wissenslogs Amuse-Gueule

PISA-Studie und die Evolutionstheorie

von Sandra Thal, 18. November 2008, 17:27

Was in den USA und auch hier bei uns häufig in Foren und in einigen Spartenkanälen heftig diskutiert wird, hat anscheinend auch die PISA-Macher beeinflusst. Sie stellten den Schülern folgende Frage:

Welche der folgenden Aussagen trifft am besten auf die Evolutionstheorie zu?

A. Die Evolutionstheorie gilt für Tiere, nicht aber für den Menschen.
B. Die Evolution ist eine Theorie, die durch Forschung bewiesen worden ist.
C. Die Evolution ist eine wissenschaftliche Theorie, die sich gegenwärtig auf zahlreiche Beobachtungen stützt.


Laut den Machern der PISA-Studie ist C. die richtige Antwort. Das kann von einem Naturwissenschaftler mit echtem Sachverstand nur als Frechheit bezeichnet werden.

Die Evolution ist eine Theorie, die durch die Forschung eindeutig und ganz klar bewiesen worden ist. Wer nicht einmal diese Beweise als absolut ansieht, kann auch gleich seine eigene Existenz in Zweifel ziehen.

 

Gerade auch die Revolution v.a. der letzten 5-10 Jahre, ausgelöst durch die komplette Sequenzierung zahlreicher Genome, macht uns Wissenschaftlern immer mehr bewusst, wie unglaublich komplex und dennoch nachvollziehbar das gesamte Leben auf unserem Planeten vernetzt ist, evolutiv und strukturell. So teilen selbst wir hochentwickelten Eukaryoten uns immer noch tausende Proteinfamilien und Pathways mit Bakterien und Archaen, den ursprünglichsten Lebensformen auf unserem Planeten. Allein schon dieses globale Kontinuum an Homologien ist eine erdrückende und eindeutige Beweislast.

 

Zufall kann das alles schon lange nicht mehr sein. An der Evolutionstheorie zweifelt niemand, der die Sachlage kennt und den Verstand hat, sich mit ihr auch auseinanderzusetzen. Sie ist für alle Zeiten gültig – und nicht nur eine „gegenwärtige“ Theorie, wie die indoktrinierende Antwort „C“ erzieherisch vermitteln will.

 

Sie ist so unzweifelhaft wie die Planck-Konstante, so unzweifelhaft wie das Periodensystem der Elemente, so unzweifelhaft wie die Zahl Pi. Leider ist es nur sehr wenigen Wissenschaftlern gegeben, so charismatisch und fanatisch die Leute von einer Idee zu überzeugen, wie dies die evangelikale US-Predigern Joyce Meyer kann. Sonst wäre längst „Antwort B“ in PISA-Studien die richtige Antwort.



Ähnliche Artikel:


antworten

Artikel kommentieren
 authimage

Kommentare

  1. Michael Wild Beweis
    18.11.2008 | 22:11

    Liebe Frau Thal,

    ich kenne die Studie nicht im Detail, ich unterstelle den Machern der PISA-Studie aber, dass sie nicht wissenschaftliche Erkenntnisse aufweichen und einer Design-Theorie den Boden bereiten wollen, sondern dass sie auf eine grundsätzliche Crux der Erkenntnis hinauswollen: abseits der Logik und der Mathematik gibt es keinen zwingenden Beweis zu einer Theorie. Eine Theorie hat so lange Gültigkeit, wie sie sich bewährt.

    Damit widerspreche ich auch Ihrer Aussage, dass die Evolutionstheorie für alle Ewigkeiten gilt. Auch wenn ich die Theorie sehr überzeugend finde (ich kann mir sogar nichts überzeugenderes vorstellen), halte ich es ganz und gar nicht für ausgeschlossen, dass in naher oder ferner Zukunft eine noch bessere Erklärung für das alles gefunden wird.

