PISA-Studie und die Evolutionstheorie
von Sandra Thal,
18. November 2008, 17:27
Was in den USA und auch hier bei uns häufig in Foren und in einigen Spartenkanälen heftig diskutiert wird, hat anscheinend auch die PISA-Macher beeinflusst. Sie stellten den Schülern folgende Frage:
Welche der folgenden Aussagen trifft am besten auf die Evolutionstheorie zu?
A. Die Evolutionstheorie gilt für Tiere, nicht aber für den Menschen.
B. Die Evolution ist eine Theorie, die durch Forschung bewiesen worden ist.
C. Die Evolution ist eine wissenschaftliche Theorie, die sich gegenwärtig auf zahlreiche Beobachtungen stützt.
B. Die Evolution ist eine Theorie, die durch Forschung bewiesen worden ist.
C. Die Evolution ist eine wissenschaftliche Theorie, die sich gegenwärtig auf zahlreiche Beobachtungen stützt.
Laut den Machern der PISA-Studie ist C. die richtige Antwort. Das kann von einem Naturwissenschaftler mit echtem Sachverstand nur als Frechheit bezeichnet werden.
Die Evolution ist eine Theorie, die durch die Forschung eindeutig und ganz klar bewiesen worden ist. Wer nicht einmal diese Beweise als absolut ansieht, kann auch gleich seine eigene Existenz in Zweifel ziehen.
Gerade auch die Revolution v.a. der letzten 5-10 Jahre, ausgelöst durch die komplette Sequenzierung zahlreicher Genome, macht uns Wissenschaftlern immer mehr bewusst, wie unglaublich komplex und dennoch nachvollziehbar das gesamte Leben auf unserem Planeten vernetzt ist, evolutiv und strukturell. So teilen selbst wir hochentwickelten Eukaryoten uns immer noch tausende Proteinfamilien und Pathways mit Bakterien und Archaen, den ursprünglichsten Lebensformen auf unserem Planeten. Allein schon dieses globale Kontinuum an Homologien ist eine erdrückende und eindeutige Beweislast.
Zufall kann das alles schon lange nicht mehr sein. An der Evolutionstheorie zweifelt niemand, der die Sachlage kennt und den Verstand hat, sich mit ihr auch auseinanderzusetzen. Sie ist für alle Zeiten gültig – und nicht nur eine „gegenwärtige“ Theorie, wie die indoktrinierende Antwort „C“ erzieherisch vermitteln will.
Sie ist so unzweifelhaft wie die Planck-Konstante, so unzweifelhaft wie das Periodensystem der Elemente, so unzweifelhaft wie die Zahl Pi. Leider ist es nur sehr wenigen Wissenschaftlern gegeben, so charismatisch und fanatisch die Leute von einer Idee zu überzeugen, wie dies die evangelikale US-Predigern Joyce Meyer kann. Sonst wäre längst „Antwort B“ in PISA-Studien die richtige Antwort.
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Was Frau Thal zur Gültigkeit der Evolutionstheorie schreibt, bekundet die Einstellung eines wissenschaftsgläugigen Menschen, für den eine Lehrmeinung etwas klar bzw. absolut Bewiesenes ist, auch wenn zahlreiche Befunde empirischer Wissenschaften in eine andere Richtung zeigen. Solche Forschungsergebnisse werden prinzipiell nicht zur Kenntnis genommen oder einfach verdrängt.
Also, ehe diese Diskussion jetzt hier zum 1001. Mal auflebt, verlinke ich mal einfach auf den BW-Artikel über "Wissenschaftsgläubigkeit". Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.
Frau Thal, ihre Argumentation ist eine Frechheit und zeugt von einer blinden Wissenschaftsgläubigkeit und Respektlosigkeit vor Gott, der Sie geschaffen hat.
Wer in der Finsternis herumstochert, kann kein Licht finden. Die ET ist eine bösartige Schlussfolgerung aufgrund empirischer Daten. Vergänglicher Müll.
Ich bin ein christlicher Lehrer mit einer persönlichen Beziehung zu Gott und nehme die Verantwortung wahr, meinen Jugendlichen die Wahrheit aus Gottes Wort zu vermitteln.
Antwort C der PisaStudie ist die einzige vertretbare Lösung.
