wissenslogs Fischblog

Exoplanet CoRoT-9b: Freak oder nicht Freak?

18. März 2010, 17:00

An dieser Stelle schnell ein kurzer Glückwunsch an Sciencebloggerin Ludmila Carone von Hinterm Mond gleich links. Ihr neuestes Paper ist nämlich gerade in Nature publiziert worden – es handelt vom neu entdeckten Exoplaneten CoRoT-9b, der im Sternbild Schlange seine Kreise zieht. Die Details hat Ludmila in ihrem Blog zusammengefasst.

Bild: Instituto de Astrofisica de Canarias

Der Planet ist gleich in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Zum einen gehört er zu den nach wie vor sehr wenigen Exoplaneten, die mit der Transit-Methode entdeckt wurden und für die man deswegen Masse und Größe recht zuverlässig angeben kann (weil man anders als bei anderen Methoden die Bahnebene kennt). Das gute Stück ist von seinem Zentralstern etwa so weit entfernt wie Merkur und ist ungefähr so groß und schwer wie Jupiter.

Damit ist CoRoT-9b nicht nur der am weitesten von seinem Zentralgestirn entfernte Planet, der je mit der Transitmethode entdeckt wurde, sondern wird auch weithin als der erste Planet gefeiert, der zumindest so in etwa mit den Planeten unseres Sonnensystems vergleichbar ist. Das zeigt allerdings vor allem, was für eine Freakparade von Himmelskörpern die Exoplanetologie bisher so ausgegraben hat. 

Mit seiner geringen Bahnexzentrizität, den dank seiner Entfernung zum Stern recht moderaten Oberflächentemperaturen und seiner Umlaufzeit von immerhin 95 Tagen ist dieser Planet unserem System immerhin ähnlicher als die Vorgänger, die sämtlichst praktisch auf der Sternoberfläche umherrollen und Temperaturen an die 1000 Kelvin erreichen. Allerdings hat er mit unserem Jupiter auch nur Masse und Größe gemeinsam – der ist mehr als zehnmal so weit von der Sonne entfernt und umrundet sie in zwölf Jahren ein einziges Mal.

Es ist also noch gar nicht klar, ob man hier etwas gefunden hat, was uns bekannt vorkommen sollte. Die Antwort darauf kann letztendlich nur die Zusammensetzung der Gashülle geben: Sind uns die enthaltenen Stoffe vertraut und in den erwarteten Mengen vorhanden – oder hat der Satellit CoRoT wieder eine neue Sorte von Freak aufgetan?



Geschrieben in Allgemein . Kommentare: (4). Trackbacks: (0). Permalink


Künstliche Photosynthese mit Frosch-Schaum

17. März 2010, 14:57

Amerikanische Wissenschaftler haben einen Weg zur künstlichen Photosynthese geschaffen, die aus Licht und Kohlendioxid organische Materie erschafft. Das in eine Schaumstruktur eingebundene System soll jetzt großtechnisch Biokraftstoff erzeugen - aber ob es so weit kommt ist zweifelhaft.

Bei der Umwandlung von Kohlendioxid in energiereiche chemische Verbindungen hat die Photosynthese den Nachteil, dass dabei als Nebenprodukt eine ganze Pflanze entsteht. Bei einer künstlichen zellfreien Photosynthese dagegen bekäme man für das Licht eine einzige energiereiche Chemikalie wie Glucose, aus der dann direkt Biokraftstoffe oder dergleichen hergestellt werden könnten, und deswegen wird an solchen Systemen mit Hochdruck gearbeitet.

Ein Weg, das zu erreichen ist die Reproduktion der kompletten Reaktionskette vom Licht bis zur organischen Materie auf der Basis der natürlichen Enzyme, die an der Reaktion beteiligt sind. Dieser biomimetische Ansatz hat jetzt zum Erfolg geführt, US-Wissenschaftler haben in Nano Letters ein System vorgestellt, das über mehrere Stufen aus Licht und Kohlendioxid den Zucker Glucose produziert. Der eigentliche Trick ist, die Komponenten in einen Proteinschaum einzulagern, den die Forscher von einem Frosch geborgt haben.  (weiter)

Geschrieben in Biochemie und Molekularbiologie . Kommentare: (0). Trackbacks: (0). Permalink


Fossile Farben, zum zweiten: Strukturfarben der Käfer

15. März 2010, 14:19

ResearchBlogging.orgVor einer Weile ging es hier im Blog schon einmal um fossile Farben und Muster, und zwar um die von Dinosauriern, in deren Federn sich versteinerte Pigmentkörner bis heute erhalten haben. Für immer verloren sind dagegen andere Farben, die von nur wenige Nanometer großen Feinstrukturen der Federoberfläche erzeugt werden, wie das heute zum Beispiel bei den brillanten Farben des Pfauenschwanzes der Fall ist. Ob es sie schon bei den Sauriern gab oder ob sie erst Millionen Jahre später auf der Bildfläche erschienen, wissen wir nicht.

