04. November 2009, 18:53
Strahlende Abfälle aus Kernreaktoren werden auch nach dem Ausstieg aus der Kernenergie ein ernstzunehmendes Problem darstellen. Doch Regierung und Kraftwerkbetreiber sind genauso wenig wie Atomkraftgegner bereit, sich mit diesem Problem seriös zu befassen. Also muss der Abfall vernichtet werden, doch wie? Es gibt - theoretisch - eine ungewöhnliche Lösung.
Spiegel Online hat heute einen Artikel über das Fusionsprojekt NIF am Lawrence Livermore National Laboratory, in dem leider nicht allzu viel drinsteht. Ich hatte mich allerdings auch mal mit dem Thema befasst und bin dabei auf einen bemerkenswerten Plan gestoßen: Atommüll-Verwertung mit Fusionsenergie.
Das Problem mit dem Atommüll ist ja, dass man ihn nicht wirklich gut lagern kann. Weder in oberirdischen Zwischenlagern, noch in verfallenden Salzstöcken und schon gar nicht im Meer vor Nowaja Semlja, wo er dafür sorgt, dass dem letzten überlebenden Kabeljau ein zusätzliches Paar Kiemen wächst. Am liebsten würde man ihn einfach verbrennen, aber davon werden die Radioisotope leider nicht zerstört
Es gibt allerdings eine Methode, das Zeug endgültig zu beseitigen: Den Beschuss mit langsamen Neutronen. Forscher haben das Verfahren, isotope engineering, in der Schweiz weiter entwickelt und es funktioniert. Dass Atomkraftbetreiber bislang nicht in Jubelstürme darüber ausgebrochen sind, dürfte daran liegen, dass es ziemlich teuer würde, Atommüll auf diese Weise zu entsorgen. Teurer als so ziemlich jede andere Stromquelle auf dem Markt.
Man kann das Prinzip allerdings noch weiter treiben. Russische Wissenschaftler haben schon vor Jahren auf Basis dieses Verfahrens ein Hybrid-Kernkraftwerk konzipiert – der Atommüll soll nicht nur unschädlich gemacht werden, sondern nebenher auch noch Energie erzeugen. Und zwar mit Hilfe der Kernfusion. Und die Forscher an der National Ignition Facility wollen das Ding bauen.
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