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Was die Leute mit PowerPoint alles nicht machen ...

von Werner Große, 07. Dezember 2009, 14:13

..., ist schon sehr erstaunlich. Doch vorweg: Im Grunde geht es nicht um PowerPoint. Es geht mir um die Vermittlung von Information mit Medien, um „mediale Vermittlung“ also. Als ob diese semantische Tautologie – man „vermittelt“ etwas „mit Mitteln“ –  nicht schon an sich trivial genug wäre. Mehr noch: Die meisten Vermittler reiten diesen weißen Schimmel hoch zu Ross wie einen bockigen Esel. Ich will damit sagen, dass es inklusive technischer Tücke nicht an Versuchen fehlt, Leinwände und Lautsprecher medial mit Raffinesse zu füllen, wenn nicht gar zu überfüllen, dass aber oft auf der Strecke bleibt, um was es eigentlich gehen sollte: Der Inhalt, den es zu vermitteln gilt!

„Ich hätte mal wieder aus dem Hemd springen können“, kommentierte meine Kollegin Michaela jüngst eine akademische Veranstaltung in einer ehrenwerten „Alten Aula“. Beamer, Spots, Mikrofon – alles sei vorhanden gewesen. Doch dann: „Den Redner traf kein Scheinwerferstrahl, dafür war die Leinwand grellweiß“.  Eine große Fläche im halbdunklen Saal vom Halogenlicht des Beamers permanent überflutet. Die PowerPoint Präsentation zeigte am oberen Rand penetrant und schattig die Silhouette des Uni-Logos als Topos der „Corporate Identity“ im verbindlichen „Corporate Design“ der PR Agentur – soviel Marketing muss sein.

Hin und wieder hob der Redner seine Worte visuell hervor, indem er per Mausklick Wörter oder ganze Sätze in Gestalt von Buchstaben dem flutenden Licht entriss und irgendwo platzierte. Die derart optisch subtrahierten, schwarzen Zeichen an der Wand ließ er dann minutenlang auf sein Publikum einwirken, auch dann noch, als er längst in seinem Redefluss bei anderen Gegenständen gelandet war. Welch trauriges Bild: Ein im Dämmerschein versackter Redner, dem der Zuhörer als Zuschauer längst verloren gegangen war.

Schwarze Zeichen an der Wand? Schon bei Belsazars biblischem Saufgelage war das Original des „Menetekels“ wohl eher umgekehrt ausgeleuchtet, also als strahlende Zeichen auf dunklem Grund: „Im gleichen Augenblick gingen hervor Finger wie von einer Menschenhand, die schrieben gegenüber dem Leuchter auf die getünchte Wand ...“ (AT, Prophet Daniel 5.5). Auch Rembrandt hat es wohl so gesehen, dass nämlich der erwähnte Leuchter (Beamer) die Buchstaben hell hinwirft und nicht das Umfeld. Gut projizierte Information zeigt im Lichte das, was gemeint ist. Eigentlich selbstverständlich. Projektoren erhellen seit dem Siècle des Lumières, seit der Aufklärung also, die Köpfe mittels lichtdurchfluteter Medien. Eine neue Kunst der transparenten Malerei entstand. Der zu vermittelnde Inhalt lag im Hellen.

 Abb.: Handgemaltes Bild für die Laterna Magica

Man schaue sich die alten Laterna-Magica-Bilder an, und es wird klar, dass hier von einer dunklen Leinwand ausgegangen wird. Erst recht, wenn das Bild zur Schrift verkümmert, wie etwa beim Zwischentitel im Stummfilm. Hier ist selten jemand der Idee verfallen, die Leinwand blendend weiß zu gestalten. Die Jünger von PowerPoint und Co. tun das aber sehr wohl. Rufen Sie Präsentationen beispielsweise der Bundesnetzagentur auf, dann sehen Sie, was ich meine. (Anm.: Hier wurde ein zweites, unzutreffendes Beispiel nachträglich vom Autor aus den Text genommen, um einen möglichen, persönlichen Affront nicht weiter aufrechtzuerhalten; siehe auch den Kommentar Lobin unten.

