Wissenslogs Der schöpferische Finanzmarkt

OBJEKTIVE WERTPAPIER-KURSE SIND EINE ILLUSION oder FAIR IST NICHT GLEICH OBJEKTIV

von Hans Sauer, 02. November 2009, 16:48

"Der Kurs eines Wertpapiers im Finanzmarkt ist nicht objektivierbar."

Das lässt sich aus dem neuentwickelten relationalen bzw. informativen Finanzmarktmodell 2.0  "∏-Modell" ableiten. Es ist immer die Methode der Kursfeststellung, die über den Preis entscheidet. Insofern ist der Prozess der Kursfeststellung stets ein "kreativer" oder auch "schöpferischer" Akt (man denke bloß an die im April gelockerten Bewertungsregeln der FASB zu den "toxischen" Wertpapieren für US-Geschäftsbanken oder an die aktuelle Auseinandersetzung der IASB mit Banken und Versicherern zur Einführung neuer Bewertungsstandards in Europa). In der Alltagsrealität gibt es so etwas nicht. So hängt, z. B., die Höhe unserer Energie- (Strom-) rechnung nicht davon ab, ob sie analog oder digital gemessen wird. Die Ermittlung der Preise von Wertpapieren dagegen verletzt dieses Realitätskriterium.

Wenn sich also die Finanzindustrie wie die Börse Stuttgart, CMC Markets, Deutsche Bank, etc. mit "Best Price" / "Fair Price" / "Quality Price" -Garantien an die Anleger wendet, meint das nicht zugleich objektiv, schon gar nicht, dass die Anleger etwas über den wahren Wert des zugrundeliegenden Objekts erfahren. Und "Fair" ist der Preis auch nur dann, wenn die jeweilige Methode der Preisfeststellung transparent ist und zwischendurch nicht geändert wird - aber objektiv wird der Preis deswegen auch nicht.


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Kommentare

  1. Thilo relationales bzw. informatives Finanzmar
    02.11.2009 | 19:14

    Was bitte ist denn ein relationales bzw. informatives Finanzmarktmodell?
    Oder, besser gefragt, gibt es auch Modelle, die nicht relational und informativ sein wollen?
    (Und was haben 2.0 und die Kreiszahl Pi damit zu tun?)

    Und, das interessiert mich jetzt mal als Mathematiker, wie läßt sich die Nicht-Objektivierbarkeit des Kurses aus Ihrem relationalen bzw. informativen Modell ableiten?

  2. Sauer @Thilo
    04.11.2009 | 01:05

    Sorry. "Kreiszahl" steht für die Anfangsbuchstaben von Portfolio und Information, "informativ" ist sicher etwas unglücklich gewählt, soll aber darauf hinweisen, dass es im Modell um die Entität "Information" geht, "relational" steht dafür, dass die systemischen Eigenschaften eines Finanzmarktes im Wesentlichen durch die informativen Beziehungen (Wechselwirkungen) der Marktakteure untereinander bestimmt sind, nicht durch die Einzelwertrisiken. Tatsächlich hat die "Kreiszahl" im Modell eine tiefere mathematische Bedeutung, worauf ich in Kürze eingehen werde. Bitte noch etwas Geduld.

  3. Thilo Finanzmarktmodelle
    04.11.2009 | 13:31

    Ich weiß schon, was 'relational' und 'informativ' bedeuten. Meine Frage war, was den Unterschied zwischen dem relationalen bzw. informativen Finanzmarktmodell und anderen Finanzmarktmodellen ausmacht oder, anders gefragt, worin der Ansatz des relationalen bzw. informativen Finanzmarktmodells 2.0 Π-Modell eigentlich besteht.

  4. Sauer @Thilo
    04.11.2009 | 14:52

    Der Ansatz besteht darin, dass der Übergang von FM1.0 (alt) zu FM2.0 (neu), der Übergang ist, von einem Punkt zu einer Geraden oder – Sie sind Mathematiker – von einer Menge zu der Menge der Funktionen auf dieser ursprünglichen Menge, zur Potenzmenge. Oder moderner formuliert, könnte man von der „Garbe der Funktionskeime“ sprechen. Das ist das "Geheimnis" des FM 2.0.

  5. Thilo Der 11.11.
    05.11.2009 | 02:14

    ist doch aber eigentlich erst nächste Woche. Oder ist das jetzt eine Satire, die ich nicht verstehe?

szmtag