Wegen Aussagen wie dieser ist es schwer, eine anständige Diskussion hinzubekommen. Denn einige Diskussionsteilnemer scheinen diesbezüglich gebrannte Kinder zu sein. Auf jeden Fall verstehe ich nun Frau Thals Argumentation besser. Allerdings waren hier bislang eher die falschen Gegenüber für "Das können wir nicht leugnen!", mit den üblichen Differenzen bezüglich der Absolutheit von Wissen.
Nun aber kommt diejenige Dimension dazu, die die ganze Diskussion übergaupt erst angestoßen hat und ihr ihre Brisanz verliehen hat: die der "Wissenschaftsskeptiker", in diesem Fall sind das die Kreationisten. Und dann wird es gefährlich.
Ich sehe die ET weder nicht als der Weisheit letzten Schluss, aber "gesunde Skepsis" darf kein Argument für ET-Gegner sein. Es gibt NICHTS Plausibleres. Für die WARUM-Fragen kann dann immer noch Gott die Lücke schließen. Es gibt auch noch unbeantwortete WIEs, z.B. wie aus fast unendlich vielen physikalischen Reaktionen im Kopf ein Bewusstsein entsteht, die auf lange Sicht aus wissenschaftlicher Sicht nicht beantwortbar sein werden.
Jetzt kommt etwas, dass mir als Mathematiker, Hobby-Philosophen, Wissenschaftler, blabla ziemlich schwer fällt.
Ich hoffe (und bete), dass ich einen feinen Hauch Ironie oder Zynismus bei Peter Herzog gespürt habe. Wenn ich mich täusche, dann schließe ich mich Frau Thal an:
DIE ET IST BEWIESEN.
Tja, wo sind sie jetzt, unsere Philosophie-Studenten, die noch vor ein paar Tagen auf gar keinen Fall von Absolutem sprechen wollten und die ET eigentlich ganz gut fanden? Ich hätte ja erwartet, daß sie dem Herrn Herzog jetzt genau so kräftig über den Mund fahren wie der Frau Thal.
Eine Theorie kann nicht bewiesesn werden. Sie muß, solange sie wissenschaftlichen Kriterien gehorcht und keine Ideologie ist, nur falsifizierbar sein. Sobald ein Faktum auftauchen sollte, die sie wiederlegt, muß die Theorie korrigiert oder ad acta gelegt werden.Insofern ist die Antwort C richtig. Die bisherigen Fakten sprechen klar für die Richtigkeit der Darwinschen Evolutionstheorie, aber noch soviele "Beweise" können sie nicht zur Wahrheit machen, sonst verlöre sie ihren Status der Wissenschaftlichkeit.
Eine Theorie kann nicht bewiesesn werden. Sie muß, solange sie wissenschaftlichen Kriterien gehorcht und keine Ideologie ist, nur falsifizierbar sein. Sobald ein Faktum auftauchen sollte, die sie wiederlegt, muß die Theorie korrigiert oder ad acta gelegt werden.Insofern ist die Antwort C richtig. Die bisherigen Fakten sprechen klar für die Richtigkeit der Darwinschen Evolutionstheorie, aber noch soviele "Beweise" können sie nicht zur Wahrheit machen, sonst verlöre sie ihren Status der Wissenschaftlichkeit.
Das ist selbstverständlich richtig. Nur ist es offensichtlich nicht das, worum es Herrn Herzog oder den Machern der PISA-Studie hier geht.
Es war einmal ein Kind, das auf einem Nachttopf saß. Nach Beendigung der Sitzung drehte es sich um und betrachte sich lange und angstrengt den Haufen im Topf. War ich das? Hängen meine Bemühungen mit dem Resultat zusammen? Oh, ich kann es benennen: es riecht übel in meiner Nase, sieht dunkel aus, macht aber keine Geräusche. Die Frage nach der Richtigkeit der Evolutionstheorie ist die gleiche Frage, wie die nach dem Inhalt des Nachttopfes. Interessanter wäre doch die Frage, ob es dieses "Kind" gibt. Da ist er wieder -der Griesgram aus Frankfurt:
Wille bin ich ganz und gar, der die Karawane vor sich hertreibt. Mensch - weißt du den Weg? Hast du ein Vetorecht? Hast du den Mut, mich in Frage zu stellen?
Ich erlaube mir, ein Gedicht von H.Wicht reinzustellen, das die Philosophie Schopenhauers sehr gut auf den Punkt bringt.
"Der Wille ist des Übels Keim:
er tut dauernd wollen.
