Nur ein dummes Portfolio ist ein gutes Portfolio
Was unterscheidet ein einzelnes Wertpapier von einem Portfolio? Für ein Wertpapier ist jede Information ein Risiko. Ein Portfolio dagegen besitzt eine Lücke.
Für ein rationales Wertpapier-Portfolio, z. B. zusammengestellt aus 30 Wertpapieren, errechnet sich nach FM 2.0 eine Informationslücke von 0,80 Bit/S. Konkret bedeutet dies, dass eine Informationszone von 0,20 Bit/S im Portfolio für die Verarbeitung von Informationen aus dem Finanzmarkt reserviert ist. Anders ein risikoloses Portfolio, das „dumm" ist und bleibt, da es sich "weigert", Informationen zu verarbeiten, weil es alle Informationen aus dem Portfolio hinausdrängt; seine Informationzone beträgt nämlich 0 Bit/S.
Allerdings kann die Informationslücke eines Portfolios auch negativ werden, was dann zum Kollaps der Risikoabschirmung des Portfolios führt, hier als "invertiertes" Portfolio bezeichnet. So zu beobachten 2008 im 4. Quartal während der Finanzkrise bei den Marktportfolios S&P 500© und DAX®.
Allgemein gilt, dass sich über die Größe der Informationslücke eines Portfolios seine Risiko- und Werteigenschaften eindeutig definieren. Je kleiner die Lücke, desto mehr Informationen dringen in das Portfolio ein, desto mehr Informationen aus dem Finanzmarkt muss das Portfolio verarbeiten - und desto risikoreicher wird es dadurch.



Nur mal nebenbei: Bit/s mißt die GESCHWINDIGKEIT von Datenübertragungen. Die Einheit für den Informationsgehalt wäre Bit, nicht Bit/s.
Nur mal nebenbei. Bei genauem Durchlesen des Blogs, wird Ihnen sicher auffallen, dass das „S“ groß geschrieben ist. Das große "S" steht für "Stock", die englische/amerikanische Übersetzung für "Aktie oder Wertpapier". Hätte ich „Sekunde“ gemeint, dann hätte ich es klein geschrieben wie Sie oder, um sicher zu gehen, mit „sec“ oder „sek“ abgekürzt.
berechnet sich diese Informationslücke von 0,8 Bit je Stock?
Ein Bit ist doch wohl die kleinstmögliche Einheit an Information. 0,8 Bit je Stock wäre also extrem wenig, eigentlich fast Null. Oder?
Vielleicht, nur um eine Relation herstellen zu können: wieviele Bit an Information hat ein durchschnittlicher Stock eigentlich? Entsprechen 0,8 Bit eher 0,0008 Prozent oder doch eher 0,0000000000000008 Prozent? Das scheint mir für die Beurteilung hier doch ziemlich wesentlich.
Sie haben den Kern getroffen. Die geringe Bit-Zahl pro Wertpapier ist das, was nach dem Prozess der Kursfeststellung für uns an Wissen übrigbleibt. Mehr rückt der Finanzmarkt nicht raus. Aber das Ergebnis hilft zunächst, Portfolios miteinander vergleichen zu können. Es hilft aber nicht, sichere Prognosen anzustellen, dafür wissen wir immernoch zu wenig. Ohne Kursfestellung ist die Informationsmenge im Portfolio allerdings sehr groß. Als Hinweis möge folgendes Beispiel dienen: Ein Portfolio aus 250 Wertpapieren muss eine Informationsmenge größer als die Zahl der Atome im (sichtbaren) Universum verarbeiten. Es geht also operativ darum, davon etwas rauszuholen bzw. Wissen wiederzugewinnen.
Wie wurde denn jetzt dieser Informationsunterschied von 0,8 Bit je Stock berechnet? Bzw. wie berechnet man überhaupt den Informationsinhalt eines Portfolios? Gibt es dafür irgendwelche Formeln oder ist das Geheimwissen?
Kein Geheimwissen. Alles publiziert. "Taktlose" Rechnerleistung notwendig.
ich das jetzt richtig verstehe:
Sie haben also eine (publizierte) Formel, mit der man den Informationsinhalt eines Aktienfonds berechnen kann? Bis auf die Nachkommastellen?
Sie verstehen mich richtig. Wenn der Fondsmanager dazu bereit ist, die PI-Funktion (Portfolio-Informations-Funktion) an Sie auszuhändigen, dann ja.
muß aber SEHR geheim sein.
Jedenfalls habe ich (bis auf Ihren Artikel) mit Google keinen einzigen Beitrag dazu gefunden.
(Natürlich gibt es viele Google Hits zu Artikeln in denen die drei Worte Portfolio und Information und Funktion irgendwo im Text einmal vorkommen. Aber jedenfalls habe ich nirgendwo diesen Begriff "Portfolio-Informations-Funktion" gefunden.)
Wie mißt und/oder berechnet man denn diese Funktion?