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Melamin in chinesischen Milchprodukten, eine kurze Erinnerung

26. Januar 2010, 13:11

In den letzten Jahren haben mit Industriechemikalien versetzte Milchprodukte aus China gleich mehrere Lebensmittelskandale ausgelöst. Aktuelle Meldungen zeigen: Das Problem ist noch lange nicht aus der Welt

Ziemlich genau ein Jahr nachdem in China fast 300.000 Kleinkinder durch kontaminierte Milchprodukte erkrankten, ist das Thema Melamin wieder da. Das Zeug tauchte in Milchpulver und Süßwaren dreier verschiedener Unternehmen auf, wie die chinesischen Behörden am 31. Dezember 2009 meldeten. Allerdings laut Wall Street Journal möglicherweise mit achtmonatiger Verzögerung. Das lässt nichts Gutes ahnen.

Melamin
Es sei noch einmal daran erinnert, dass hinter der Angelegenheit eine beträchtliche kriminelle Energie steckt. Melamin ist, anders als die meisten Kontaminanten in Lebensmitteln, keine durch Nachlässigkeit oder mangelnde Kontrollen hineingeratene Substanz. Vielmehr täuscht es gezielt einen höheren Proteingehalt vor: Echtes Protein enthält nur etwa 16 Prozent Stickstoff, während Melamin zu 67 Prozent aus dem Element besteht. Man kann also mit wenig Melamin den Nährwert scheinbar deutlich erhöhen und mit wesentlich weniger Milch die gleiche Menge Milchprodukt herstellen, ohne dass gängige Prüfverfahren Alarm schlagen. Das ist bares Geld wert: Die Industriechemikalie kostet bei gleichem Effekt lediglich ein Fünftel des echten Proteins.
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Neues Klimamodell: Weniger, aber heftigere Wirbelstürme

25. Januar 2010, 10:44

Drohen durch die globale Erwärmung heftigere Wirbelstürme? Eine endgültige Antwort steht noch aus, aber viele Wissenschaftler beantworten die Frage mit einem vorsichtigen Ja. Neue Modellrechnungen stützen diese Interpretation.

Das Klima der Zukunft wird wärmer - aber wie wird das Wetter? Auf diese Frage gibt es derzeit nur wenig zuverlässige Antworten, und speziell die Auswirkungen auf extreme Ereignisse wie Wirbelstürme oder Dürren sind heftig umstritten. Eng damit verknüpft ist die Frage, ob aktuelle Wetterphänomene bereits der Klimawandel in Aktion sind oder lediglich natürliche Schwankungen darstellen. Ganz oben auf der Liste stehen die Wirbelstürme des Atlantiks, weil sie nicht mur spektakulär sind und enorme Schäden anrichten, sondern auch noch regelmäßig jedes Jahr auftreten und – Zufall, Zufall – ihre Zahl sich in den letzten 25 Jahren verdoppelt hat.[1]

Das Problem ist, dass es bis heute keine Computermodelle gibt, die diese Frage zuverlässig beantworten können. Zu unterschiedlich sind die Zeit- und Größenskalen der beteiligten Phänomene. Klimasimulationen erfassen langfristige Trends über kontinentgroße Bereiche und sind schlicht zu grobkörnig, um einzelne tropische Stürme zu erfassen. Und die Wettermodelle, die heute Zugbahnen von Stürmen vorhersagen können, sind auf zeitlich und räumlich aufgelöste Messdaten angewiesen.

Sowohl der Klimawandel als auch die Entstehung von Wirbelstürmen sind für sich genommen inzwischen recht gut verstanden – kann man eine Brücke zwischen beiden Ebenen schlagen? In den USA, die an langfristigen Hurricantrends aus naheliegenden Gründen sehr interessiert sind, hat ein Team drei Modelle zusammengeführt, um die Auswirkungen des Klimawandels auf Wirbelstürme zu berechnen. Demnach werden atlantische Wirbelstürme seltener, dafür aber deutlich stärker. Und es gibt zumindest laut dieser Studie keinen Hinweis darauf, dass die Effekte des Klimawandels in den bisherigen Trends messbar sind.