    Das war übrigens mein erster Blog-Kommentar.

    Beste Grüße,
    Michael Wild.

  2. Tobias Evolution durch Mutation und Selektion bewiesen
    18.11.2008 | 22:26

    Auf jeden Fall B. und es gibt sehr wohl Experimente, die Evolution durch Mutation und Selektion beweisen. Wäre interessant zu wissen, wer diese Frage und vor allem die vermeintlich richtige Antwort zu verantworten hat.

  3. Rade Kutil Vasentheorie
    18.11.2008 | 22:47

    Welche der folgenden Aussagen trifft am besten auf die Theorie zu, dass sich zersprungene Vasen nicht selbstständig wieder zusammensetzen?

    A. Die Vasentheorie gilt für billige, nicht aber für teure Vasen.
    B. Die Vasentheorie ist eine Theorie, die durch Forschung bewiesen worden ist.
    C. Die Vasentheorie ist eine wissenschaftliche Theorie, die sich gegenwärtig auf zahlreiche Beobachtungen stützt.

  4. Sandra Thal @Michael Wild
    19.11.2008 | 06:36

    Mir geht es vor allem darum: Wenn man in der Naturwissenschaft von einer „Theorie“ spricht, dann ist das eine bewiesene Tatsache, die quasi „der Praxis“ gegenüber steht. Was in der Umgangssprache „nur als Theorie“ bezeichnet wird, ist im naturwissenschaftlichen Jargon eine „Hypothese“. Jedem Naturwissenschaftler ist das klar. Wenn man Kindern beibringt, wissenschaftlich zu denken, dann muss man ihnen auch diese Formalien klarmachen.

    Kurz: Der Satz: „die Evolutionstheorie ist sowieso nur eine Theorie“ zeugt von naturwissenschaftlicher Ignoranz. Es wird mit absoluter Sicherheit keine andere Erklärung für die Entwicklung aller Lebensformen auf unserem Planeten geben. Jeder, der die enorme, vielfältige und eindeutige Datenlage kennt, weiß das auch.

    Das wäre genauso, wie wenn man glauben würde, dass eines Tages sicherlich bessere Erklärungen für „diese komischen Lichter da oben an unserem Himmel“ gefunden werden können. Die Existenz von Sonne, Mond und Sterne ist genauso naturwissenschaftlich unbestreitbar, wie die Evolutionstheorie. Nur ist es weniger opportun, die Existenz der Himmelskörper infrage zu stellen.

    Oder ist es etwa vorstellbar, dass es bei PISA folgende Frage mit zugehörigen Antworten hätte geben können?:

    Welche der folgenden Aussagen trifft am besten auf die Theorie der Himmelskörpern zu?
    A. Die Existenz der Himmelskörper ist eine wissenschaftliche Theorie, die sich gegenwärtig auf zahlreiche Beobachtungen stützt.
    B. Die Existenz der Himmelskörper ist eine Theorie, die durch die Forschung bewiesen worden ist.

  5. Sandra Thal @Rade Kutil
    19.11.2008 | 06:37

    Das, was Sie da formuliert haben, ist eine klare Aussage des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik und keine spezielle „Vasentheorie“, die sich nur auf Vasen bezieht. Der zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik ist eine naturwissenschaftliche Theorie, die, wie die Evolutionstheorie, in der Forschung bewiesen worden ist und für alle Zeiten gültig ist. Genau das ist der Punkt. Sie ist eben keine „Theorie“ im umgangssprachlichen Sinne, die lediglich „gegenwärtig“ mal kurz so eine Modeerscheinung ist.

  6. Karl Bednarik Nach Sir Karl Popper
    19.11.2008 | 07:47

    sind Theorien prinzipiell nicht beweisbar,
    Theorien müssen falsifizierbar sein, und
    Theorien dürfen noch nicht falsifiziert worden sein.

    Nach Wilhelm von Ockham
    müssen Theorien so einfach wie möglich sein.

