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Ein kommunikatives Bein der Wissenschaft!

von Werner Große, 01. April 2008, 10:28

Anscheinend gibt es einen breiten Konsens darüber, dass der Informationsfluss aus der Wissenschaft in die Öffentlichkeit nicht hinreichend gut oder zumindest verbesserungswürdig sei. Weiter, dass dieser Zustand fatal sei für eine Gesellschaft, die ihre Entscheidungen wissensbasiert und über demokratische Prozesse zu treffen versucht. Die großen zukunftsträchtigen Themen wie Klima-, Bevölkerungs- oder technische Entwicklungen mit ihren wirtschaftlichen und ethischen Auswirkungen wären davon direkt betroffen.  

 

Wenn das so ist, dann lautet die politische Frage, worin eine Verbesserung läge und wie sie zu erreichen wäre.  

Dabei wird man um eine nähere Betrachtung der beteiligten Hauptakteure nicht herumkommen, namentlich die Wissenschaft, die Medien und nicht zuletzt die Gesellschaft mit ihren politischen Instanzen. Ich werde in diesem Beitrag mit der Wissenschaft beginnen.

 

Herr Rahmstorf hat in seinem Blog  Die Bundesliga der Klimaforschung seine Beobachtung: „ – haben wir in Deutschland also eine Reihe von hervorragenden Experten zu diesem Thema. Dabei fällt mir auf: ich habe noch nie ein Interview dazu mit einem dieser Experten in großen Zeitungen gelesen.“ auf die Frage zugespitzt: „Ist eine Medienwelt denkbar, in der Interviewpartner vorwiegend nach ihrer Fachkompetenz ausgesucht werden?“ Wie von ihm vorgeschlagen, möchte ich seine Gedanken hier aufgreifen.  

Da Herr Rahmstorf auch trefflich und allgemein formuliert hat, wie die Wissenschaft ihre „Experten“ definiert, soll zunächst dieser Typus „Experte“ betrachtet werden. In der Wissenschaft wird demnach jemand zum Experten aufgrund seiner Fähigkeiten, zahlreiche  Forschungsergebnisse zu erzielen und zu publizieren sowie innerhalb seiner Wissenschaftsgemeinde bestätigt zu werden. Das Maß hierfür sind bibliometrische Größen aus Zitationsdatenbanken. Es ist ein, wenn nicht das wesentliche struktur- und hierarchiebildende Instrument des Wissenschaftsbetriebs. Es produziert und selektiert eine Elite, die in der Öffentlichkeit weitgehend anerkannt ist, selbst wenn ihre Arbeitsergebnisse dort nicht verstanden werden. (Allensbach Umfrage zur Achtung vor Berufsgruppen)

 

Der Wissenschaftler ist von Anfang seiner Laufbahn an einem Leistungsdruck gemäß der  Floskel  „publish or perish“ ausgesetzt. Darin enthalten ist die Forderung nach einer gewissen Medienkompetenz insofern, als das wissenschaftliche Publizieren strengen qualitativen Regeln nach Inhalt und Form unterworfen ist. Dieser Anspruch ist mit den medientechnischen Entwicklungen hinsichtlich der Visualisierungsmöglichkeiten seit den 1970er Jahren stark gewachsen, was damals im Media-Lab des MIT in Boston zu dem Slogan „demo or die“ verdichtet wurde. Die Präsentation wissenschaftlicher Ergebnisse auf Tagungen hat seither an Performance-Charakter mit multimedialen Einlagen hinzugewonnen.

 

Man könnte also vermuten, dass der Publikations- und Präsentationsdruck so ganz nebenbei auch den Typus eines wissenschaftlichen Vermittlungsexperten hervorbrächte. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Zwar nutzen inzwischen viele Wissenschaftler Medientechniken zu Zwecken der Kommunikation. Einige sind sogar in der Lage, sich massenmedial in Szene zu setzen (siehe "größter Diamant"). Aber die kommunikative Intention ist hier grundsätzliche eine andere als bei denen, die sich um Vermittlung von Inhalten kümmern.

Um diese These zu erläutern, möchte ich exemplarisch auf die alte Diskussion verweisen, ob nämlich der durch Habilitation zur Lehre befähigte Wissenschaftler denn auch ein guter Lehrer sei. Die Habilitation als Teil des oben beschriebenen Selektionsverfahrens stellt zwar sicher, dass der Kandidat hinsichtlich seines Faches ein Experte ist. Ob er sein Fachwissen an Nicht- oder Noch-nicht-Wissende weitergeben kann, bleibt weitgehend ungeprüft. Dabei handelt es sich in der Lehre immerhin um Studierende, denen man durch Prüfungsdruck einen Teil der Verantwortung über den Lehrerfolg auf die Schultern des eigenen Lernerfolgs packen kann. Spätestens gegenüber der breiten Öffentlichkeit geht diese Verlagerung der Bringschuld aber nicht mehr.