Solche Beispiele sind beliebig gegriffen, weil wohlfeil. Das liegt u. a. daran, dass unsere Generation der Wissensvermittler mit dem Overheadprojektor groß geworden ist. Der Irrtum, dass heutige Präsentationsprogramme sich an ihm und seiner Filzstifttechnik orientieren, scheint unausrottbar zu sein. Bereits in den 1980er Jahren verbot der Siggraph-Kongress (das State-of-the-Art-Ereignis der Computergrafik schlechthin) seinen Vortragenden den Overhead-Projektor mit dem süffisanten Hinweis: „Wenn Sie Bilder verwenden wollen und nicht wissen wie, helfen wir Ihnen technisch und gestalterisch“. Wer vom Film oder Dia her denkt, hat damit eher keine Schwierigkeit. Dass Schrift stets integrierter Teil eines Bild ist, scheint selbst die interaktive Multimedia-Gemeinde noch nicht ganz verinnerlicht zu haben.

„Was die Leute mit PowerPoint alles nicht machen“, hatte ich eingangs thematisiert. Nun erkennen wir: Das Vordergründigste, was die Leute nicht machen, ist eine überlegte Lichtgestaltung. Doch man sieht nur die im Lichte. Wenn Sie einen Gegenstand zeigen wollen, müssen Sie ihn beleuchten, das heißt aber nicht, ihn dunkel in ein helles Umfeld zu stellen. Also Licht aus, damit nicht Gemeintes im Dunkeln steht, und Spot an für den Redner, sein Gesicht, seine Hände – und seine Buchstaben und Bilder!


Das alleine rettet den Vortrag noch nicht. Denn es lauern noch zahlreiche, schwerwiegendere Gestaltungs- und Präsentationsmängel, doch davon in einem späteren Blog.



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Kommentare

  1. Karl Bednarik Verbrauch von Toner
    07.12.2009 | 21:43

    Die beschriebene Vorgangsweise würde den Verbrauch von Toner oder Inkjettinte für die Overheadfolien stark ansteigen lassen.

  2. Werner Große @ Bednarik
    08.12.2009 | 00:08

    Lieber Herr Bednarik. Sie führen ein oft verwendetes Argument ins Feld. Leider ist es nicht sehr stichhaltig.
    Zunächst sind wir uns einig, dass die ausgedruckte Version (Neudeutsch Handout) eines projizierten Vortrags einer umgekehrten Logik folgen sollte: Also dunkle Information auf hellem Hintergrund. Dies entspricht den Sehverhältnissen bei Tageslicht. Nie würde ich vorschlagen, beispielsweise die Druckschrift „Spektrum der Wissenschaft“ mit hellen Buchstaben auf dunklem Papier auszuliefern. Tatsächlich haben wir eine zweigeteilte Kultur/Technik/Sozialisation hinsichtlich grafischer Darstellungen: Sie ist gekennzeichnet durch subtraktive Farbmischung bei reflektierenden Medien und additive Farbmischung bei selbstleuchtenden Medien.
    Gottlob sind Computer in der Lage, zwischen den beiden Systemen hin und her zurechnen. PowerPoint z. B. bietet hierfür eine besonders bequeme Lösung an*. Leider wird sie selten genutzt, was mich mit einem tiefen Seufzer zu meinem Thema zurückführt, das da hieß: „Es ist schon erstaunlich, was die Leute mit PowerPoint alles nicht machen“.

    *Im Menü >AnsichtFarbe/GraustufeFarbeGraustufeSchwarzweißDruckenFolienHandzettelnNotizseiten

  3. Werner Große @ Bednarik Fortsetzung
    08.12.2009 | 00:14

    Sorry, meine mit * gekenzeichnete Fußnote ist nicht vollständig mitgeliefert worden. Hier ist sie:

    *Im Menü „Ansicht“ gibt es den Unterpunkt „Farbe/Graustufe“, unter dem Sie zwischen „Farbe“, „Graustufe“ oder „Schwarzweiß“ wählen können. Auch im Menü „Drucken“ haben Sie jeweils dieselbe Auswahl für den Druck von „Folien“, „Handzetteln“ und „Notizseiten“. Probieren Sie diese Möglichkeiten einmal mit einer recht bunt gestalteten Präsentation durch und Sie werden sehen, wie clever die PowerPoint-Leute hinsichtlich Ihrer Bedenken voraus gedacht haben.

