Wissenslogs Der schöpferische Finanzmarkt

Was ist das Neue am "PORTFOLIOMODELL DER INFORMATION" ?

von Hans Sauer, 24. November 2009, 11:57

Es ist ein neues Verständnis der Finanzmarktwirklichkeit in einer Informationsgesellschaft. Es beruht auf der Vorstellung, dass nur die Entität Information die einzig durchgängige Realität im Finanzmarkt darstellt.

Substanzieller Wert (und substanzielles Risiko) sind darin nur kurzfristige durch den Prozess der Kursfeststellung in Erscheinung tretende Ereignisse. Die Vorstellung eines dauerhaften Substrats Finanzmarkt wird im Finanzmarkt-Modell 2.0 oder in der Anwendung des "∏-Modells" als eine falsche Abstraktion unseres Denkens betrachtet, und findet besonders in einer globalen Informationsgesellschaft keine sinnvolle Entsprechung mehr in der Wirklichkeit der Finanzmärkte.

Zur Verdeutlichung seien nur die aufwendigen Computer-Handelssysteme der internationalen Börsen (Handel mit Einsen und Nullen!) und nicht zuletzt die so genannten "strukturierten" Finanzprodukte angeführt, die sich aus mehreren Finanzinstrumenten zusammensetzen und oft genug ohne physische Substanz sind (also eigentlich strukturlos!) - und als Hauptursache der jetzt drei Jahre währenden Finanzkrise gelten.


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Kommentare

  1. adenosine
    25.11.2009 | 08:58

    Ich sehe eher die Analogie zu den Wettermodellen, beide sind chaotisch und schwach kausal. Der Input des Wettermodels basiert auf Energiefluss und Verteilung der Materie, die innere Gesetzmäßigkeit der Wettermodelle basiert auf bekannter Physik. Der Input der Märkte ist auch bekannt, die innere Gesetzmäßigkeit scheint mir aber unklar, Physik ist es wohl nicht.

  2. Hans Sauer @adenosine
    25.11.2009 | 12:56

    Vielen Dank für den Kommentar. Sie sagen: "Physik ist es wohl nicht". Vielleicht ist es Information? Im Finanzmarkt werden Informationen verarbeitet (Stichwort: Nachrichten machen Kurse). Informationen sind jedoch physikalisch (R. Laudauer). So könnte man dann wieder sagen, dass Finanzmärkte physikalisch zu begründen wären. Das wird natürlich den Bankers nicht gefallen, den Physikern wahrscheinlich auch nicht. Aber im FM 2.0 geht es darum, die noch ziemlich ungeliebte Physik der Information auf Finanzmärkte anzuwenden, wenigstens es zu versuchen. Und die Physik der Information scheint der dreiwertigen Logik zu genügen, nicht der zweiwertigen (H. Graßmann). Deswegen verstehen wir nicht so richtig, was im Finanzmarkt eigentlich passiert. Das macht die ganze Angelegenheit für die Beobachter so "irrational". Jedoch, die Auswertungen bergen Sprengstoff und fördern neues Wissen über Finanzmärkte zutage. Die alten mathematischen Risikomodelle bringen uns da nicht mehr weiter, bestenfalls wird mit jeder neuen Finanzkrise, ein weiteres "Epsilon" hinzugefügt. Aber, im Ergebnis muss man jetzt schon feststellen: Für sichere Prognosen im Finanzmarkt wissen wir immer zu wenig. Unser Wissen geht leider im Vergleich zum Wissen, das im Finanzmarkt gespeichert ist, gegen null. Jedoch, es gibt Ausnahmesituationen.

szmtag