    Derzeit ist die Evolutionstheorie
    die wahrscheinlichste Theorie des Lebens.

  7. adenosine
    19.11.2008 | 08:14

    Nun ja, die Evolutionstheorie ist von ihrem Rang her und dem Grad ihrer Vertrauenswürdigkeit gleichwertig zu den grundlegenden physikalischen Gesetzen. Ich halte persönlich halte sie für die faszinierenste Theorie, die wir zur Erklärung der Welt entdeckt haben.

  8. Michael Wild Wahrheit
    19.11.2008 | 09:57

    Aus wissenschaftstheoretischer Sicht dreht es sich ein bisschen um die Frage:

    Ist Wahrheit relativ?

    Diese Frage wird sicherlich zwei Hauptlager erzeugen.

    Aber in diesem Kontext geht es nicht nur um die erkenntnistheoretischen Ansichten von Wissenschaftlern, sondern auch um pädagogische Aspekte: wie wollen wir, dass Kinder und damit künftige Gesellschaften mit dogmatischen Aussagen umgehen.

    Da ist mir eine kritischer Umgang mit wissenschaftlichen Statements lieber als das genaue Wissen, welche Dogmen hinterfragt werden dürfen/sollen (Himmelskörperbeispiel: dreht sich alles um uns, oder um die Sonne, oder um gar nichts) und welche wirklich und völlig absulut unanfechtbare Tatsachen sind.

    Deswegen finde ich es gut, wenn diese Skepsis auch in den Schulen vermittelt (und damit auch in PISA geprüft) werden soll. Da ist es mir lieber, junge Menschen lassen auch andere Wahrheiten zu. Die Eigenschaft, Wahrheiten als zu ewig anzusehen halte ich offen gesagt sogar rür recht gefährlich. Dabei muss ich dann vielleicht auch in Kauf nehmen, dass Dinge, die ich für wahr halte (und ich halte die E-Theorie für wahr), nicht von jedem akzeptiert werden.

    An dieser Stelle: "Evolutionstheorie" ist im Alltagsgebrauch ja eigentlich recht diffus, so dass man damit ohnehin zunächst verschiedene individuelle Vorstellungen verknüpfen kann.

    Soll man sagen: "Betrachtet alles kritisch. Aber wenn jemand die E-Theorie in Frage stellt (besonders einer von den Kreationisten aus USA), dann ist blödsinnig, denn das die ist echt wahr (nicht so wie alles andere)."

    Die Frage ist m.E. nach nicht als Angriff auf die E-Theorie zu verstehen, sondern ein Test auf den Umgang des Schülers mit wissenschaftlicher Erkenntnis.

  9. Utz P. Was heisst 'beweisen'?
    19.11.2008 | 23:47

    Ich finde die Frage auch ein wenig unglücklich. Denn es ist nicht klar, was mit 'beweisen' gemeint ist. Natürlich ist es sinnvoll, zwischen logischen und empirischen Wahrheiten zu unterscheiden. Und nun kann man den Standpunkt vertreten, dass sich nur logische Wahrheiten 'beweisen' lassen (oder auch, dass es keine empirischen Wahrheiten gibt). In diesem Fall macht es aber erst gar keinen Sinn, das Wort 'beweisen' in einem empirischen Kontext - also z.B. im Rahmen von Naturwissenschaften - zu benutzen. Denn dann kann es nur Evidenzen geben.

    Wenn es den Verfassern der PISA Studie aber tatsächlich auf diese Sprach-Subtilität ankam (und sie obigen Standpunkt vertreten würden), dann hätte man doch genausogut eine physikalische Theorie nehmen können. Pädagogisch viel besser, weil man gerade bei bestätigten physikalischen Theorien noch stärker denken würde, dass sie 'bewiesen' wären.