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Blogwichteln 2009 - Regen ist nicht gleich Regen

15. Dezember 2009, 09:31

Auch dieses Jahr fand natürlich wieder das traditionelle Advents-Blogwichteln statt. Nachdem der Gastgeber der letzten Jahre, Herr Hollemann, leider nicht mehr bloggt, hat dieses mal bei Frau Bhuti Gastgeberin gespielt und die Organisation übernommen. Für wen ich geschrieben habe, verrate ich natürlich nicht, die komplette Liste aller 35 teilnehmender Blogs gibt es hier. Viel Spaß beim Suchen.

Der heutige Wichtelbeitrag von Unbekannt befasst sich mit dem Thema Regen und Klima, über das ich gerade letzte Woche anderswo ausführlich geschrieben hatte. Insofern passt das ganz gut. Ich habe auch schon einen vagen Verdacht, wem ich das gute Stück verdanke, aber dazu später mehr...

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Das Klima verändert sich nicht nur im fernen Regenwald (großer Wald) oder in Kopenhagen (Hauptstadt) - der anthropogene Klimawandel führt auch vor der eigenen Haustür zu bedeutenden Änderungen in der Art und Verteilung des Niederschlags:

1) Der Anteil advektiver Niederschläge nimmt zugunsten konvektiver Niederschläge ab (keine Angst, Erklärung folgt schnellen Fußes)

2) Tendenziell nimmt der Niederschlag im Winter zu und im Sommer ab.

3) Tendenziell überwiegt im Westen Deutschlands die Zunahme, im Osten die Abnahme (immer noch Regen, keine Pfunde)

Was bedeutet das für uns im Einzelnen? (Jetzt folgt die versprochene Erklärung)  (weiter)

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Schneeball Erde - die Datenlage zum brutalsten aller Klimawandel

15. November 2009, 18:38

Unsere Erde war nicht immer der milde und lebensfreundliche Planet, als der sie sich heute darstellt. Vor gerade mal 700 Millionen Jahren, das zeigen Ablagerungen aus jeder Zeit, kalbten Gletscher selbst in tropische Meere. Doch wie die Welt zu jener Zeit wirklich aussah, darüber streiten die Geologen, und neuerdings auch Klimaforscher

Reden wir vom Klimawandel. Und zwar von einem wirklich drastischen, nämlich von den Phasen totaler oder fast totaler Vereisung, deren geologische Spuren man auf allen Kontinenten findet. Zwei globale Eiszeitalter mit Gletschern bis in die Tropen, bekannt unter dem Begriff Schneeballerde, gelten derzeit als einigermaßen gesichert: Einerseits die Makganyene-Episode vor ungefähr 2,2 Milliarden Jahren, von der nur in Südafrika noch Spuren zu finden sind und über die wir wenig wissen. Besser ist die Fundlage dagegen für den Zeitraum von vor 850 bis etwa 630 Millionen Jahren, die auf mindestens zwei große Vereisungszyklen in diesem Zeitraum hindeutet.

Über die Ursache kann man nur mutmaßen. Die nach wie vor beliebteste Hypothese, nämlich die ursprüngliche von Joe Kirschvink, geht davon aus, dass die Verteilung der Kontinente den Ausschlag gab: Vor etwa 800 Millionen Jahren waren die Landmassen im Superkontinent Rodinia in der Nähe der Tropen konzentriert. Das hätte zwei Folgen, die beide eine Abkühlung begünstigen: Zum einen reflektiert Land mehr Energie als Wasser, und zum anderen verwittert Gestein in den Tropen schneller, so dass die Atmosphäre Kohlendioxid verliert. Zusätzlich vergletschern Kontinente leichter als Ozeane. Das ist ein Teufelskreis an dessen Ende, so die These, eine völlig tiefgefrorene Erde steht.
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Der Wasserschaden von Wiesbaden und die Risiken der Geothermie

