Ansätze zur Klassifizierung des Gefahrenpotentials von Nano-Partikeln
von Claudia Kaiser, 24. Juni 2008, 13:15
Mein letzter Beitrag behandelte das Aufkommen erster Studien über das
mögliche Gefahrenpotential von Partikeln im nm-Bereich. Seit einiger Zeit
werden ja neben den zahlreichen neuen Produktinnovationen in denen Nano
Anwendung findet, auch erste Stimmen laut, die diesen Materialien eher
kritische gegenüber stehen. Nun bin ich ja schon aus beruflicher Sicht an allen
Ergebnissen bezüglich Synthese, Application, aber eben auch Toxizität
interessiert. Mit Interesse habe ich daher einen Beitrag der Online-Ausgabe von
Technology Review gelesen, der erste Ansätze zur Dokumentation von
Nano-Materialien, aber auch die Entwicklung eines Testverfahrens zur
Gefahrenklassifizierung behandelt.
Das Woodrow Wilson International Center for Scholars in Washington arbeitet an der Erstellung einer Datenbank zur Erfassung der bisher bekannten Substanzen. Derzeit sind etwa 600 Einzelstoffe aufgelistet. Ein sicherlich ehrgeiziges Projekt, da nach Schätzungen monatlich bis zu 30 neuer Produkte vorgestellt werden.
Ähnlich wie bei der Identifikation von Krebsarten mittels Klassifizierung von Mustern der Genexpression, arbeiten Forscher vom Massachusetts General Hospital, der Harvard University und dem MIT an einem Verfahren, das Nano-Materialien mit großer Effektivität untersuchen und Toxizitätsklassen bestimmen kann. In ersten Tests werden 50 verschiedene Stoffe charakterisiert (überwiegend eisenhaltige bzw. lumineszierende Partikel). Dabei wird unter Anderem der Einfluss auf Immunzellen von Mäusen, zwei Arten von menschlichen Gewebezellen in Blutgefäßen und menschlichen Leberzellen getestet. Sicherlich wird dieses Verfahren noch nicht die ultimative Variante für die Einschätzung des Schädigungspotentials sein, da sich die Untersuchungen derzeit nur in wässrigen Medien und auf medizinisch relevante Partikel beschränken. AUßen vor lassen die Wissenschaftler derzeit zum Beispiel Kohlenstoff-Nanoröhrchen und mit Nano-Partikeln gefüllte Stoffe.
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Das ist sicherlich eine gute Idee. Aber die Wirkung von den verschiedenen Teilchen ist doch bestimmt abhängig davon, wie die Leute damit in Kontakt kommen? Also über die Haut, eingeatmet, oder vielleicht sogar irgendwie injeziert... Wird so etwas denn bisher gar nicht getestet, wenn das schon fertige Produkte sind?
Die Entwicklung neuer Nanopartikel und damit die Erschließung neuer Anwendung läuft derzeit so rasant, dass die Forschung zu möglichen Gesundheitsschäden weit hinterher hinkt. Die Euphorie bezüglich dieser neuen Partikelklasse hat bei vielen sicherlich auch den Gedanken an eventuelle Nebenwirkungen gar nicht erst aufkommen lassen. Oft beginnen solche ärztlichen Forschungen auch erst nach ersten "Fällen" bei denen verschiedene Symptome auftraten. Und wie es bei medizinischen Tests immer ist, bis die endgültige Wirkung aufgeklärt ist, dauert es oft Jahre/Jahrzehnte. Für statistisch relevante Ergebnisse müssen ja immer zahlreiche Untersuchungen an Versuchstieren und später am Menschen erfolgen. Bis es also zu allgemein gültigen Richtlinien für den Umgang kommt, ist derzeit jeder selbst zu einem verantwortungsbewussten Einsatz aufgefordert.