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Interview: Die wundersame Auferstehung von Cryosat

09. April 2010, 10:12


Eigentlich war die Cryosat-Mission der ESA schon gescheitert - beim Start im Jahr 2005 fiel der Erdbeobachtungssatellit ins Meer. Doch anders als bei den meisten Missionen, die derart unrühmlich endeten, gab es für Cryosat eine zweite Chance. Binnen viereinhalb Jahren baute die ESA den Satellit nach den vorhandenen Plänen neu. Gestern startete Cryosat-2 von Baikonur aus in den Erdorbit.

Mein Interviewpartner Alexander Soucek ist seit sechs jahren im Cryosat-Team und Koordiniert die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Technikern.

 

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Zu viel versprochen - War´s das schon mit den Genexpressions-Arrays?

22. Januar 2010, 00:04

Mitte der 90er Jahre weckte eine neue Methode zur Messung der Genaktivität die Hoffnung, Tumore mit Hilfe ihres Expressionsprofils zu charakterisieren und gezielt zu behandeln. Doch diverse Probleme verhindern nach wie vor, dass die Technik in der Praxis zum Einsatz kommt. Inzwischen wachsen Zweifel daran, dass sie es jemals in die Klinik schafft

Eines der großen Probleme bei der Behandlung von Krebs ist, dass die Krankheit so variabel ist. Tumore können aus den unterschiedlichsten Ursachen entstehen, und kleine molekularbiologische Unterschiede können große Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben. Ob zum Beispiel ein Tumor mit hoher oder niedriger Wahrscheinlichkeit Metastasen bildet, hängt unter anderem davon ab, welche Gene besonders aktiv sind. Und das misst ein Expressions-Array.

Ein Expressions-Array ist im Grunde eine Platte vielen kleinen Schälchen, an deren Boden kurze einzelsträngige Erbgutstückchen befestigt sind. Sie fangen aus der Probelösung die zu ihnen passenden, fluoreszenzmarkierten DNA-Stränge ein, die zuvor mit Hilfe des Enzyms Reverse Transkriptase aus mRNA-Strängen gewonnen wurde. Die mRNa wiederum ist das Ausgangsprodukt der Proteinsynthese: Je mehr von ihr vorhanden ist, desto aktiver ist das Gen. Und desto stärker leuchtet das Schälchen mit der dazu passenden Sonde.

Das Prinzip erscheint fast verlockend einfach, und die nötige Technik ist ebenfalls seit Jahren kommerziell erhältlich. Trotzdem sieht es so aus als würde der Stern dieser Technologie bereits wieder sinken, bevor sie es auch nur in den Klinikalltag geschafft hat. Die Expressions-Arrays sind den hohen Erwartungen nie gerecht geworden.

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Metallrecycling: Eine neue Rohstoffquelle wird kartiert

27. Oktober 2009, 18:20

Wir haben kürzlich am Beispiel der Sondermetalle gesehen, dass Metallrecycling unerwartete Auswirkungen auf die Rohstoffversorgung hat. Doch das war erst der Anfang. Wenn Metalle systematisch und in großem Stil wiederverwertet werden, dann tritt die Zivilisation selbst als Lagerstätte auf den Plan. Dann nämlich wird jede Region, in der Metalle genutzt werden, zur potentiellen Rohstoffquelle.

Und genau wie bei den natürlichen Lagerstätten gibt es große regionale Unterschiede. Wo mehr Metall ist, fällt auch mehr zum Recycling an. Diesen Ansatz hat jetzt Jason Rauch aus Yale konsequent weiterverfolgt und eine Karte dieser menschengemachten Metallressourcen erstellt. Aufgeführt sind die bedeutendsten Industriemetalle Kupfer, Eisen, Zink und Aluminium.  (weiter)

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Sondermetalle: Wer braucht schon Ruthenium?

03. September 2009, 17:26

Die Zeiten, zu denen die Technik mit Eisen, Kupfer, Aluminium und einer Handvoll anderer Metalle auskam, sind lange vorbei. Ein moderner Laptop enthält mit 60 Elementen buchstäblich das halbe Periodensystem, und den größten Teil davon nehmen Metalle ein. Neben Gold, Silber oder Kobalt auch so exotische wie Indium, Tellur oder Ruthenium, deren Bedeutung in der Technik rapide zunimmt.