06. November 2009, 16:24

Erdwärme ist sauber, sicher und nahezu überall verfügbar. Immer mehr Bauherren setzen deswegen bei ihren Objekten auf Geothermie. Doch auch diese Technik hat ihre Tücken. Die Löcher im Boden können tiefe Einbruchskrater verursachen oder unter Druck stehendes Grundwasser an die Oberfläche durchbrechen lassen. Derartige Schäden zu beheben ist oft langwierig und teuer - um so wichtiger ist Vorbeugung.

Was es nicht alles gibt: Eine Erdwärme-Bohrung hat gestern vorübergehend einen echten Schlammvulkan direkt vor die Haustür des hessischen Finanzministeriums gezaubert. Einen kleinen natürlich nur, nicht so einen wie den in Indonesien, der jetzt seit drei Jahren Dörfer überflutet.  Verglichen mit anderen Weltgegenden und vor allem drängenderen Problemen erscheint das geologische Schadenspotential hierzulande vergleichsweise gering: Große Erdbeben betreffen üblicherweise weit entfernte Weltgegenden oder wenigstens die ferne Vergangenheit, und auch die hiesigen Vulkane haben seit geraumer Zeit nichts mehr von sich hören lassen.

Entsprechend gleichgültig ist deswegen auch die Einstellung gegenüber geowissenschaftlicher Expertise und ihrer praktischen Anwendung. Die entsprechenden Ämter sind unterfinanziert und zerstückelt, wie der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler kürzlich in feststellte. Das ist allerdings ausgesprochen kurzsichtig, denn seitdem es technisch möglich ist, Erdwärme zu nutzen, werden allerorten auf Teufel komm raus Löcher in den Boden gebohrt. Und manchmal findet man dabei auch was. Schlamm zum Beispiel. (weiter)

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Blog Action Day: Die Erschließung der Arktis

15. Oktober 2009, 17:37

Khon, V., Mokhov, I., Latif, M., Semenov, V., & Park, W. (2009). Perspectives of Northern Sea Route and Northwest Passage in the twenty-first century Climatic Change DOI: 10.1007/s10584-009-9683-2

Nördlich des Polarkreises, wo fast jeden Sommer weniger vom nicht mehr ganz so ewigen Eis der Arktis übrig ist, schafft der Klimawandel neue Möglichkeiten. Erstmals seit Menschengedenken sind die beiden legendären Schifffahrtsrouten des Nordpolarmeer gleichzeitig passierbar: Die Nordostpassage um Sibirien herum und die Nordwestpassage von Kanada und Alaska.

Ein Schiff, das diese Strecken von Europa nach Asien nutzt statt durch Suez- oder Panamakanal zu fahren, spart nicht nur sechsstellige Kanalgebühren, sondern auch je nach Route mehrere tausend Kilometer Wegstrecke, und jeder Tag auf See kostet zigtausende Euro. Und nicht nur die Transitstrecke ist interessant, die Nordrouten sind die Tore zur Arktis selbst und zu den enormen Rohstoffvorkommen, die dort noch liegen sollen.

Dafür allerdings muss die Strecke zuverlässig über lange Zeiträume befahrbar sein, und das kann noch eine ganze Weile dauern. Russische und deutsche Forscher haben mit Hilfe von Computersimulationen ermittelt, dass sich die eisfreie Periode bis zum Ende des 21. Jahrhunderts für beide Strecken verdoppeln wird. Die Frage ist: Was bedeuten solche Klimainformationen für die Erschließung der Arktis? (weiter)

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Wanderdünen auf dem Mars

26. August 2009, 16:53

Wanderdünen gibt es auch auf dem Mars, wie Aufnahmen von Raumsonden wie dem Mars Express oder Mars Global Surveyor (MGS) zeigen. Neben typischen Dünenformen wie Barchanen oder Sterndünen findet man auf unserem Nachbarplaneten auch sehr fremdartige Formen, die auf der Erde nicht vorkommen. Doch so exotisch sie aussehen mögen, auch die Dünen auf dem Mars gehen auf die Wirkung des Windes zurück - die Bedingungen dafür sind dort allerdings völlig anders. Der Gasdruck dort beträgt weniger als ein Prozent des irdischen Atmosphärendrucks, und deswegen sind wesentlich stärkere Winde nötig, um die Sandkörner zu bewegen.