Lässt er's irgendwann mal sein,
ist's auch nicht gut: wir grollen,
dass uns Langenweil' erfasst',
die uns ebenso verhasst.
Woll'n wir was, so ist es Mist,
weil wir's oft nicht kriegen.
Kriegen wir's, so ist es Mist,
weil wir bis zum Biegen
und zum Brechen dann sofort
neue Wünsche züchten.
Alles nur, um stets dem Tort
der Lang'weil zu entflüchten.
Verstand, Vernunft - sie sagen uns
"Alles das ist Scheisse!"
Der Wille sagt: "Das ist mir Wurst!"
und schickt uns auf die Reise.
Das Dasein ist wie grade Gurken:
verpfuschtes Werk des Demiurgen.
Welcher üb'rgens "Wille" heisst,
mitunter "Trieb" - doch "Welt" zumeist."
(H.Wicht)
Ich danke den offen religiös Bekehrungsgetriebenen der letzten Kommentare!
Sie sind der klarste Beleg für meine wiederhote Behauptung,
dass es hier nicht darum geht,
Bergifflichkeiten die bereits korrigiert wurden immer wieder in den Vordergrund zu schieben,
sondern schlicht und ergreifend um, wie ich schon schrieb und worum es wohl auch Frau Thal ging, um - ich darf mich nochmals selbst zitieren: "den nicht unbekannten Versuch religiös fundamentalistischer Gruppen das Diktat über das Denken wieder zu erlangen."
Oder um es etwas populärer für die Verständlichkeit zu fromulieren:
Um den Versuch, uns wieder geistig in das dunkle Mittelalter zu verbannen.
Lassen sie sich bitte auf der Zunge zergehen den wunderschönen erhellenden Kommentar:
"eine Frechheit ... Respektlosigkeit vor Gott, der Sie geschaffen hat.
Wer in der Finsternis herumstochert, kann kein Licht finden. Die ET ist eine bösartige Schlussfolgerung"
Sie sehen, fundamentalistische Christen und Moslems sind nicht nur im Buche vereint.
Sie verstehen es aber auch, Kreide zu essen und sich als "Wissenschaftler" zu tarnen, das sind dann solche Sachen wie die kreationistischen Ergüsse.
Wer sich jetzt nicht an Verbrennungen des Bösen, Folterungen zur Widerrufung von Respektlosigkeiten vor Gott und dergeleichen mehr erinnert sieht, dem scheint mir nicht zu helfen.
Und wer jetzt immer noch versucht, in diesem Rahmen wissenschaftliche Feinheiten um die Feinjustierung einer Wissenschaftlichen Theorie zu diskutieren, der tut dies wohl wissend, dass er damit diesen letzten Kommentatoren in der Öffentlichkeit in die Hand arbeitet.
Und wer in PISA Studien Fragestellungen in der Art formuliert wie oben, der legt nahe, dass auch er versucht, diesen "rechtgläubigen" in die Hand zu arbeiten.
Ich zitiere mich wieder selbst:
"Schulbuchentscheider und PISA-Fragensteller, die eine NICHT wissenschaftliche Theorie mehr oder weniger versteckt versuchen in den wissenschaftlichen Sachunterricht zu bringen sind für mich inkompetent in ihre Aufgabe, fehl am Platz und die offensichtlichen Handlanger und Vorposten der religiösen fundamentalistischen geistigen Verfinsterer.
Sie sind für unser Bildungssystem eine viel größere Gefahr, als alle Defizite, die man mit der PISA-Studie versucht aufzudecken.
Nochmals:
"Wissenschafliche Theorien sind leicht und eindeutig von NICHT wissenschaftlichen zu unterscheiden!"
Nicht wissenschaftliche Theorien sind im wissenschaftlichen Kontext als Alternativtheorien fehl am Platz,
haben dort nichts zu suchen!
Dieses trifft auf den gesamten Dunstkreis dieser verfinsternden sogenannten Alternativtheorien aus dem Kreationisten-und Design-Kontext zu.
Wenn die Schule sich damit beschäftigen will oder soll, dann doch bitte im Religionsunterricht oder noch besser im Politikunterricht. Denn die politische Brisanz, Gefahr für unsere westliche Welt scheint mir offensichtlich.
Die Evolutionstheorie ist eine sehr gut fundierte wissenschaftliche Theorie nicht viel anders als andere allgemein anerkannte Theorien aus der Physik, Chemie oder sonstwoher.