Auf dem Wissenschaftsforum der GDCh begegnete man diesen Sondermetallen auf Schritt und Tritt. Nicht nur Katalyse und Mikroelektronik wäre ohne diese Stoffe kaum denkbar – ein Mobiltelefon enthält 24 Milligramm Gold und neun Milligramm Platin, und in jedem Akku stecken fast vier Gramm Kobalt – wegen ihrer besonderen Eigenschaften tauchen sie in immer mehr alltäglichen Anwendungen auf. Palladium zum Beispiel gehört zu den wichtigsten Katalysatormetallen, findet aber auch in Transistoren, Zahnersatz und chirurgischen Instrumenten Verwendung.

Die Nachfrage nach diesen High-Tech-Elementen steigt entsprechend steil an. Und bisher noch die Produktion. Doch je wichtiger die Sondermetalle für die Technik werden, desto verwundbarer sind Industrie und Gesellschaft für Rohstoffmangel. Das Problem sind nicht die schwindenden Reserven – die Lagerstätten enthalten nach wie vor Sondermetalle für die nächsten Jahrhunderte. Die Gefahr liegt vielmehr in der prekären Versorgungsstruktur. (weiter)

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Mit Kohleverflüssigung weg vom Erdöl?

10. August 2009, 13:15

Es wird ernst mit den erneuerbaren Energien. Mit Desertec ist erstmals ein Großprojekt in Planung, dessen Leistung an die Dimension des tatsächlichen Verbrauchs heranreicht: 15 Prozent des europäischen Strombedarfs soll das Projekt decken. Das schöne an diesem Ansatz ist, dass er auch mit der alten Energieinfrastruktur funktioniert. Tausche Kohle gegen Solar und lege dicke Leitungen nach Nordafrika - fertig. Es ist vor allem eine Frage des politischen Willen.

Doch das Stromnetz ist nur ein Arm des gigantischen Energieflusses, der unsere moderne technische Zivilisation antreibt. Der zweite wichtigeTeil der modernen Industriegesellschaft kann jedoch nicht oder nur mit enormem Aufwand elektrisch betrieben werden: Transport. Als der Ölpreis kurzfristig auf über 100 Dollar gestiegen war, richteten sich die Hoffnungen auf eine fast schon totgeglaubte Technik: Die Kohleverflüssigung, auf neudeutsch Coal-to-Liquid (CtL).

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Das Netz verändert die Wissenschaft

27. Juli 2009, 23:03

Viel wurde darüber geschrieben und geredet, wie das Internet und speziell Wissenschaftsblogs die Wissenschaft grundlegend verändern werden. Tatsächlich war der Einfluss des Netzes bisher lediglich graduell, durch bessere Vernetzung und besseren Zugang zu Daten. Einen echten game-changer dagegen hat das Netz nicht hervorgebracht: Speziell die experimentelle Wissenschaft funktioniert nach wie vor so wie das aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewohnt sind, nur eben mit e-Mail.

Ein aktuelles Beispiel zeigt allerdings, dass das nicht so bleiben muss. Im Blog Totally Synthetic des Chemikers Paul Docherty hat sich ein Kommentator über dieses merkwürdige Paper mit dem Titel "Oxidation of Secondary Alcohols by Sodium Hydride" mokiert. Das ist schon auf den ersten Blick eine ausgesprochen dubiose Behauptung. Natriumhydrid ist ein starkes Reduktionsmittel. Auch bei genauerer Betrachtung scheint die Publikation eherfragwürdig zu sein, und so entwickelte sich eine rege Diskussion über seltsame Reaktionsgleichungen und andere unglaubwürdige Ergebnisse.

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Transgene Affen: Nur ein halber Durchbruch

28. Mai 2009, 21:43

In der heutigen Ausgabe von Nature hat ein japanisches Forscherteam grün fluoreszierende Weißbüschelaffen vorgestellt, die diese Eigenschaft auch an ihren Nachwuchs weitergeben können. Das ganze ist ein bemerkenswertes Ergebnis von einiger Tragweite, allerdings darf man dabei nicht übersehen, dass die grüne Affen momentan noch das einzige sind, was das eingesetzte Verfahren leisten kann. Gezielte genetische Manipulation wie wir sie von der Maus kennen, und viele Kommentatoren reflexhaft am Menschen befürchten, ist bislang nicht möglich.

