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Lebensmittelallergien - eine Massenpsychose?

11. Februar 2010, 11:22

Es scheint ein gewisser Konsens zu herrschen, dass die Zahl der Allergien in den letzten Jahren sehr stark zugenommen hat. Dieser leider unbelegten Quelle zufolge „verdoppelt sich die Anzahl der Allergiker im zehn-Jahres-Rhythmus“ – oder verdoppelt sich nur die Zahl der Leute, die fest daran glauben, allergisch zu sein? Dieser Eintrag im Blog Savage Minds greift jedenfalls Zahlen[1] aus einem Report auf, nach dem zwar etwa 20 Prozent aller erwachsenen Briten nach eigenen Angaben an einer Lebensmittelallergie leiden, aber nur bei knapp zwei Prozent ein Provokationstest positiv ausfällt.

Die Zahlen stammen von zwei Wissenschaftlerinnen der Uni Portsmouth, die für das Flour Advisory Bureau einen Bericht über die Prävalenz von Weizenmehlallergien, Unverträglichkeiten und Zöliakie erstellt haben. Das FAB ist eine Lobbyorganisation, die die Verwendung von Weizenmehl promotet, und der Bericht ist auch nicht peer reviewed, insofern ist Misstrauen durchaus angebracht. Die Zahlen scheinen allerdings größenordnungsmäßig zu stimmen, es gibt eine ganze Reihe Studien mit vergleichbaren Ergebnissen. Es scheint so zu sein, dass nur etwa ein Zehntel der selbstdiagnostizierten Lebensmittelallergien einer Überprüfung standhält.  (weiter)

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Abnehmen mit Wasser

30. August 2009, 15:28

Dass Sport laut aktueller Forschungsergebnisse nicht dazu beiträgt, überflüssige Pfunde loszuwerden, hatte ich kürzlich andernorts ausgeführt. Dabei blieb allerdings die Frage offen, wie man denn nun wirklich abnimmt.  Die einschlägige Literatur ist voll mit Geheimtipps und Wundermitteln, aber im Grunde gibt es nur ein sicheres Rezept: Weniger essen.

Damit fangen die Probleme allerdings erst an, und egal welche Methode man wählt, sie erfordern alle ein erhebliches Maß an Willenskraft, und wer hat die schon? Dementsprechend vielfältig sind die Tricks und Kniffe, mit denen der eigene Appetit zumindest ein wenig überlistet werden soll. Forscher der Virginia Tech haben in der Zeitschrift Obesity eine entsprechende Untersuchung veröffentlicht, die sich einer sehr weit verbreiteten Strategie annimmt. Mit der Methode konnten die Forscher (genauer gesagt ihre Probanden) den Gewichtsverlust während einer Diät um fast die Hälfte steigern. Man braucht sich zur Abwechslung auch keine Sorgen zu machen, dass es sich um bloße Verkaufsförderung handelt, denn in diesem Fall ist das Wundermittel ganz einfach Wasser. (weiter)

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Gangs, Gene und Gewalt

07. Juni 2009, 22:15

Es ist eine zentrale Prämisse des Rechtsstaates und seiner Justiz, dass kein Mensch kriminell geboren ist, sondern frei ist, sich für oder gegen bestimmte Handlungen zu entscheiden. Darauf fußen zentrale Begriffe wie Schuld, Verantwortung und natürlich auch Rehabilitation.

Die Anzeichen mehren sich jedoch, dass gewalttätiges Verhalten eine erbliche Komponente hat. Es scheint inzwischen belegt zu sein, dass Defekte des Gens für Monoaminoxidase A (MAOA) mit einer höheren Gewaltneigung verbunden sind. Eine Mutation im Gen verursacht zum Beispiel das sehr seltene Brunner-Syndrom, das mit höherer Aggressivität und leichten geistigen Behinderungen einhergeht.

Gendefekte sind eine Sache, allerdings hat sich gezeigt, dass auch einige weit verbreitete Varianten des Gens mit gewalttätigem oder antisozialem Verhalten bei Jugendlichen zusammenhängen. Träger solcher Allele sind, zeigt eine aktuelle Studie, signifikant häufiger in Gangs aktiv. Und sie greifen wesentlich häufiger zur Waffe. (weiter)

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Reinlichkeit, Moral und sexueller Missbrauch von Katzen

01. Dezember 2008, 13:55

 

What, will these hands ne'er be clean? [...]
Here's the smell of the blood still: all the perfumes of Arabia
will not sweeten this little hand. Oh, oh, oh!

 

- Shakespeare, Macbeth, Act V, Scene I

Moral und saubere Finger gehen Hand in Hand, das wissen wir nicht erst seit Lady Macbeth und ihrer unguten Obsession: Das als Macbeth-Effekt bekannte Motiv des Waschens taucht schon im Matthäus-Evangelium auf:
„Da aber Pilatus sah, daß er nichts schaffte, sondern daß ein viel größer Getümmel ward, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten, sehet ihr zu!“
Wissenschaftler demonstrierten 2006, dass die Verbindung zwischen moralischer und körperlicher Reinheit mehr ist als nur eine hübsche Metapher: Ist unsere moralische Reinheit in Frage gestellt, reagieren wir mit Waschzwang.

Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Wenn man Simone Schnall, Jennifer Benton und Sophie Harvey von der Universität Plymouth glaubt, funktioniert die Sache nämlich auch in die andere Richtung: Sauberkeit beeinflusst moralische Werturteile. (weiter)

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Der Heidelberger Kuh-Kompass

30. August 2008, 22:59

ResearchBlogging.orgEs ist schon ein paar Tage her, dass diese Meldung die Runde machte: Deutsche Wissenschaftler haben bei der Analyse von Satellitenbildern entdeckt, dass Kühe und Rotwild sich bevorzugt entlang der Nord-Süd-Achse ausrichten. Jetzt fragen sich natürlich alle, weshalb das bisher noch niemandem aufgefallen ist.

Aber wie auffällig ist der Effekt überhaupt? Im Paper, das von allen Journalisten und Bloggern, die drüber geschrieben haben, sicherlich aufmerksam gelesen wurde[1], sind die Ergebnisse der Analysen schön übersichtlich in einem Koordinatenkreis dargestellt, und man kann zum Beispiel sehr schön sehen, dass die Tendenz bei Rotwild stärker ausgeprägt ist als bei Kühen. Und es ist, wenn man das Ergebnis schwarz auf weiß aufgeschrieben sieht, tatsächlich kaum einsehbar, dass das noch niemandem aufgefallen ist. (weiter)

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Glaube und Zölibat: bio-logisch erfolgreich?

23. Dezember 2007, 13:01

Heute überlasse ich - passend zur religiös geprägten Saison - dem Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume das Podium. Michael Blume beschäftigt sich unter anderem mit den biologischen Ursprüngen und Mechanismen der Religiosität; 2005 promovierte er in Tübingen über das Verhältnis von Neurowissenschaften und Religionswissenschaft

An der Uni Heidelberg veranstaltet er in diesem Semester das Seminar "Religionswissenschaftliche Präsentationen zur Evolution der Religion", an dem ich auch mitwirke. Kennengelernt habe ich ihn vor einer Weile über sein Religionswissenschafts-Blog, in dem er regelmäßig über derartige Themen schreibt. Heute berichtet er hier bei Abgefischt über mögliche biologische Grundlagen des Zölibats. Viel Spaß!

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Glaube und Zölibat: bio-logisch erfolgreich?

Edward O. Wilson, einer der bedeutendsten Biologen unserer Zeit, stellte in seinem mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Buch On human Nature von 1978 fest: "Religion stellt die größte Herausforderung für die Soziobiologie des Menschen dar und ihre aufregendste Gelegenheit, als eine wirklich originale theoretische Disziplin fort zu schreiten." (S. 178, Übers. aus dem Englischen)

Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass Wilsons Traum in Erfüllung gehen könnte. In spezialisierten Netzwerken wie den Evolutionary Religious Studies wirken längst nicht nur Forscher verschiedenster Nationen, sondern vor allem auch unterschiedlichster Disziplinen mit. Dabei treffen Evolutionsbiologen, Anthropologen, Ethnologen, Psychologen, Neuromediziner, Soziologen, Ökonomen, Theologen, Philosophen und (vergleichende) Religionswissenschaftler nicht nur auf immer mehr Tagungen aufeinander, sondern nutzen auch das Internet, um in einer früher undenkbaren Geschwindigkeit und Tiefe empirische Daten und Thesen auszutauschen. (weiter)

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Schwul? Oder nur was mit der Nase?

11. Dezember 2007, 00:14

Einige Neurobiologen berichten in Nature Neuroscience, sie hätten mit gentechnischen Methoden schwule Taufliegen erzeugt. Im Zentrum ihrer Arbeit steht ein Gen namens genderblind, das sie bei einigen Taufliegen ausgeschalten haben, mit dem Resultat, dass die Fliegenmännchen anfangen, ihre Geschlechtsgenossen zu befummeln, belecken, begatten.

In ihrer Pressemitteilung behaupten die Wissenschaftler, sie seien damit der Ursache von Homosexualität möglicherweise ein Stück näher gekommen. Sie können nach eigenen Angaben Homosexualität bei Drosophila systematisch an- und ausschalten.

Bei näherer Betrachtung sieht das allerdings ein bisschen anders aus, denn genau genommen wählen die veränderten Fliegen keine gleichgeschlechtlichen Partner – im Gegenteil, sie verlieren die Fähigkeit, die Geschlechter zu unterscheiden.  (weiter)

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Ungleicher Lohn = Streik

14. November 2007, 22:28

Menschen legen Wert großen Wert auf Gerechtigkeit, und wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen, dann schmollen sie. Lokführer zum Beispiel. Damit sind sie nicht allein, wie wir in einer Proceedings of the National Academy of Sciences lesen.

Die Verhaltensstudie amerikanischer Wissenschaftler führt uns zu den evolutionären Wurzeln des Gerechtigkeitsempfindens, und so gesehen auch zu den tieferen Ursachen der derzeitigen Unerfreulichkeiten, denen Bahnreisende im Moment regelmäßig ausgesetzt sind. Denn im Grunde geht es um ein einfaches Tauschgeschäft: Arbeit gegen Belohnung.

Bei so was sind Menschen empfindlich, und nicht nur die. Die Studie an Kapuzineraffen (Cebus apella) hat nicht nur gezeigt, dass die Tiere ein angebotenes Tauschgeschäft auch mal ablehnen, wenn es ihnen ungerecht vorkommt, sondern auch, welche Angebote die Tiere unfair finden. (weiter)

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