15. April 2010, 21:59
Soll der Mensch versuchen, das Klima aktiv in seinem Sinne zu beeinflussen? Die unabsehbaren Folgen solcher Versuche lassen viele davor zurückschrecken. Doch tatsächlich betreibt der Mensch schon lange Geoengineering - unbeabsichtigt. Können wir es uns vor diesem Hintergrund überhaupt erlauben, derartige Möglichkeiten zu ignorieren?
Während sich die Politik noch Gedanken macht, wie es nach dem Kopenhagen-Desaster mit der Reduktion der Treibhausgas-Emissionen weiter geht, denken viele Wissenschaftler inzwischen über wesentlich drastischere Maßnahmen nach: Aerosolwolken oder Weltraumspiegel sollen die Sonneneinstrahlung verringern und gedüngte Meeresregionen gigantische Kohlendioxid-Mengen aus der Atmosphäre absorbieren. Solche Geoengineering-Maßnahmen sollen globale Klimaparameter und geochemische Kreisläufe aktiv beeinflussen, um trotz der bekannten menschengemachten Einflüsse das Weltklima stabil zu halten.
Das klingt, vorsichtig ausgedrückt, ziemlich ambitioniert, und viele Wissenschaftler warnen zu Recht vor den unabsehbaren Konsequenzen solcher Experimente. Die Systeme, in die man eingreifen würde, sind so komplex, dass man gar nicht sicher sein kann, dass man das eigentliche Problem schon erkannt hat – man denke an das Treibhausgas Kohlendioxid, das nicht nur die Atmosphäre erwärmt, sondern auch den pH-Wert der Ozeane beeinflusst, was langfristig der wesentlich schmerzhaftere Effekt sein könnte.
Und natürlich können die eingeleiteten Maßnahmen selbst wiederum globale Konsequenzen haben, die im Extremfall nicht wieder rückgängig zu machen wären. Deswegen existiert momentan eine Art Konsens, dass derartige Ideen nur für den absoluten Notfall reserviert sind. Ich persönlich glaube aber inzwischen, dass das der falsche Weg ist. Die Menschheit betreibt nämlich längst Geoengineering im großen Stil, allerdings im völligen Blindflug.
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Klima und Umwelt
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