  4. Henning Lobin Professionelle Performerin?
    11.12.2009 | 20:50

    Sibylle Peters ist kein so seltener Name, als dass man auf eine Überprüfung der Identität von Personen verzichten sollte, insbesondere dann, wenn man in einem Nebensatz zu einem solchen Seitenhieb ansetzt. Die von Ihnen gemeinte Hamburger Performerin Sibylle Peters (http://t-rich.prognosen-in-bewegung.de/...-peters/), die ein sehr ausgeprägtes Bewusstsein für die Ästhetik von Präsentationen und der Wahrnehmungsökonomie in Vorträgen besitzt, sollte bitte nicht mit der Magdeburger Betriebspädagogin Sibylle Peters (http://www.ibbp.uni-magdeburg.de/.../das_team.html) verwechselt werden, über deren Folien Sie sich mokieren.

  5. Werner Große @ Lobin
    11.12.2009 | 21:46

    Danke für den Hinweis, diese Verwechslung war nicht beabsichtigt. Bei Frau Dr. Peters möchte ich mich ausdrücklich entschuldigen.

  6. Christian Utopie vs. Praxis
    26.01.2010 | 10:34

    Sie haben völlig Recht mit Ihren Bemerkungen. Als Mathematiker/Physiker kennen Sie aber wahrscheinlich auch bestens die Hürden. Ich habe mich schon seit längerem bewusst für die weiße Hintergrund"farbe" entschieden und meine Entscheidung wurde vor kurzem in einem Workshop zum Thema "gute wissenschaftliche Vorträge" bestätigt: Es ist nämlich sehr schwierig (und vor allem zeitaufwendig) gute Vorträge mit schwarzem Hintergrund zu halten. Das hat ganz einfach folgende Gründe:

    So gut wie alle wissenschaftlichen Inhalte, die vorgestellt werden sollen, sind an weißem Hintergrund angepasst: Formeln, Abbildungen/Graphen, Bilder,...
    Dazu kommen die technischen Hürden: so gut wie kein Formeleditor (ausgenommen LaTeX) genügt den Ansprüchen von Wissenschaftlern; das führt dann teilweise zu sehr umständlichen Verfahren (Erzeugen von PDF-Dokumenten mittels LaTeX und dann paste&copy). Natürlich gibt es dafür technische Lösungen - diese scheitern aber samt und sonders an der Portabilität (auf andere Computer).
    Der Punkt ist: Nichts ist hässlicher als eine - an der rechteckigen Umrandung - klar ersichtlich eingefügte Formel oder Graphik.

    Darüber hinaus gibt es noch gestalterische Gründe für den weißen Hintergrund:
    Dem Benutzer eröffnet sich ein viel größeres Farbspektrum, denn so gut wie alle Farben (Vorsicht ist nur bei hellgrün geboten) zeichnen sich durch einen guten Kontrast aus. Bei schwarzem Hintergrund könnte man nur aus einem sehr eingeschränktem Farbspektrum schöpfen. Außerdem muss bei dunklem Hintergrund die chromatische Aberration stärker berücksichtigt werden. Unachtsamkeit bei der Farbauswahl kann hier leichter zu unangenehmen Kontrasten führen.

    Nicht zuletzt besitzt natürlich so gut wie kein Hörsaal einen Verfolgerscheinwerfer. Bevor ich also komplett im Dunkeln stehe, lasse ich lieber etwas indirekte Beleuchtung von der weißen Wand zu.

  7. Werner Große @ Christian
    26.01.2010 | 15:20

    Lieber Christian, Sie schreiben: „So gut wie alle wissenschaftlichen Inhalte, die vorgestellt werden sollen, sind an weißem Hintergrund angepasst“

    Ich möchte diesen Satz bestätigen und noch etwas verschärfen: So gut wie alle wissenschaftlichen Inhalte, die vorgestellt werden sollen, sind "für eine verständliche Darstellung nicht" angepasst. Das ist der Kern des Problems bei der Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte.

    Nun sage ich nicht, dass Sie etwas so oder so machen müssen. Ich sage aber: „Wenn Sie Ihren Stil verbessern wollen, dann sollten Sie versuchen, auf bestimmte Dinge zu achten. Stil, so zitiere ich immer wieder, ist Klarheit des Gedankens. Dazu gehört, den Gedanken zu reinigen von allem, was nicht zur Klarheit beiträgt. Das kann Mühe machen (seufz). Übersetzt man den Gedanken dann in Bildsprache, geht die Mühe weiter. Wie weit, ist Ihre Sache. Aber manche Dinge sind einfacher zu bereinigen, als zunächst gedacht.

