Pusten mit Synthesys

von Björn Kröger, 15. November 2007, 00:42

Pusten, das ist gerade die Beschäftigung mit der für mich hier alles anfängt, hier in Stockholm. Ich bin nämlich gerade im schönen Stockholm am Naturhistoriska Riksmuseet und arbeite in der Paläontologischen Sammlung. Nicht, dass die Sammlung verstaubt wäre. Das ist sie keinesfalls aber, wie in den meisten Museen gibt es da Ecken in denen weniger Bewegung stattfindet.

In meinem Fall geht es um Fossilien, die auf der Insel Öland im späten 19Jh von einem gewissen Herrn Gerhard Holm und seiner Frau gesucht wurden. Viele Fossilien. Die Holms waren leidenschaftlicher Sammler und müssen ständig an der Küste von Öland rumgeklopft haben. Holm war lange Jahre der paläontologische Kustos am Stockholmer Museum und hat eine einmalige Sammlung zusammengetragen.

Holms Nautiliden

Er hat dort nun auch viele Cephalopoden gesammelt. Selbst hat er nur ganz wenig zu diesen Stücken veröffentlicht, vor mehr als hundert Jahren. Seitdem wurden nur ganz wenige von den tausenden Stücken bearbeitet und beschrieben. 1990 hat einmal ein armer Brite eine dicke Doktorarbeit darüber verfasst, die Arbeit jedoch nie veröffentlicht. Dabei sind die Stücke extrem wichtig.

Cephalopoden gehören ja in Öland zu den häufigsten Fossilien, alle sagen immer nur "Orthoceren" dazu, dabei gibt es eine große Vielfalt die uns Wichtiges von dem Leben im Ostseeraum vor 480 Millionen Jahren erzählen könnte. In den USA wurden die gleichalten Faunen bereits ab den 1930igern komplett beschrieben, in Russland in den 1960igern und in China in den 1980igern. Nur die baltische Nautilidenfauna kennt niemand, weil sich bisher noch niemand gefunden hat das zu machen. Schweden ist ja ein kleines Land und die Paläontologen hatten anderes zu tun. Dabei ist das so ähnlich, als wenn wir es bisher versäumt hätten die schwedischen Heidekräuter botanisch zu beschreiben (und das im Lande von Linné).

Nun aber komme ich, ha, unterstützt von der Europäische Science Foundation. Die gibt nämlich den großen Europäischen Museen seit ein paar Jahren Geld damit sie Systematiker einladen können um an ihren Sammlungen zu arbeiten. Synthesys nennt sich das Programm und ist etwas Wunderbares. Ich könnte, wenn ich Zeit hätte, halb Europa damit bereisen. Aber hier in Stockholm bin ich wohl noch eine Weile beschäftigt. Ist ja auch schön.


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Kommentare

  1. 15.11.2007 | 08:47

    Is' ja geil! Unberührte Archivbestände erkunden und dafür auch noch Geld kriegen... *neid*

    Nur so aus Interesse: Warum ist die ältere Diss denn nicht veröffentlicht?

szmtag