Bei anderen Tiergruppen haben wir allerdings mehr Glück. Mehrschichtige Reflektoren in der Oberhaut sind bei den Insekten der wichtigste Farbmechanismus, der auch die schillernden Flügeldecken der Käfer erzeugt. Anders als bei den Dinosauriern wissen wir definitiv, dass auch die Vorfahren der heutigen Käfer diese Strukturen besaßen, denn sie haben sich als Fossilien erhalten.
 (weiter)

Geschrieben in Archäologie & Paläontologie . Kommentare: (0). Trackbacks: (0). Permalink


Gentech-Mais bald als Medikament?

04. März 2010, 08:16

Bt-Toxin, benannt nach seinem Produzenten, dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis, hat schon jetzt eine bemerkenswerte Karriere in der Schädlingsbekämpfung hinter sich. Die kleinen Kristalle sind für Wirbeltiere unschädlich, im Darm von Insekten jedoch werden sie zu einem tödlichen Gift. Darauf  und auf dem Umstand, dass die verschiedenen Bt-Toxine jeweils für unterschiedliche Insektenarten hoch spezifisch sind, beruht ihr Erfolg. Ins Erbgut einer Nutzpflanze eingebaut, schützen sie effektiv vor Fraßfeinden, ohne schädliche Rückstände zu hinterlassen.

ResearchBlogging.orgDemnächst könnten diese Proteine noch aus einem anderen Grund reüssieren, denn Insekten sind nicht die einzigen Lebewesen, die gegenüber Bt-Toxinen empfindlich sind: Einige der Verbindungen sind auch gegen Nematoden wirksam. Experimente an Mäusen haben jetzt gezeigt, dass sich diese Darmparasiten prinzipiell mit den Bakterienproteinen therapieren lassen (open access).

Das hat potentiell große praktische Bedeutung, denn etwa jeder fünfte Mensch ist mit Nematoden wie Haken- oder Peitschenwürmern infiziert, die unter anderem bei Kindern Entwicklungsstörungen auslösen. Und es gibt de facto bereits eine Quelle für große Mengen solcher Bt-Toxine: Genetisch veränderten Mais. Es liegt nahe, eine Variante des Bt-Mais als Nutriceutical einzusetzen. (weiter)

Geschrieben in Biologie , Biochemie und Molekularbiologie . Kommentare: (2). Trackbacks: (0). Permalink


Wie die EU zum bloßen Erfüllungsgehilfen der Wirtschaft wurde

28. Februar 2010, 10:57

Mit Hilfe Interner Dokumente der Tabakindustrie zeigt eine britische Studie, wie Industrielobbyisten dafür gesorgt haben, dass bei jedem EU-Vorhaben die Interessen der betroffenen Unternehmen in den Vordergrund gerückt werden – per Gesetz

ResearchBlogging.orgDie Europäische Kommission ist verpflichtet, vor jeder Gesetzesinitiative die wahrscheinlichen Auswirkungen der Regelung in einem festgelegten Vorgehen zu untersuchen. Dieses Procedere nennt sich Impact Assessment (IA) und wurde 1997 im Rahmen des EU-Vertrages von Amsterdam eingeführt, um die ökonomischen, sozialen und ökologischen Folgen von Gesetzen rational und transparent zu erfassen.

In einer gerade in PLoS Medicine erschienene Studie allerdings demonstrieren Katherine Smith und Kollegen anhand offengelegter interner Dokumente des Tabakherstellers British American Tobacco (BAT), wie verwundbar die EU gegenüber Industrielobbyismus ist. Demnach sind die Impact Assessments nicht nur grundsätzlich industriefreundlich ausgelegt, sondern wurden sogar von BAT an die EU herangetragen, um auf diese Weise Einfluss auf die sich schon damals ankündigende Anti-Rauch-Gesetzgebung zu nehmen. (weiter)

Geschrieben in Allgemein . Kommentare: (2). Trackbacks: (0). Permalink


Ein größerer Hantaviren-Ausbruch steht bevor

25. Februar 2010, 21:59

Hämorrhagische Fieber wie Ebola oder Marburg-Virus assoziiert man ja eigentlich eher mit tropischen Regionen, aber tatsächlich ist auch in Deutschland mit dem Hanta-Virus ein Erreger aus dieser Klasse heimisch, der schwere Erkrankungen auslösen kann. Derzeit häufen sich wieder einmal Infektionen mit dem nicht ganz harmlosen Virus, besonders in Baden-Württemberg. Tatsächlich deutet alles darauf hin, dass wir 2010 ein Jahr mit weit überdurchschnittlich vielen Hanta-Fällen erleben werden.