    Wenn z. B. LaTeX keine Farbformatierung kennt, der Photoshop kennt Farben. Mit welchem Programm auch immer Sie etwas auf Ihrem Bildschirm anzeigen –
    die Taste „Druck“ auf Ihrem Keyboard nimmt es aus der Grafikkarte in den Zwischenspeicher und von dort gelangt es per „Paste“ in Ihr Grafikprogramm (z. B. Photoshop). Ein paar Tastendrücke später haben Sie alle Farben, Kontraste und Helligkeiten oder gar Transparenzen, die Sie für eine stilgerechte Anpassung an Ihre Präsentation benötigen.

    Ihre Argumentation hinsichtlich der Kontraste und der chromatischen Aberration verstehe ich – zumindest in der vorliegenden Kurzform – nicht. Können Sie mir da etwas ausführlicher auf die Sprünge helfen?

    Hinsichtlich der Lichtverhältnisse in Hörsälen stimme ich Ihnen zu. Es wäre schön, wenn sich nach einem halben Jahrhundert zumindest die sogenannte „Diabeleuchtung“ (next slide please :-)) im Hochschulbau einbürgern könnte. Deckenlicht auf den Vortragenden (von mir aus mit Sparlampen), aber bitte nicht auf die Leinwand (das müsste doch zu machen sein in Zeiten boomender Lichttechnik).

  8. Christian Zeitmangel, Effizienz und 3D
    28.01.2010 | 13:14

    Auch hier gebe ich Ihnen wieder im Großen und Ganzen Recht. In der Praxis ist aber einfach Zeitmangel der limitierende Faktor.

    Sie schreiben:
    "So gut wie alle wissenschaftlichen Inhalte, die vorgestellt werden sollen, sind 'für eine verständliche Darstellung nicht' angepasst."
    Das würde ich allerdings etwas differenzierter sehen: Die Frage ist nämlich, für wen die Darstellung nicht angepasst ist. Für Neulinge und Laien mag das zutreffen. Für alte Hasen und Experten ist die Darstellung allerdings einfach nur effizient: Mit geringstmöglichem Arbeitsaufwand (meist paste&copy aus der Veröffentlichung) werden Inhalte in der gleichen Form wie in Veröffentlichungen präsentiert.

    zum Kontrast:
    Die Standardfarben die zur Verfügung stehen sind recht dunkel - also hervorragend für weißen Hintergrund geeignet. Bei schwarzem Hintergrund müsste man sich ein neues Farb-Schema definieren mit sehr hellen Farben und dieses dann auch konsequent verwenden. Das ist möglich, aber sehr aufwendig - womit wir wieder beim Zeitmangel wären. Darüberhinaus liegen helle Farben im Farbraum enger zusammen (das meinte ich mit eingeschränktem Farbspektrum).
    Beispiel in RGB:
    dunkles Rot (255,0,0) helles Rot (255,200,200)
    dunkles Blau (0,0,255) helles Blau (200,200,255)

    Die chromatische Aberration ist ein sehr interessantes physikalisches Phänomen:
    Nachdem die Linse in unserem Auge verschiedene Farben unterschiedlich fokussiert, erscheinen verschiedene Farben auf einer Ebene unterschiedlich weit weg. Diesen Effekt macht man sich unter anderem auch in der Malerei zu nutze: Eine rote Fläche erscheint nah und Blau erscheint weit weg. Bei diesen beiden Farben ist der Effekt am stärksten ausgeprägt; wenn man also eine knallrote an eine blaue Fläche grenzen lässt, dann sieht das Auge einen Höhenunterschied der in Wirklichkeit nicht da ist. Auf die Dauer ist das sehr unangenehm (Sie können das z.B. sehr leicht auf der Windows Konsole ausprobieren: einfach "color 24" oder "color 42" eingeben).
    Aus welchem Grund die chromatische Aberration bei dunklem Hintergrund verstärkt auffällt, kann ich Ihnen nicht sagen. Ich habe aber bereits sehr viele Vorträge gesehen, und problematisch waren in dieser Hinsicht ausschließlich solche mit schwarzem Hintergrund.
    Wenn man aber Bescheid weiß, kann man diesen Effekt auch gezielt gestalterisch nutzen:
    http://www.ucke.de/...ik/ftp/lectures/Chrom~zl.pdf

  9. Werner Große @ Christian
    29.01.2010 | 00:16

    Sie schreiben: „Die Standardfarben die zur Verfügung stehen sind recht dunkel ...“.
    Bei PowerPoint stehen Ihnen im Farbmenu „Standard“ 126 bunte Farben zur Verfügung, davon sind 69 heller und nur 57 dunkler als der mittlere Grauwert. Mit denen kommen Sie aber nicht aus. Nicht weil Sie mehr als 126 verschiedene Farben benutzen wollen, sondern weil Sie innerhalb eines Farbtons viele Helligkeiten und Sättigungen brauchen.

