Der gekochte Kaiser
Meine heutige Gastautorin ist Anja Gröber. Sie hat Biologie studiert und an der LMU München ihr Diplom in Anthropologie gemacht.
Es war einmal vor langer Zeit ein Kaiser namens Lothar von Süpplingenburg. Erst Rebell, dann Herzog von Sachsen und letztlich zum König und Kaiser des heiligen römischen Reiches gekrönt, hatte er einen langen, doch erfolgreichen Aufstieg hinter sich. Er lebte in glücklicher Ehe mit seinem Weibe Richenza, und auch für Tochter Gertrud, sein einziges Kind, hatte er einen stattlichen Gatten arrangiert. Lothar hielt das Reich in fester Hand und die Weisen sagten ihm erfolgreiche Nachkommenschaft voraus. Einst werde ihm ein Enkel geboren, der keinen geringeren Namen tragen sollte als "Heinrich der Löwe".
Derart mit Glück und Lebenskraft gesegnet begab es sich eines Tages, dass jener Kaiser Lothar von einem Feldzug in Italien im Winter des Jahres 1137 nicht zurückkehrte. Er starb plötzlich in Breitenwang an einer unbekannten Krankheit. Wie es sich für einen Kaiser geziemt, sollte Lothar nun in Königslutter, in der von ihm selbst erbauten Stiftskirche "Peter und Paul" beigesetzt werden. Und selbstverständlich sollte sein Leichnam zuvor in allen Teilen des Reiches gezeigt werden, damit ihm die Reichsstände zum letzten Male huldigen konnten.
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