Die kreationistischen Auslassungen haben mit Wissenschaft überhaupt nichts zu tun!
Nochmals
Die Evolutionstheorie und der moderne Antievolutionismus
als Möglichkeit für diejenigen, die im wissenschaftlichen nicht ganz so zu Hause sind, sich deutlich zu machen woher der Wind bei diesen pseudowissenschaftlichen Versuchen weht.
Ein guter Text.
Sehr lesenswert und gut geschrieben, finde ich.
Danke für den Link.
Ich gehe mal davon aus, daß Sie mich meinen -ist mir nicht ganz klar. Daß ich hier nicht "wissenschaftlich" schrieb, ist mir klar. Und daß der Kreationismus nichts im Biologieunterricht zu suchen hat -auch das ist mir klar. Ich bezweifle nicht die Evolutionstheorie (Mutation, Selektion und die daraus resultierende Abstammung der Arten). Doch gehe ich davon aus, daß Evolution nichts vergangenes ist, sondern sie immer noch sattfindet und wir als Gattung Mensch in ihr enthalten sind. Und da darf die Frage erlaubt sein: Wohin soll die Reise gehen?
Wunderbar, Siw sprechen mir aus der Seele. :)
Aber nein, ich meinte nicht Sie im Speziellen,
ich meinte das systematisch zu beobachtende Phänomen, dass sich diejenigen, die es besser wissen müssten, wenn es um diese am öffentlichen Erfolg gemessenen offensichtlich geschickten religiös getriebenen Versuche geht, sich immer vom wissenschaftlichen Reflex Fehler zu korrigieren und herauszustellen genau in die Diskussionsrichtung leiten lassen, die z.B. den Kreationisten in die Hand arbeitet.
So eben auch hier:
Frau Thal hat einen Beitag geschrieben, der den möglichen kreationistischen negativen Einfluss auf die PISA-Macher versuchte aufzuzeigen.
Sie hat dabei zugegebenermaßen sich zu falschen Begrifflichkeiten hinreißen lassen und prompt, statt diese Begrifflichkeiten schlicht einmal verständlich klar zu biegen und sich dann mit dem eigentlichen Thema zu befassen, wurde immer wieder die gleiche Begrifflichkeit klar gebogen.
Hmm..
Ich kann es ja verstehen, sich mit einem sachlichen Aspekt auseinanderzusetzen ist ja auch viel unverbindlicher und greift einen emotional nicht so mit, ganz im Sinne wissenschaftlicher Grundeinstellung.
Aber hier geht es nicht um die wissenschaftsinterne Justierung von Theorien.
Hier geht's darum, wie man verhindert, dass diese Bewegung in der Öffentlichkeit zu aller Schaden weiterhin solche schleichenden aber beständigen und stetigen Erfolge erzielt.
Die Evolutiontheorie ist doch nur der erste vielversprechendste Ankerpunkt dieser Bewegung: Sie greift direkt in das Selbstverständnis der Menschen ein, ist damit prinzipiell in der Öffentlichkeit leicht mit Emotion zu unterfüttern. Die Relativitätstheorie eignet sich dafür nicht so leicht.
Ich behaupte, dass es einem religiösen fundamentalisten auf Dauer nie recht sein kann, dass es sowas wie Wissenschaft überhaupt gibt.
Und Fundamentalismus ist keine Eigenschaft, die nur mit Moslems verbunden ist, da Christentum stehrt diesen Möglichkeiten in nichts nach, es hat nur zum jetzigen Zeitpunkt der Geschichte einen schwierigeren Stand.
Aber stehter Tropfen hölt den Stein, man hat ja Hoffnung und Zeit.
Zurück zur Evolution.
Aber ja, sie ist ein Prozess und als sinnvolle w. Theorie geht's dabei nicht nur um Fragen nach der Vergangenheit sondern auch um die Prognosefähigkeit.
Und ja, wir als Menschen sind darin wohl einbegriffen und Fragen dazu sind selbstverständlich berechtigt.
Nur,
als Kommentar zu Frau Thals Thema scheinen sie mir doch genau dieses zu verfehlen und diese Themenverfehlung arbeitet leider in hiesigem Zusammenhang den antiwissenschaftlich getriebenen in die Hand und wird damit zur "Verfehlung" der Wissenschaft gegenüber. - Die Verfehlung hat mir grade Spaß gemacht. -
Was müsste eigentlich in den Kommentaren passieren:
Zeige auf, dass die kreationistischen Ergüsse bzgl. der ET zielgerichteter manipulatorischer Unsinn sind.
