Fossile Farben, zum zweiten: Strukturfarben der Käfer
Vor einer Weile ging es hier im Blog schon einmal um fossile Farben und Muster, und zwar um die von Dinosauriern, in deren Federn sich versteinerte Pigmentkörner bis heute erhalten haben. Für immer verloren sind dagegen andere Farben, die von nur wenige Nanometer großen Feinstrukturen der Federoberfläche erzeugt werden, wie das heute zum Beispiel bei den brillanten Farben des Pfauenschwanzes der Fall ist. Ob es sie schon bei den Sauriern gab oder ob sie erst Millionen Jahre später auf der Bildfläche erschienen, wissen wir nicht.
Bei anderen Tiergruppen haben wir allerdings mehr Glück. Mehrschichtige Reflektoren in der Oberhaut sind bei den Insekten der wichtigste Farbmechanismus, der auch die schillernden Flügeldecken der Käfer erzeugt. Anders als bei den Dinosauriern wissen wir definitiv, dass auch die Vorfahren der heutigen Käfer diese Strukturen besaßen, denn sie haben sich als Fossilien erhalten.

Fossiler Deckflügel eines
Käfers mit Strukturfarbe.
Quelle: Tanaka, G. et al., Geology
10.1130/G25353.1, 2010.
Die Farbe der Insekten stammt von der etwa 400 Nanometer dicken äußeren Lage der Deckflügel, die aus fünf unterschiedlich dicken Schichten mit wechselndem Brechungsindex bestehen. Vor dem Hintergrund der schwarzen Chitinhülle erzeugen wenige Nanometer dicke Lagen in der Oberhaut der Deckflügel Interferenzfarben, die von der Dicke der Schichten abhängen. Angesichts der Empfindlichkeit der Struktur gegenüber Zerfall und Wasserverlust ist es erstaunlich, dass überhaupt noch Spuren der Farbe erhalten sind. Das dürfte an den sehr speziellen chemischen und physikalischen Bedingungen im Torf liegen: Das Material ist auch nach so langer Zeit noch recht reich an unzersetzter organischer Materie, die das chemische Milieu reduzierend und leicht sauer hält. Das in den Poren vorhandene Wasser verhindert, dass die Struktur austrocknet.

Rezenter Blattkäfer
Quelle: Tanaka, G. et al., Geology
10.1130/G25353.1, 2010.
Bei den Käfern allerdings haben Forscher eine Möglichkeit, die ihnen bei gefiederten Dinosauriern verwehrt ist: Sie können bei noch heute lebenden engen Verwandten nachsehen, ob die Flügelstrukturen und die resultierenden Farben identisch sind. Der nächste lebende Verwandte der Fossilen Insekten ist der Blattkäfer Plateumaris sericea – und der hat blau-grüne Deckflügel.
-Tanaka, G., Taniguchi, H., Maeda, H., & Nomura, S. (2010). Original structural color preserved in an ancient leaf beetle Geology, 38 (2), 127-130 DOI: 10.1130/G25353.1
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