    Ein gewisses Problem habe ich allerdings schon mit Aussagen über empirische Theorien wie 'sind für alle Zeit gültig'. Wenn man den Begriff 'Beweis' in den Naturwissenschaften benutzen will, dann hat er eine andere Bedeutung als in der Logik (und Mathematik). Und dazu muss man nicht mehr viel schreiben, sondern ein Verweis auf Popper oder auch Hume sollte reichen.

  10. Eugen Frage:
    20.11.2008 | 01:33

    "Was istb der Unterschied zwischen einem Geisteswissenschaftler und einem Naturwissenschaftler? Antwort: Beide kommen für ihre Forschung mit einem Zettel und einem Bleistift aus. Aber nur der Naturwissenschaftler hat auch ein Radiergummi"

    "B" wäre nur dann richtig, wenn die Naturwissenschaft kein Radiergummi hätte.

  11. Stephan Schleim @ Thal: Beweis & Bestätigung
    20.11.2008 | 11:37

    Sehr geehrte Frau Thal,

    kennen Sie den Unterschied zwischen Beweisen und Graden der Bestätigung? Dann wüssten Sie vielleicht, dass erstere zur Sprache von Mathematik und Logik gehören, letztere zur Sprache der empirischen Wissenschaften.

    Zufall kann das alles schon lange nicht mehr sein.

    Was haben Sie gegen Zufall? Tatsächlich ist Zufall ein Standbein der Evolutionstheorie (Selektion und Mutation).

    Übrigens funktioniert Ihr reductio-Argument nicht: Natürlich gibt es für die Annahme der eigenen Existenz ganz andere Gründe als für die Annahme einer Evolutionstheorie.

    Mit freundlichem Gruß

    Stephan Schleim

    P.S. Woher kommt eigentlich das Leben?

  12. Bernhard Weise Frage eines Laien
    20.11.2008 | 14:41

    Wie der betreff schon sagt: Ich habe eine ganz einfache und grundlegende Frage und hoffe, dass mir jemand diese beantworten kann.

    Ich dachte bisher immer, dass eine wissenschaftliche Theorie gar nicht "bestätigt" werden kann, sonder nur widerlegt. Jede Bestätigung der Theorie muss - so mein bisheriger Wissensstand - als Sonderfall angenommen werden, für den die Theorie zutrifft, aber ein einziger Fall für den die Thoerie nicht zutrifft bringt diese zu Fall.

    Stimmt das so? Denn wenn ja (und das war der Tenor einiger vorhergegangener Beiträge) wäre doch Antwort C eindeutig richtig.

    Um meine Argumentation anschaulicher zu machen will ich mal ein Beispiel anführen:
    Lange Zeit dachte man, dass die Erde der Mittelpunkt des Sonnensystems ist und durch die Theorie von Ptolemäus mit Epizyklen konnte dieses Weltbild erklärt werden.
    Eine Reihe von Forschern (Galileo, Newton, Kopernikus, Keppler, etc.) stellt nun aber eine Theorie auf, die sämtliche (damals) beobachtare Phänomene erklärt.
    Doch leider stellt sich auch diese Theorie, die vor allem auf Newtons Gravitaion basiert, als falsch heraus, denn Einstein widerlegt bzw. veralgemeinert Newtons Theorie.

    Also muss man doch eigentlich sagen, dass auch die Evolutionslehre widerlegt oder veralgemeinert werden kann und keineswegs vollkommen bewiesen und unantastbar ist.

    Kann mich bitte jemand aufklären?
    Vielen Dank!

  13. Stephan Schleim @ Weise: Bestätigung
    20.11.2008 | 14:57

    Lieber Herr Weise,

    im Prinzip geht Ihre Frage genau in die richtige Richtung aber ich möchte mir doch erlauben, eine Trennlinie zwischen "Beweis" und "Bestätigung" zu ziehen: Aussagen (Gesetze) wie "Alle Raben sind schwarz" lassen sich nicht empirisch beweisen, wohl aber ist jeder schwarze Rabe, den Sie sehen, eine Bestätigung für die Aussage (oder das Gesetz, wenn Sie so wollen). Hingegen würde ein beobachteter Albino-Rabe, falls es so etwas gibt, die Aussage (das Gesetz) widerlegen.