Aber das passiert in den Kommentaren nicht?!
"Aber das passiert in den Kommentaren nicht?!"
Ich weiß, daß Sie sich auf den Kommentar u.a. von Herzog beziehen. Muß man darauf antworten? Wird Schweigen als Zustimmung empfunden?
"Zeige auf, dass die kreationistischen Ergüsse bzgl. der ET zielgerichteter manipulatorischer Unsinn sind."
Wissenschaft setzt Erkennen voraus. Erkenntnis ist uns da gegeben, wo Begriff und Anschauung (sinnliche Wahrnehmung) zusammentreffen. So steckt im Begriff "Unsinn" schon die ganze Philosophie, wenn der Begriff als Ohne-Sinn übersetzt wird. So hat auch der Begriff "Gott" keine wissenschaftliche Relevanz, da er nicht mit einer Anschauung verknüpft werden kann. An Gott darf der Mensch GLAUBEN-darüber wissen kann er nichts, solange "Gott" es vorzieht, im Verborgenen zu bleiben.
Hallo Herr Willems, sehen Sie es mir nach, wenn ich die zahlreichen und teilweise sehr langen Kommentare hier nicht alle lesen, geschweige denn memorieren kann. Jetzt ist mir aber klar geworden, dass es zwischen uns kein Missverständnis gibt, wie der Begriff der Absolutheit oder Beweisbarkeit verwendet werden muss.
Weder habe ich die Befürchtung, religiöse Fundamentalisten könnten hier in Deutschland die Oberhand gewinnen, noch, dass sie die PISA-Umfrage unterwandern. Tatsächlich finde ich Diskussionen über Kreationismus fruchtlos und will mich daher nicht daran beteiligen
Für mich war das von Relevanz, was ich Thema des Artikels im engeren Sinn nennen möchte: Nämlich die Frage, welche die richtige Antwort auf die Frage war. Ich habe hier ausführlich dafür zu argumentieren versucht, warum sich die Autorin irrt -- mit guten Gründen, wie ich meine.
@ tk: Was bleibt von Ihrem Statement, wenn man die Polemik daraus abzieht? Jedenfalls scheint mir, "Philosophie-Studenten" hatten zu diesem Thema bisher mehr beizutragen als Sie -- auch wenn mir nicht ganz klar ist, wen Sie mit diesem Einwurf treffen möchten.
Die Formulierung von Multiple Choice Fragen und Antworten lässt gelegentlich (oder häufig?) bessere Rückschlüsse auf die Absicht der Fragesteller zu, als dass man aus der Analyse der Antworten etwas zum Wissensstand der Befragten erfahren könnte.
Die Frage hätte auch so formuliert werden können:
Welche der folgenden Aussagen trifft am besten auf die Evolutionstheorie zu?
A. Die Evolutionstheorie gilt für Tiere, nicht aber für den Menschen.
B. Die Evolutionstheorie ist eine sehr gut fundierte wissenschaftliche Theorie.
C. Die Evolution ist eine wissenschaftliche Theorie, die sich gegenwärtig auf zahlreiche Beobachtungen stützt.
Hier trifft wohl "B" am besten zu". [Die wörtliche Formulierung von "B" habe ich aus einem Beitrag von Erich Willems übernommen.]
Wenn es darum gegangen wäre, das Verständnis bzgl. des Begriffes "Beweis" in den Naturwissenschaften zu überprüfen, wäre auch folgende alternative Formulierung geeignet:
Welche der folgenden Aussagen trifft am besten auf die Evolutionstheorie zu?
A. Die Evolutionstheorie gilt für Tiere, nicht aber für den Menschen.
B. Die Evolution ist eine Theorie, die durch Forschung bewiesen worden ist.
C. Die Evolutionstheorie ist eine sehr gut fundierte wissenschaftliche Theorie.
Hier trifft wohl "C" am besten zu.
Ich finde es gut, dass Frau Thal diese PISA-Frage zum Thema ihres Blogs gemacht hat.
Ja, ich weiß,
und innerhalb eines wissenschaftlich orientierten Kreises muss man sicherlich nicht "darauf" antworten,
denn diese Äußerung war nun derart selbstentlarvend, dass sie eigentlich keiner Hilfe bedarf. Und ich bin dem Schreiber richtig dankbar, dass er sich nicht zurückhalten konnte.
