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Gentech-Mais bald als Medikament?

04. März 2010, 08:16

Bt-Toxin, benannt nach seinem Produzenten, dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis, hat schon jetzt eine bemerkenswerte Karriere in der Schädlingsbekämpfung hinter sich. Die kleinen Kristalle sind für Wirbeltiere unschädlich, im Darm von Insekten jedoch werden sie zu einem tödlichen Gift. Darauf  und auf dem Umstand, dass die verschiedenen Bt-Toxine jeweils für unterschiedliche Insektenarten hoch spezifisch sind, beruht ihr Erfolg. Ins Erbgut einer Nutzpflanze eingebaut, schützen sie effektiv vor Fraßfeinden, ohne schädliche Rückstände zu hinterlassen.

ResearchBlogging.orgDemnächst könnten diese Proteine noch aus einem anderen Grund reüssieren, denn Insekten sind nicht die einzigen Lebewesen, die gegenüber Bt-Toxinen empfindlich sind: Einige der Verbindungen sind auch gegen Nematoden wirksam. Experimente an Mäusen haben jetzt gezeigt, dass sich diese Darmparasiten prinzipiell mit den Bakterienproteinen therapieren lassen (open access).

Das hat potentiell große praktische Bedeutung, denn etwa jeder fünfte Mensch ist mit Nematoden wie Haken- oder Peitschenwürmern infiziert, die unter anderem bei Kindern Entwicklungsstörungen auslösen. Und es gibt de facto bereits eine Quelle für große Mengen solcher Bt-Toxine: Genetisch veränderten Mais. Es liegt nahe, eine Variante des Bt-Mais als Nutriceutical einzusetzen. (weiter)

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Ein größerer Hantaviren-Ausbruch steht bevor

25. Februar 2010, 21:59

Hämorrhagische Fieber wie Ebola oder Marburg-Virus assoziiert man ja eigentlich eher mit tropischen Regionen, aber tatsächlich ist auch in Deutschland mit dem Hanta-Virus ein Erreger aus dieser Klasse heimisch, der schwere Erkrankungen auslösen kann. Derzeit häufen sich wieder einmal Infektionen mit dem nicht ganz harmlosen Virus, besonders in Baden-Württemberg. Tatsächlich deutet alles darauf hin, dass wir 2010 ein Jahr mit weit überdurchschnittlich vielen Hanta-Fällen erleben werden.

Das vermutet jedenfalls mit guten Gründen das Robert-Koch-Institut. Zum einen spricht eine historische Parallele für diese These. In den meisten Jahren seit der Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 gingen die Fallzahlen nach einem Höhepunkt im Spätsommer über den Winter ein wenig zurück, im Herbst und Winter 2009 jedoch stiegen die Zahlen seit Juli kontinuierlich an. Das gab es bisher nur im Winter 2006/2007, der sich dann als Auftakt zur bisher schwersten Hantavirus-Saison mit fast 1700 Erkrankten erwies.  (weiter)

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Schützt Bier vor Osteoporose?

15. Februar 2010, 17:58

In den letzten Tagen wurde wieder einmal ein Zusammenhang bemüht, der schon seit ein paar Jahren ziemlich regelmäßig in der Tagespresse herumgereicht wird. "Das Getränk aus Hopfen und Malz verbessert die Knochendichte" schreibt der Focus, und die Welt titelt ebenso prosaisch wie zutreffend: "Bier tut gut". Den Knochen natürlich.

Der Anlass – die US-Forscher Bamforth und Casey haben untersucht, wie der Siliziumgehalt im Bier von der Sorte und den Braubedingungen abhängt – gibt derartige Schlagzeilen zwar eigentlich nicht her, das Thema Bier und Knochen allerdings beschäftigt Forscher schon seit Jahren. Diverse seiner Inhaltsstoffe stehen im Verdacht, Auswirkungen auf die Knochen zu haben, in letzter Zeit konzentriert sich die Forschung allerdings auf das Spurenelement Silizium. (weiter)

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Peer Review und der offene Brief der Stammzellforscher

03. Februar 2010, 09:55

Man sollte vielleicht das etwas schiefe Bild zurechtrücken, das derzeit vom aktuellen offenen Brief der 14 Stammzellforscher zu entstehen scheint. Zumal es generell die große Mode zu sein scheint, Manipulationen in der Wissenschaft – oder auch nur Gerüchte darüber – ganz besonders hoch zu hängen, möglicherweise als Ausgleich für die unkritischen Jubelartikel über Homöopathen und andere Quacksalber.