    Aber auch wenn man "alle" durch "viele" oder "die meisten" ersetzt, ändert das nichts daran, dass schwarze Raben die Aussage (das Gesetz) bestätigen und Albino-Raben sie schwächen.

    Ich denke, das Kerngeschäft einer idealen Wissenschaft besteht darin, Hypothesen und ausformulierte Theorien zu bestätigen -- oder eben zu schwächen. Das kann man alles sinnvoll tun, ohne von "Beweisen" oder "absoluten Wahrheiten" sprechen zu müssen. Daher denke ich auch, dass C eine gute Antwort ist. Schüler, die sich in der PISA-Umfrage für diese Alternative entschieden haben, bringen meines Erachtens ein sehr hohes Maß an Reflexion zum Ausdruck, das ich begrüße. Diese Antwort als unwissenschaftlich oder gar wissenschaftsfeindlich zu bezeichnen, das kann ich nicht nachvollziehen.

    Viele Grüße

    Stephan Schleim

  14. Utz P. Raben hier und da
    20.11.2008 | 15:06

    Ganz so leicht mit der Bestaetigung ist es ja nun nicht... Zumindest tritt folgendes Paradox auf, wenn man gewisse logische Umformungen
    benutzt. Folgende drei Hypothesen sind logisch äquivalent:

    H: Alle Raben sind schwarz,

    H': Alle nicht schwarzen Dinge sind Nicht-Raben,

    H'': Wenn etwas ein Rabe oder nicht ein Rabe ist, dann ist es, sofern es ein Rabe ist, schwarz.

    Positive Einzelfälle für $H$ sind schwarze Raben. Durch die logische Äquivalenz sind aber auch positive Einzelfälle für H', zum Beispiel gelbe Luftballons, ebenso positive Einzelfälle für H. Und durch H'' kommen als positive Einzelfälle zusätzlich alle Nichtraben
    und alle schwarzen Gegenstände als Belege hinzu. Das ist natürlich kontra-intuitiv, da es so ein Leichtes wäre, die Hypothese H zu
    belegen, ohne jemals einen schwarzen Raben gesehen zu haben.

    [Für dieses Paradox und Lösungsansätze, siehe Lambert & Brittan: Eine Einfuehrung in die Wissenschaftsphilosophie, S. 112ff.]

  15. Martin Huhn
    20.11.2008 | 15:14

    Ich finde Antwort C auch richtig.

    Ich wüßte nicht, was für B spricht, denn bei der Evolutionstheorie gibt es noch sehr viele vage Punkte. Man weiß nämlich nicht, wann und wo, was genau geschah. Es ist keiner dabei gewesen und experimentieren läßt sich mit der Evolutionstheorie auch nicht gut, weil sie in langen Zeiträume stattgefunden haben sollen (somit ist es auch schwierig sie zu widerlegen). Mutationen lassen sich beobachten. Miller und Co haben ein paar Grundelemente mit Blitze "gekocht", woraus unter anderem Aminsosäuren entstanden sind, aber das ist noch längst keine lebende Zelle. Auch die Herkunft der DNA und wie sie entstanden ist ist im Dunklem verborgen. Die DNA müßte in ihrer Entstehung lange Zeit ohne Funktion gewesen sein und sich trotzdem zufällig weiterentwickelt haben bis sie zu dem wurde, was sie ist.

    Das waren jetzt nur mal ein paar wenige Beispiele, wo die Evolutionstheorie sehr vage ist. Von daher wüßte ich nicht, wo der Beweis erbracht ist.