Denn die besser versteckten, die mit Kreide geweichten und mit pseudowissenschaftlicher Soße schluckbar gemachten versuche,
oh ja, dazu muss man Stellung beziehen aber es tut scheint's keiner, "weil es doch für jeden erkennbar sei und unwürdig darauf zu antworten".
Die Pseudowissenschaftler danken's uns.
Denn die öffentliche Wahrnehmung und Enscheidungsfindung wird in ihrer Drift nicht unbedingt von tiefen rationalen Einsichten gelenkt, wie käme es sonst, dass diese pseudowissenschaftlichen Versuche inzwischen soweit gekommen sind, dass sie im Diskussionsbereich des Biologieunterrichtes auftauchen und man sogar schon anfangen muss, sich zu fragen, inwieweit PISA-Macher dabei mitmachen?
Ich höre in meinem Arbeitsumfeld sogar schon von wissenschaftlich gebildeten die Aussage:
"Ja aber die kreationistische Alternative zur Evotutionstheorie ist doch durchaus eine Diskussion wert."
Erst wenn ich mich dann dagegen wehre und darauf hinweise, dass es nicht im entferntesten eine Wissenschaftliche Theorie sei und dass sie sich doch daran erinnern sollten was die Mindestanforderungen an eine solche sind - und aus welchem Grund - kommt dann die "Ja, stimmt..."-Einsicht.
Was soll man dann erwarten von Leuten, die diese wissenschaftliche Vorbildung nicht haben?
Wie sollen diese das Zeug bewerten, wenn sie von der wissenschaftlichen Gemeinde dabei im Stich gelassen werden?
Hier geht es nicht um einen innerwissenschaftlichen Disput.
Es geht um eine öffentlich politisch orientierte Angelegenheit in der diejenigen, die nicht das oben von mir markierte verdunkelte Zeitalter zurückwünschen auch aktiv dafür sogen müssen nach der Methode "Wehret den Anfängen..."
Denn, ja,
in der öffentlichen Sicht sieht ein nicht widersprochenes pseudowissenschaftliches religiöses "Trojanisches Pferd" wie akzeptiert und anerkannt aus.
Es ist grade deswegen pseudowissenschaftlich verfasst, damit es wie ein echtes wissenschaftliches aussieht und gewertet wird.
"Hier geht es nicht um einen innerwissenschaftlichen Disput.
Es geht um eine öffentlich politisch orientierte Angelegenheit in der diejenigen, die nicht das oben von mir markierte verdunkelte Zeitalter zurückwünschen auch aktiv dafür sogen müssen nach der Methode "Wehret den Anfängen...""
Ich verstehe Ihre Wut nur allzu gut. Aber sind diese Menschen überhaupt noch eines kritischen Hinterfragens fähig?
Es scheit mir Angst zu sein, die Menschen in die Arme der Heilsbotschaft treibt, die vom Bible Belt zu uns rüberschwappt. Denn für einen Menschen, der sich ernsthaft mit den Fragen beschäftigt: "Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?" (Kant), der wird auch immer damit konfrontiert, daß ihn der leere Raum anhaucht und mit jeder Frage, die eine Tür öffnet, eine neue Frage entsteht. Das, lieber Herr Willems, muß schlicht und ergreifend ausgehalten werden. Daher bedarf es des MUTES, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.
Dieser aufklärerische Gedanke aber richtet sich an den Einzelnen. Die dumme Masse wird sich immer an einen Guru hängen!
Ich denke, die eigentlich interessante Frage ist nicht die nach der inhaltlichen Bewertung der Frage (da sind wir uns ja fast alle einig), sondern (wie Tobias schon im 2. Kommentar gesagt hatte) die Frage nach dem WER und WARUM?
Also: weshalb wurde die Frage von den PISA-Machern gerade so formuliert? Wenn man über Wissenschaftsphilosophie diskutieren wollte, warum hat man gerade die Evolutionstheorie als Beispiel genommen und nicht irgendein anderes Thema?
Es ist sicher richtig, daß man weder befürchten muß, religiöse Fundamentalisten könnten hier in Deutschland die Oberhand gewinnen, noch, dass sie die PISA-Umfrage unterwandern.
Aber es wäre wohl schon schlimm genug, wenn einzelne Lehrer ihre Position mißbräuchten, um Schülern Ideologie statt Wissenschaft zu vermitteln.