    Dazu stehen Ihnen insgesamt - wie in den meisten Grafikprogrammen - 256 x 256 x 256 (also ungefähr 16,7 Millionen) Farben zur Verfügung. Sie brauchen keine eigenen Farbpaletten, um sie zu benutzen. Eine einmal eingeführte Farbe ist leicht von einem Objekt auf ein anderes zu übertragen (wie übrigens andere Formate auch) und bei Bedarf zu variieren.

    Sie haben die chromatische Aberration richtig erklärt. Aber nicht, weshalb sie bei dunklem Untergrund stärker auftreten sollte als bei hellem. Da wäre ich immer noch auf ein wirkliches Argument gespannt. Chromatische Aberration kann man durch die Farbwahl weitgehend verhindern. Man muss ja nicht unbedingt auf jeder Folie das gesamte, voll gesättigte Spektrum von Rot bis Blau aufspreizen. Nuancen bezüglich Helligkeit und Sättigung sind auf relativ dunklem, entsättigtem Untergrund sehr wirksam (wie gesagt, gehe ich immer noch von additiven Lichtverhältnissen aus, also von leuchtenden und nicht von Licht absorbierenden Medien).
    Mit Spannbreiten im Farbton (entspricht der Wellenlänge, die für die Aberration verantwortlich ist) kann man dagegen sparsam umgehen. Auch wenn Sie Tiefe ins Bild bekommen wollen, ist das Spiel mit Helligkeit und Sättingung viel wichtiger als ein Tonwechsel. Den generellen Farbton würde ich über lange Strecken des Vortrages konstant halten.

    Noch immer verstehe ich Ihren Satz nicht: „Darüberhinaus liegen helle Farben im Farbraum enger zusammen (das meinte ich mit eingeschränktem Farbspektrum).“
    Mit welchen Maß messen Sie diese "Enge"?

  10. Christian Farbraum
    29.01.2010 | 11:16

    zum Kontrast bzw. Maß im Farbraum:
    Die gesättigten Farben sind deutlich dunkler als der mittlere Grauwert (das ist bei additiver Farbmischung immer der Fall: Bildschirm, Beamer,...). Der Kontrast misst (in erster Näherung) den Unterschied im Grauwert. Der Kontrast zwischen gesättigten Farben und Schwarz ist also kleiner als zwischen gesättigten Farben und Weiß. Bei Verwendung eines schwarzen Hintergrunds haben Sie also entweder einen geringeren Kontrast oder einen kleineren Farbraum zur Verfügung. D.h. bei hohem Kontrast müssen Sie helle Pastelltöne verwenden (umgangssprachlich: verwaschene Farben). Das Maß im Farbraum können Sie beliebig wählen, in RGB z.B. Abstand=(r^2+g^2+b^2)^(1/2) oder hier:
    http://de.wikipedia.org/...imestamp=20050328115020
    Die gesättigten Farben spannen also den größten Farbraum auf. Der weiße Hintergrund bietet ein Optimum bezüglich des Kontrasts und der Anzahl deutlich unterscheidbarer Farbtöne.

    zur chromatischen Aberration:
    Sie haben Recht, ich habe keine Erklärung dafür gegeben, dass dieser Effekt bei dunklem Hintergrund deutlich größer ist. Stattdessen habe ich einen Beitrag in "Physik in unserer Zeit" verlinkt, in dem Sie genau diese Behauptung nachlesen können.
    Über die Gründe, die wahrscheinlich im Aufbau des Auges und Verarbeitung der Signale (u.a. im Gehirn) liegen, könnte ich nur spekulieren. Empirisch ist das aber leicht nachweisbar: Erstellen Sie einfach eine Powerpoint-Folie mit Text dessen Buchstaben/Wörter abwechseln blau und rot eingefärbt sind - einmal auf schwarzem und einmal auf weißem Hintergrund. Entscheiden Sie selbst.
    Meine persönliche Erfahrung zeigt außerdem, dass grob geschätzt genau deswegen jeder zweite Vortrag mit schwarzem Hintergrund äußerst unangenehm anzusehen ist, gerade wegen der mit Vorliebe verwendeten gesättigten Farben.