  16. Stephan Schleim @ P.: Nochmal Raben
    20.11.2008 | 15:23

    Da machen Sie jetzt aber ein Fass auf:

    Erstens ist mit der Paradoxie nicht gezeigt, dass logisch äquivalente Aussagen (oder Gesetze) auch bestätigungsäquivalent sind. Womöglich könnte man sie umgekehrt als eine reductio verwenden, um zu beweisen (sic!), dass sie es eben nicht sind -- je nachdem, von welchen Prämissen man ausgeht. [Denken Sie an die Beispiele, die gezeigt haben, dass extensional identische Propositionen nicht immer intensional identisch sind.]

    Zweitens scheinen mir die Konsequenzen nicht zwangsläufig kontraintuitiv. Nehmen wir an, ich würde mein Leben lang alle möglichen Objekte untersuchen (beispielsweise auch gelbe Luftballons). Wenn ich also so viele Objekte untersuche und dabei keinen einzigen nichtschwarzen Raben finde, dann scheint mir das die Aussage (das Gesetz) doch wenigstens in einem schwachen Sinne zu bestätigen.

  17. Gunnar Antwort C
    20.11.2008 | 16:13

    Richtig ist wohl wirklich Antwort C, denn wissenschaftliche Theorien kann man nicht beweisen, sondern nur widerlegen. Dabei spielt es letztlich keine Rolle, wie gut die Theorie belegt ist. Problematisch sehe ich hier unter anderem aber, dass der Begriff der Theorie in der Wissenschaft eine andere Belegung hat als umgangssprachlich.
    Außerdem würde ich hier eine Unterscheidung treffen zwischen der Evolution, die unbestreitbar und durch Fossilbericht, Genetik etc extrem gut belegt ist. Und den Theorien über die zugrunde liegenden Mechanismen, den eigentlichen Evolutionstheorien, von denen es ja auch einige widerstreitende gibt und wo sich auch hier eine Evolution abspielt.
    Wir als Verfechter der Evolution tun uns aber imho keinen gefallen, wenn wir hier die Begriffe vermengen oder von beweisenen Theorien sprechen.

  18. Gunnar doppelter Kommentar
    20.11.2008 | 16:15

    sorry für den doppelten. irgendwie schien der erste nicht durchgekommen zu sein.

  19. Martin Huhn @ Gunnar
    20.11.2008 | 16:26

    Der erste Kommentar ist durchgegangen, aber der Browser hat eine alte Seite aus dem Browser Cache geladen und dann sieht es so aus als wäre der Kommentar nicht angenommen. Einfach mit gedrückter Umschalttaste die Seite neu laden, dann gibt es eine "frische" Seite aus dem Netz.

    Den ersten Kommentar habe ich gelöscht.

  20. Bernhard Weise Danke für die Raben!
    20.11.2008 | 17:58

    @ S. Schleim & Utz P.:
    Danke sehr für die Erläuterungen! Jetzt wäre es nur noch interessant zu wissen, wie Frau Thal argumentieren würde, denn sie behauptet ja gerade das Gegenteil von uns.

    PS: Wissen Sie woran Sie mich mit den Raben erinnert haben? An eine Stelle aus "Sophies Welt" von Jostein Gaarder, ein in einfacher Sprache verfasstes Buch über einige Philosophen. Dort erklärt "Alberto", der Lehrer seiner Schülerin "Sophie" den Empiriker David Hume und sagt dabei:
    "Und selbst wenn ich mein Leben lang nur schwarze Raben gesehen habe, heißt das nicht, dass es keine weißen raben gibt. Für einen Philosophen oder Wissenschaftler kann es wichtig sein zu beweisen, dass es keine weißen Raben gibt. Du kannst die Jagt nach dem weißen Raben als allerwichtigste Aufgabe der Wissenschaft bezeichnen."

    Das trifft doch genau den Kern der Sache, finden Sie nicht?

    Dank nochmals,
    B.Weise

szmtag