Tatsächlich sind die Klagen über Probleme des Peer Reviews nichts überwältigend Neues und schon gar nicht stammzellspezifisch. Viele Wissenschaftler und Institutionen sind seit Jahren unglücklich über die Schwächen des Systems. Die Reviewer haben in dem System große Macht und, da sie selbst aktive Forscher sind, eigene Interessen. Oder sie haben zu viel zu tun und müssen mehrmals aufgefordert werden, ihren Job zu machen. Mir sind Fälle zu Ohren gekommen, in denen Reviewer erst auf Klagedrohungen durch Anwälte reagierten.
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Neuartige Pilzinfektionen auf dem Vormarsch

31. Januar 2010, 12:38

Unter den Erregern von Infektionskrankheiten sind Pilze eher zweite Wahl: Zum einen treten sie öfters an Stellen auf, über die man nur ungerne redet, und zum anderen gelten sie als zwar lästig, aber weitgehend harmlos. Tatsächlich aber lohnt es sich, humanpathogene Pilze im Blick zu behalten, denn dank einer Reihe von Faktoren werden sie als Krankheitserreger weiter an Bedeutung gewinnen.

ResearchBlogging.orgEin gefährlicher Vertreter ist zum Beispiel der Pilz Cryptococcus neoformans, der unter anderem mit dem Krankheitsbild AIDS assoziiert ist. Cryptococcose kann eine schwere und gelegentlich tödliche Krankheit sein, verläuft bei immunkompetenten Personen allerdings mild oder symptomlos. Das gilt auch für die allermeisten anderen Pilze. Mykosen sind meist ein Problem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem, die für opportunistische Krankheiten generell anfällig sind.

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Pestizid-Teststreifen für Lebensmittel

19. Januar 2010, 22:10

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Obst und Gemüse nachzuweisen erfordert oft erheblichen Aufwand. Eine einfache Technik könnte jetzt komplizierte Laboruntersuchungen bei einigen Stoffen überflüssig machen.

Frisches Obst und Gemüse ist ja prinzipiell sehr gesund, allerdings gelangen dabei gelegentlich auch mal unerfreuliche Beilagen auf den Teller, nämlich diverse Pflanzenschutzmittel. Die klassische Lebensmittelüberwachung ist, was das angeht, chronisch im Hintertreffen. Etwa ein Drittel aller weltweit eingesetzten Stoffe kann man routinemäßig im Labor nachweisen, andere sind nur mit großem Aufwand zu detektieren oder gar nicht. Und trotz regelmäßiger Stichproben gibt es immer wieder Waren, die stark belastet sind.

Der Verbraucher ist diesem Problem in Ermangelung eigener Analytik weitgehend ausgeliefert. Trotz Stichproben der Lebensmittelüberwachung und Untersuchungen privater Organisationen wie zum Beispiel Greenpeace bleibt ein erhebliches Restrisiko, möglicherweise gesundheitsschädliche Mengen Pflanzenschutzmittel aufzunehmen. Vor diesem Hintergrund ist eine Publikation interessant, die ich kürzlich in der Zeitschrift Analytical Chemistry aufgetrieben habe: Wissenschaftler haben Pestizide mit simplen Teststreifen nachgewiesen.  (weiter)

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Schlangenbisse - eine Armutskrankheit

13. Januar 2010, 22:01

Bei dem ganzen Ärger, den Bakterien, Viren und scheußliche Einzeller verursachen, vergisst man leicht, dass auch größere Tiere eine Gefahr darstellen können. Man sollte meinen, dass Infektionskrankheiten wie Cholera oder Dengue-Fieber wesentlich mehr Todesopfer fordern, aber das stimmt so nicht. Schlangenbisse sind, wie ich vor ein paar Tagen gelernt habe, eine recht häufige Todesursache. In Südostasien und dem subsaharischen Afrika, wo die meisten Todesfälle auftreten, sterben jährlich je nach Schätzungen bis zu 80.000 Menschen am Schlangengift. So viele wie durch Schistosomiasis, Cholera, Japanische Enzephalitis, Leishmaniose, Trypanosomen und Dengue zusammen. (weiter)