Die meisten Wissenschaftler sind bisher davon ausgegangen, dass die Marsdünen ein Millionen Jahre altes Relikt aus einer Zeit seien, als die Atmosphäre dort noch dichter war. Auf Fotos ist jedenfalls auch über Jahre hinweg keine Veränderung an den Dünen zu sehen. So eindrucksvoll die Staubstürme des Planeten im Teleskop aussehen mögen, sie haben nicht genug Kraft, die Oberfläche des Planeten so zu verändern, wie wir das von irdischen Stürmen gewohnt sind.  (weiter)

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Plastikmüll: Zurück an den Absender

20. August 2009, 20:33

Alle Flüsse fließen ins Meer, und heutzutage bringen sie Plastiktüten mit. Kunststoffabfälle bedecken große Flächen der Weltmeere, sie treiben dicht unter der Wasseroberfläche, werden langsam mechanisch zerkleinert und von arglosen Meerestierchen gefressen. Das ist allerdings nicht alles. Kunststoff zersetzt sich, und dabei gelangen ihre Bestandteile wie Bisphenol A und Styrole in die Umwelt. Glücklicherweise sind diese Polymere sehr beständig, so dass der Effekt keine Rolle spielt. Dachte man jedenfalls.

Spiegel Online verweist heute auf eine noch nicht publizierte Untersuchung japanischer Wissenschaftler, die herausgefunden haben wollen, dass der Prozess tatsächlich viel schneller vonstatten geht. Bedingt durch UV-Strahlung und Witterung setzt zum Beispiel Styropor bereits nach einem Jahr Styrol und seine Di- und Trimere frei, die als Krebserregend gelten. Vergleichbares gilt für das Östrogen-Analogon Bisphenol A aus Polycarbonaten.  (weiter)

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Der Tsunami vor unserer Haustür

16. August 2009, 11:09

...they imagined it had bin some fogge or mist coming with great swiftness towards them and with such a smoke as if mountains were all on fire, and to the view of some it seemed as if myriads of thousands of arrows had been shot forth all at one time.

Augenzeugen berichten von einer gigantischen Welle, die am 30. Januar 1607 über den Bristol-Kanal hereinbrach und eine katastrophale Flut auslösten. Die Wassermassen überschwemmten mehr als fünfhundert Quadratkilometer Land und töteten über 2000 Menschen. Zwei australische Wissenschaftler haben den bis heute sichtbaren Spuren der Katastrophe nachgespürt. Edward Bryant und Simon Haslett von der Universität Wollongong schließen aus der Analyse der Hinterlassenschaften, dass nur ein Naturereignis für die Flut verantwortlich gewesen sein könne: Ein Tsunami.

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Piraten!

08. Januar 2009, 13:33

Spätestens seit im Dezember der Supertanker Sirius Star vor Somalia einen außerplanmäßigen Halt einlegen musste, redet man wieder über Piraten. Und nicht nur das, man schickt sogar Kriegsschiffe hin. Unser Verteidigungsminister Franz-Josef Jung verspricht vollmundig, "der Geißel der Piraterie wirkungsvoll entgegenzutreten". Das ist allerdings nur ein schlechter Witz. Denn während die Bundesmarine Holzboote voller hungernde Somalis jagt, schickt Europa seine eigenen Piratenflotten zum plündern in die weite Welt hinaus. (weiter)

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szmtag