle natürlich nicht analog) oder ob man in ihr keinen oder nur einen geringen Nutzen sieht. Das sollte man meiner Meinung nach nicht zusammenwürfeln.
Das war letztendlich das, was ich zum Ausdruck bringen wollte.
"Es könnte dennoch sein, dass man das hier geschilderte Verfahren zum Wohl der Kinder ablehnen muss. Und zwar dann, wenn sich nach Realisierung des Verfahrens herausstellt, dass die Gefahr von Missbildungen oder sonstigen Nebenwirkungen unzumutbar groß ist."
Ich wollte nur sagen, dass es so oder so keinen Grund gibt, die Technologie rechtlich zu verbieten.
Wenn die Technologie funktioniert und zu gesunden Kindern führt, werden - wie Beate ganz richtig angemerkt hat - vor allem heterosexuelle Männer und Frauen von ihr Gebrauch machen, die keine befruchtungsfähigen Keimzellen (mehr) produzieren können. Dass daneben auch homosexuelle Männer und Frauen von ihr Gebrauch machen werden wollen, mag auf moralische Vorbehalte stoßen, kann aber kein rechtliches Verbot begründen.
Wenn die Technologie dagegen nicht funktioniert und überproportional häufig zu missgebildeten Kindern führt, gibt es ebenfalls keinen Grund, sie zu verbieten, weil die Menschen unter diesen Umständen gar keinen Gebrauch von ihr machen wollten.
Mit anderen Worten: Es gibt keinen Grund, das "Wohl des Kindes" zu beschwören, weil die potenziellen Nutzer der Technologie ohnehin kein Interesse daran haben, missgebildete Kinder zu bekommen.
Das "Wohl des Kindes" wird erst dann relevant, wenn Eltern trotz einer hohen Missbildungsrate von der Technologie Gebrauch machen wollten.
Solche Fälle sind selten, kommen aber zuweilen unter Behinderten vor, die sich beispielsweise wünschen, dass ihr Kind ebenfalls taub, zwergwüchsig oder was auch immer geboren wird.
Und genau hier werden die moralischen und rechtlichen Diskussionen zum "Wohl des Kindes" interessant. Wann mag es im Interesse eines (potenziellen) Kindes sein, nicht geboren zu werden?
"Ich fand es nur an den Haaren herbeigezogen, mir zu unterstellen, ich würde "das Leben behinderter Kinder nicht (als) lebenswert" ansehen, weil ich auf die Gefahr von Missbildungen hinweise."
Tut mir furchtbar leid, doch da haben Sie mich missverstanden. Ich wollte Ihnen in keiner Weise unterstellen, dass Sie das Leben Behinderter als nicht lebenswert betrachten.
Ich habe nur die Frage aufwerfen wollen, warum die meisten von uns die Geburt behinderter Kinder vermeiden - tun Sie es "im eigenen Interesse" oder "im Interesse des Kindes"?
Eine solche Frage aufzuwerfen, ist natürlich nicht unproblematisch, zumal sich jeder, der diese Frage beantwortet, sogleich einem moralishen Vorwurf ausgesetzt sieht. Antwortet er mit "im eigenen Interesse", gilt er als "egoistisch", antwortet er mit "im Interesse des Kindes", gilt er als "behindertenfeindlich".
Nichtsdestotrotz finde ich es wichtig, diese Frage - aller Political Correctness zum Trotz! - zu stellen.
"Da sehe ich halt das Problem: Wie will man rauskriegen, ob das Verfahren sicher ist, ohne es auszuprobieren. Und das wäre ethisch schon wieder ausgesprochen Grenzwertig.
Und wenn man die Risiken einschätzen kann, dann kann man das höchstwahrscheinlich nur auf der Basis von ethisch höchst fragwürdigen "verbrauchenden" Versuchen, die irgendjemand mal irgendwo durchgeführt hat.
Insofern hab ich meine Zweifel, ob man das in dem Fall zulassen sollte. Falls man dann noch eine Wahl hat."
Dieses Problem ist ja nicht neu. Vor ihm standen wir bereits, als es um die Einführung von IVF, ICSI oder PID ging.
In einem ersten Schritt führen wir Experimente an Tieren durch und in einem zweiten Schritt führen wir klinische Versuchsreihen an Patienten durch, die bereit sind, eine Schwangerschaft bei auffallendem Befund abzubrechen, um sicherzustellen, dass keine missgebildeten Kinder geboren werden.
*Eine solche Frage aufzuwerfen, ist natürlich nicht unproblematisch, zumal sich jeder, der diese Frage beantwortet, sogleich einem moralishen Vorwurf ausgesetzt sieht. Antwortet er mit "im eigenen Interesse", gilt er als "egoistisch", antwortet er mit "im Interesse des Kindes", gilt er als "behindertenfeindlich".*
Von meinem Standpunkt aus kann man diese moralischen Vorwürfe aber ohne weiteres zurückweisen. Beide Motivationen, sich gegen ein behindertes Kind zu entscheiden sind meines Erachtens vollkommen legitim.