  11. Christian Psychologische Gründe
    29.01.2010 | 11:30

    Beim Googeln bin ich noch auf folgende interessante Aussage gestoßen, der ich uneingeschränkt zustimmen muss:

    "Die Wahl der Hintergrundfarbe der Folien ist entscheidend, denn diese füllt die größte Fläche. Die psychologische Wirkung der Farbe aus dem Hintergrund dominiert die gesamte Präsentation. [...] Vor allem Führungskräfte lieben es ihr Unternehmen vor schwarzem Hintergrund zu präsentieren. Schwarz ist zwar schon die Farbe der Macht und der Eleganz, aber auch die Farbe der Trauer und des Todes. Ein schwarzer Hintergrund drückt die Stimmung im Raum bereits nach kurzer Zeit. Schwarz ist auch die Farbe der Nacht, d.h. die Zuhörer ermüden viel schneller, weil sie vermutlich so programmiert sind: Menschen gehen schlafen, wenn es dunkel wird – außer im Kino. Wenn Sie also in einem richtigen fensterlosen Vortragskino mit Großleinwand präsentieren, dann bleiben die meisten Zuschauer auch wach – hoffentlich!"

  12. Werner Große und noch einmal @ Christian
    29.01.2010 | 15:46

    Lieber Christian,
    es war sehr schön, mit Ihnen die Hintergründe (im doppelten Sinn) zu reflektieren (ebenfalls im doppelten Sinn); danke für Ihr Interesse an der Sache und der Argumentation. Bevor wir uns im Dunkeln der Nacht verlieren und in tiefenpsychologischen Betrachtungen herumstochern, nur noch so viel von mir: Ich habe noch niemals einen absolut schwarzen Hintergrund verwendet, sondern relativ dunkle (Grauwert ca. 40 %) und wenig gesättigte (ca. 50 %) Blau- oder Grüntöne (für die Hobby-Psychologen unter uns: bleierner Himmel und friedlicher Tannenwald – wie schön für Aug und Seele). Aber eine meiner Studentinnen hat mit viel Erfolg ein entsprechend gedämpftes (Burgunder-)Rot gewählt, als Sie in ihrem Probereferat das Verfassungsgericht zum Thema nahm und lauter rote Roben drauf stellen musste (ohne jede Aberration, da kein kornblumenblauer Matrose mit im Bild war).
    In meinem Artikel ging es auch nicht um starre Regeln der Darstellung, sondern um die Notwendigkeit, einen Stil der eigenen Bildsprache zu entwickeln. Sie haben mir Lust gemacht, einen nächsten Aufsatz zum ewigen Thema PowerPoint zu schreiben.

  13. Christian Holl wie wahr!
    08.02.2010 | 00:41

    Danke für diesen sehr treffenden Artikel. Dieses zwanghafte Festhalten am weißen Flatschen im Hintergrund liegt m.E. im Wesentlichen an drei Dingen:

    1. dass es die Defaulteinstellung ist,
    2. der beschriebenen Übertragung der OHP-Problematik, sowie der festgefahrenen Vorstellung vom weißen "Unbeschriebenen Blatt",
    3. der irrigen Annahme, eine nicht beleuchtete Leinwand sei tiefschwarz und das sähe dann nach Tod und Verderben aus, wirke ermüdend oder verändere in irgendeiner nicht wünschenswerten Art und Weise die Farbwahrnehmung.

    Wer sich aber die Leinwand an so einem Vortragsort einmal ansieht, wird feststellen dass diese in der Tat weiß gehalten ist und auch bei "Diabeleuchtung" nicht plötzlich pechschwarz aussieht.

    Ich habe bis vor Kurzem als Videotechniker viele Kundenpräsentationen optimieren müssen und in den meisten Fällen waren z.B. die berühmten "Pausencharts" einfach nur das Firmen- und Veranstaltungslogo auf weißem Hintergrund. Stets schlug ich vor, den Hintergrund in schwarz zu ändern, stets stieß dieser Vorschlag zunächst auf Ablehnung - bis ich es dann demonstrierte. Dann wurde in gefühlt 90% der Fälle doch die Version auf schwarz bevorzugt. Nicht weil sich das ästhetische Empfinden des Kunden urplötzlich geändert hatte, sondern weil der Groschen gefallen war, wie denn ein leuchtendes Logo auf unbeleuchtetem, aber hellen Grund so aussieht: Prägnant und schick.

    Für richtige Inhalte würde das selbe gelten, man müsste sich nur mal trauen.

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