Ranking für Professoren
Durch Zufall bin ich auf die Seite www.meinprof.de gestossen. Dort besteht für Studenten die Möglichkeit, ihre Dozenten und Kurse zu ranken. Die Gesamtnote des jeweiligen Dozenten ergibt sich aus den Unterpunkten Fairness, Unterstützung, Material, Verständlichkeit, Spaß, Interesse und dem Verhältnis Note/Aufwand. Die Skala reicht von 1 (sehr gut) zu 5 (sehr schlecht). Zuletzt gibt es noch eine prozentuale Weiterempfehlung des Professors zu sehen.
Hier dient als Beispiel das Ranking der Professoren der Rubrik Naturwissenschaften an der Uni Heidelberg. Zuerst fällt bei diesem Beispiel auf, daß zu vielen Professoren noch Beurteilungen fehlen und die Beteiligung an dem Ranking gering ist. Die größte Beteiligung in dem Beispiel entspricht 34 Stimmen, die repräsentativ für Hunderte von Studenten stehen, die bei Professor Meier schon einmal eine Vorlesung gehört haben.
Mir erschloss sich beim ersten Durchstöbern der Seite der Nutzen nicht so recht. Im Folgenden greife ich die Erklärung auf der Hauptseite auf, um meine Verständnisprobleme des Konzepts näher zu beleuchten.
Auf MeinProf.de findet Ihr die besten Kurse und Dozenten an deutschen Hochschulen.
1. Frage: Was bringt einem Studenten der Uni Waffelhausen das Wissen, daß es in der Uni Gugelhupf einen einzelnen Professor gibt, der einen einzelnen Kurs macht, der wirklich sehenswert ist? Ein Uni- und Wohnortswechsel aufgrund dieses Wissens erscheint mir fragwürdig.
So helft Ihr Euren Kommilitonen, die richtigen Kurse zu wählen [...]
2. Frage: Tatsächlich? Bei einigen der angegebenen Kurse der Professoren des Fachbereiches Biologie der Uni Heidelberg weiß ich aus eigener Erfahrung, daß diese Pflicht im Grundstudium waren beziehungsweise im Bachelorstudium sind und meine Kommilitonen nicht die Wahl hatten oder haben. Sollten diese Pflichtkurse nicht zumindest deutlicher gekennzeichnet werden?
[...] und gebt euren Dozenten wichtiges Feedback.
3. Die Frage der Fragen: Ist es den Dozenten wirklich wichtig zu wissen, was die rankenden Studenten von dem Kurs halten? Andere gängige und einfacher zu überprüfende Feedback-Quellen sind der Notenspiegel der Prüfungen, die Beteiligung an den Seminaren, die Hörerzahlen der Vorlesungen und der Geräuschpegel in der Vorlesung, wenn der Dozent gewillt ist, darauf zu achten.
Die Idee an sich ist selbstverständlich nett, aber mehr als die Erkenntnis, daß manche Professoren scheinbar im Gegensatz zum eigenen Eindruck beliebter oder unbeliebter als andere sind, kann man aus den wenigen Daten meines Erachtens nicht herausziehen. Ob eine größere Beteiligung daran etwas ändert, kann ich nicht beurteilen. Die Seite scheint sich in meinen Augen eher für Abiturienten als Zielgruppe zu lohnen, die noch auf der Suche nach der richtigen Uni sind statt für Studenten, die schon in der jeweiligen Uni sitzen, denn die altmodische und ausführlichere Mundzumundpropaganda nützt den unentschlossenen Studenten in Bezug auf die Wahl von Kursen und Dozenten vermutlich mehr.
Natürlich ist es auf jeden Fall interessant zu sehen, wie andere Studenten die Dozenten und Kurse beurteilen ... aber hilfreich?