Das vermutet jedenfalls mit guten Gründen das Robert-Koch-Institut. Zum einen spricht eine historische Parallele für diese These. In den meisten Jahren seit der Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 gingen die Fallzahlen nach einem Höhepunkt im Spätsommer über den Winter ein wenig zurück, im Herbst und Winter 2009 jedoch stiegen die Zahlen seit Juli kontinuierlich an. Das gab es bisher nur im Winter 2006/2007, der sich dann als Auftakt zur bisher schwersten Hantavirus-Saison mit fast 1700 Erkrankten erwies.  (weiter)

Geschrieben in Biologie . Kommentare: (3). Trackbacks: (0). Permalink


Lebenskeime aus dem All und aus dem Labor

22. Februar 2010, 09:50

Unser Wissen über den Ursprung des Lebens ist derzeit noch so unvollständig, dass neue Erkenntnisse aus der chemischen Grundlagenforschung zu den treibenden Kräften der Forschung in diesem Bereich gehören. Stand der Dinge ist immer das, was gerade als möglich gilt – bis Chemiker die nächste spannende Reaktion oder neue Analyseverfahren auf die Bedingungen der probiotischen Erde anwenden und zuvor ungeahnte Potentiale entdecken. Normalerweise findet man diese inkrementellen Fortschritte eher in kleineren Journals, deswegen ist es schon bemerkenswert, dass es gleich zwei solcher Publikationen in bekanntere Zeitschriften geschafft haben.

ResearchBlogging.orgDie Papers könnten kaum unterschiedlicher sein, aber sie zielen auf dieselbe entscheidende Frage: Welche Moleküle standen für die chemische Evolution zur Verfügung und warum? In den letzten Jahren haben Forscher eine große Bandbreite möglicher Reaktionen für die Bildung der aus heutiger Sicht essentiellen Lebensbausteine wie Aminosäuren und Nucleobasen entdeckt. Amerikanische Forscher erweitern diese Liste um eine plausible Synthese für biologisch relevante Zucker(weiter)

Geschrieben in Chemie . Kommentare: (4). Trackbacks: (0). Permalink


Wellen am Himmel

18. Februar 2010, 17:43

Manchmal sind die Dinge etwas anders als sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. Ein schönes Beispiel dafür kursiert gerade in Form eines großartigen Videos im Internet. Es zeigt den Start des Satelliten SDO, bei dem die Trägerrakete eine Wolke aus Eiskristallen durchbricht und dabei konzentrische Wellen auslöst wie ein ins Wasser geworfener Stein.
 (weiter)

Geschrieben in Physik . Kommentare: (0). Trackbacks: (0). Permalink


Schützt Bier vor Osteoporose?

15. Februar 2010, 17:58

In den letzten Tagen wurde wieder einmal ein Zusammenhang bemüht, der schon seit ein paar Jahren ziemlich regelmäßig in der Tagespresse herumgereicht wird. "Das Getränk aus Hopfen und Malz verbessert die Knochendichte" schreibt der Focus, und die Welt titelt ebenso prosaisch wie zutreffend: "Bier tut gut". Den Knochen natürlich.

Der Anlass – die US-Forscher Bamforth und Casey haben untersucht, wie der Siliziumgehalt im Bier von der Sorte und den Braubedingungen abhängt – gibt derartige Schlagzeilen zwar eigentlich nicht her, das Thema Bier und Knochen allerdings beschäftigt Forscher schon seit Jahren. Diverse seiner Inhaltsstoffe stehen im Verdacht, Auswirkungen auf die Knochen zu haben, in letzter Zeit konzentriert sich die Forschung allerdings auf das Spurenelement Silizium. (weiter)

Geschrieben in Biologie , Biochemie und Molekularbiologie . Kommentare: (13). Trackbacks: (0). Permalink


Lebensmittelallergien - eine Massenpsychose?

11. Februar 2010, 11:22

Es scheint ein gewisser Konsens zu herrschen, dass die Zahl der Allergien in den letzten Jahren sehr stark zugenommen hat. Dieser leider unbelegten Quelle zufolge „verdoppelt sich die Anzahl der Allergiker im zehn-Jahres-Rhythmus“ – oder verdoppelt sich nur die Zahl der Leute, die fest daran glauben, allergisch zu sein? Dieser Eintrag im Blog Savage Minds greift jedenfalls Zahlen[1] aus einem Report auf, nach dem zwar etwa 20 Prozent aller erwachsenen Briten nach eigenen Angaben an einer Lebensmittelallergie leiden, aber nur bei knapp zwei Prozent ein Provokationstest positiv ausfällt.

Die Zahlen stammen von zwei Wissenschaftlerinnen der Uni Portsmouth, die für das Flour Advisory Bureau einen Bericht über die Prävalenz von Weizenmehlallergien, Unverträglichkeiten und Zöliakie erstellt haben. Das FAB ist eine Lobbyorganisation, die die Verwendung von Weizenmehl promotet, und der Bericht ist auch nicht peer reviewed, insofern ist Misstrauen durchaus angebracht. Die Zahlen scheinen allerdings größenordnungsmäßig zu stimmen, es gibt eine ganze Reihe Studien mit vergleichbaren Ergebnissen. Es scheint so zu sein, dass nur etwa ein Zehntel der selbstdiagnostizierten Lebensmittelallergien einer Überprüfung standhält.  (weiter)

Geschrieben in Verhaltensforschung . Kommentare: (9). Trackbacks: (0). Permalink


szmtag