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Auslese - letzter Aufruf (mit Katzencontent)

08. Dezember 2009, 10:40

Ich bin sicher, ihr habt es noch nicht vergessen: Wir suchen auch dieses Jahr wieder die besten Wissenschaftlichen Blogartikel des Jahres 2009, und diesmal gibt es auch etwas zu gewinnen. Unter allen Einsendern verlosen wir ein Jahresabo von Spektrum der Wissenschaft und zehn Mal das Spektrum-Sonderheft “Wissenschaft im Alltag II”. Mitmachen lohnt sich!

Vorschlagen könnt ihr so viele Einträge wie ihr wollt (und natürlich auch eure eigenen), und zwar einfach indem ihr hier in den Kommentaren einen Link setzt oder uns eine E-Mail schickt, und zwar an

Auslese2009[ät]googlemail.com

Anschließend wird unsere Jury die besten Beiträge küren. Die Juroren der Auslese sind dieses Jahr:

Dr. Carsten Koenneker, Chefredakteur von Gehirn&Geist
Dr. Franco Zotta, Projektleiter der „Initiative Wissenschaftsjournalismus“
Dr. Oliver Schuster, Chemiker an der Universität Fribourg
Beatrice Lugger, freie Journalistin
Alexander Stirn, freier Wissenschaftsjournalist
XiongShui, Autor und Blogger (buettchenbunt.de)

Einsendeschluss ist der 23. Dezember 2009, ihr habt also noch etwa zwei Wochen Zeit, eure Favoriten auszusuchen. Zum Beispiel unter den vielen im Wissenschafts-Café gelisteten Blogs oder auch hier im Archiv.

Und damit verabschiede ich mich vorerst von euch. Ich werde bis Anfang Januar eine ausgiebige Blogpause einlegen. Ich wünsche allen Lesern ein frohes Fest und einen guten Rutsch. Wir sehen uns 2010.



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So viel zum Thema Lähmungsstrahlen...

30. November 2009, 15:46

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel lustigen Unfug man mit ernsthafter Forschung treiben kann. Neuestes Beispiel: der Lähmungsstrahl für Fadenwürmer, der gerade im Journal of the American Chemical Society veröffentlicht wurde. Bestrahlt man die Tierchen mit UV-Licht, bleiben sie liegen und rühren sich nicht mehr. Und blau werden sie auch noch. Bis normales Licht über 490 Nanometer Wellenlänge auf sie fällt und sie wieder aus ihrer Starre erlöst.

Zur Abwechslung ist mal kein obskures Gen der Verursacher, die betroffenen Würmer sind ganz normal. Der Effekt basiert auf einem einfachen chemischer Schalter, der ursprünglich aus der Materialwissenschaft stammt. Dort kennt man diese optischen Schalter schon länger. Mit Licht kann man dort zum Beispiel gezielt Oberflächen verändern oder Kristalle mechanische Arbeit verrichten lassen.  (weiter)

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Eine Datenbank für negative Resultate

26. November 2009, 18:38

Es ist ein oft beklagtes Problem der wissenschaftlichen Publikationspraxis, dass negative Ergebnisse - also wenn nicht das passiert, was man sich erhofft - eine wesentlich geringere Chance haben, publiziert zu werden. Dabei enthalten diese ‚gescheiterten‘ Experimente ebenso wertvolle Informationen wie  ‚positive‘ Resultate. Besonders deutlich wird das, wenn man sich mit der Gesamtheit der Interaktionen aller Biomoleküle einer Zelle befasst. Diesen relativ neuen Zweig der Systembiologie nennt man Interactomics.

Diese Forschungen gehören quasi zu den Spätfolgen des Human Genome Project, als der Jubel über die vollständige Entschlüsselung schnell der Erkenntnis wich, dass man damit nur die unterste Ebene dessen erkundet hatte, was einen Organismus ausmacht. Seither arbeiten sich Wissenschaftler langsam durch das komplexe Geflecht der Multienzymkomplexe, Cofaktoren und Signalkaskaden, um einen Überblick zu gewinnen, wie die einzelnen Moleküle zusammenwirken und welche Folgen das hat. (weiter)

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