Dass die Forscher ausgerechnet ein grün leuchtendes Protein in die Affen eingebaut haben, hat übrigens ganz praktische Gründe. Das GFP ist ein hervorragender Marker, weil er schön klein und in Dutzenden Varianten erhältlich ist und einfach unter der Schwarzlichtlampe gesehen werden kann. Transgene Tiere tragen nämlich keinen Stempel und sehen erst einmal genauso aus wie gewöhnliche Tiere. Und häufig genug wird das fremde Genmaterial nicht eingebaut oder bleibt im Genom inaktiv.

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Gefälschte Fachzeitschriften: (Mindestens) sechs gute Gründe für Open Access

18. Mai 2009, 10:58

...und das ist wahrscheinlich erst der Anfang. Der Verlag Elsevier hat seinen Kunden als wissenschaftliche Journals getarnte Werbung der Pharma-Industrie untergeschoben. Der Betrug kam zuerst im Zuge des Vioxx-Prozesses ans Tageslicht. Das Australasian Journal of Bone and Joint Medicine erwies sich als reines Werbemittel, um den damals kursierenden Gerüchten, Vioxx sei unsicher, zu begegnen.

Die Publikation ist rein äußerlich von einer seriösen Wissenschaftlichen Zeitschrift erst einmal nicht zu unterscheiden. Es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, dass der Pharmakonzern Merck die Zeitschrift in Auftrag gegeben und bezahlt hat. Enthalten sind dafür Artikel, die das ganze Spektrum von seriös (d.h. bereits in anderen Journals veröffentliche echte Papers) bis dubios abdecken. Die beiden publizierten Ausgaben des Journals (einsehbar nach kostenloser Registrierung) enthalten insgesamt 50 Beiträge,von denen jeder zweite Verweise auf die Merck-Medikamente Vioxx und Foramax enthält. Und jede einzelne dieser Besprechungen ist positiv.

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Planck - Blick aufs junge Universum

15. Mai 2009, 19:08

Die Obsession der Menschheit für Kinderbilder überspannt alle Bereiche des menschlichen Schaffens. An einem Ende der Skala findet man die Agonie der Sonntagnachmittage mit Fotoalben einer kompletten Sippschaft (schlimmstenfalls sogar der eigenen), auf der anderen Seite reiten zwei Tonnen High-Tech an  der Spitze des modernsten Feuerwerkskörpers der Welt Richtung Erdumlaufbahn, um die Geburt des Universums zu fotografieren. Gestern hat eine Ariane 5 ECA den Satelliten Planck auf den Weg zum Lagrange-Punkt L2 gebracht, den erfolgreichen Start habe ich mir auf Einladung von Andreas Schepers bei ESOC in Darmstadt angeguckt.

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Kurze Anmerkung zum "Mykodiesel"

06. November 2008, 12:51

Die Suche nach dem Sprit der Zukunft ist ja nach wie vor völlig offen. Allerdings scheint Flüssigkraftstoff direkt aus Biomasse inzwischen weitgehend aus dem Rennen zu sein. Indiz dafür: Das Zeug taucht inzwischen fast nur noch im Zusammenhang mit, hmja, eher weit hergeholten Ideen auf. Momentan geht ein schönes Beispiel für diesen Effekt durch die Presse, und zwar die Sache mit dem Mykodiesel.

Die Kurzform der Geschichte geht so: Wissenschaftler entdecken bei einer chilenischen Baumart einen Pilz namens Gliocladium roseum, der sich im Labor züchten lässt und dabei aus Bioabfällen ein Stoffgemisch produziert, das Dieselkraftstoff sehr ähnlich ist. Diese bemerkenswerte Fähigkeit soll jetzt nutzbar gemacht werden, um Diesel direkt aus Biomasse zu gewinnen.

Den letzten Satz muss man allerdings ein bisschen relativieren, denn bei genauerer Betrachtung kann man den Mykodiesel völlig vergessen. In den Meldungen stehen nämlich ein paar ganz wesentliche Punkte nicht drin.

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