 

Nicht, dass ich hier den vielen begnadeten Hochschullehren ihr didaktisches Können absprechen will und auch nicht den wenigen exzeptionellen Spitzenforschern ihre hervorragende Öffentlichkeitsarbeit. Sondern: Das Verfahren, mit dem die Wissenschaft Experten hervorbringt, enthält kein Element, das diese Experten als besonders geeignet für den Umgang mit Laien ausweist.  Die Frage nach der Wahl eines Interviewpartners stellt sich für den Journalisten damit zwar nicht völlig neu, wird aber stark relativiert. Zum einen hängt nun vieles von den sachbezogenen Vorkenntnissen des Journalisten ab, zum anderen von den zufälligen Softskills und auch den allgemeinen, von der Wissenschaft nicht weiter kontrollierten ethischen Grundsätzen des Interviewten. Unter glücklichen Umständen geht das gut.

 

Natürlich wäre es zuviel verlangt, jedem Spitzenforscher auch noch den Zweitberuf eines großen Kommunikators zuzumuten. Aber der Wissenschaft stünde es gut an, wenn sie ihre Karriereleitern auch jenem Phänotyp des Wissensvermittlers anbieten würde. Nicht nur der Lehre täte das gut, sondern auch der Verankerung der Forschung in der Gesellschaft. Warum sollten didaktische oder gar journalistische Werke den wissenschaftlichen Ruf nicht ebenso befördern können wie Publikationen und ihre „Citations“. Allerdings müsste hierfür ein valider Expertenbegriff in der Wissenschaft erst noch erarbeitet werden.

 

Die skurrilen Auswirkungen des ebenfalls bestehenden immanenten Selbstprofilierungsdrucks im Kampf um Mitteleinwerbung, möchte ich in einem späteren Beitrag behandeln. Doch was hat es mit der oben angesprochenen „kommunikativen Intention“ auf sich? Jeder, der die Feder, das Wort oder multimedial den Beamer ergreift und sich an ein Publikum wendet, verfolgt eine Absicht, unterstellen wir gerne einmal eine „gute Absicht“. Es geht ihm darum, seine Botschaft loszuwerden, andere zu überreden oder in vernunftbetonten Kontexten erfolgreich zu überzeugen. Je nach Zielgruppe erfordert das ein unterschiedliches rhetorisches Geschick. Der Forscher, der im Fachorgan publiziert, verfolgt ein sehr spezielles kommunikatives Ziel. Im Extremfall braucht er sich nicht um Verständlichkeit zu bemühen. An anderer Stelle jedoch ist genau die gefordert.

 

Albert Einstein, der Unverstandene, sagte dazu*:

„Wer es einmal unternommen hat, ein abstraktes, wissenschaftliches Thema allgemein verständlich darzustellen, kennt die großen Schwierigkeiten eines solchen Versuchs. Häufig wird entweder der Kern des Problems nicht berührt und durch oberflächliche Darstellung und unklare Umschreibung leichte Verständlichkeit vorgetäuscht, oder es wird dem Leser ein fachmännischer Bericht geboten, dessen Schwierigkeiten unzugänglich bleiben und ihn entmutigen.“

 

Einstein selbst war ein leuchtendes Vorbild und hat seine Relativitätstheorien so verständlich dargelegt wie kaum ein anderer. Dennoch gibt es seit hundert Jahren seitens der Öffentlichkeit so etwas wie eine kollektive Weigerung, Einstein auch nur im Ansatz verstehen zu wollen. Die Wissenschaft alleine kann das Problem also nicht lösen, Medien und Gesellschaft müssen schon mithelfen.

 

Noch einmal Einstein*:

„Die Beschränkung der wissenschaftlichen Erkenntnisse auf eine kleine Gruppe von Menschen schwächt den philosophischen Geist eines Volkes und führt zu dessen geistiger Verarmung.“

Doch davon das nächste Mal mehr. Bis dahin erhoffe ich mir Rat, wie zunächst der Wissenschaft auf das zweite kommunikative Bein zu helfen wäre.

*Albert Einstein Vorwort zu: Lincoln Barnett, The Universe and Dr. Einstein, 1948 (deutsch: Einstein und das Universum. Fischer Verlag 1952)



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ALLWISSENDE MEDIEN: Wissenschaft und Journalismus – parallele Kulturen?

Kommentare

  1. Michael Blume Wissenschaftsjournalismus & Bloggerei
    01.04.2008 | 12:08

    Lieber Werner,

    danke für den interessanten Beitrag! Tatsächlich wäre es gut, wenn sich mehr Wissenschaftler um Medienkompetenz bemühen würden. Nur, fürchte ich, wird eine weitere Steigerung des Anforderungsprofils (hervorragende Forschung, exzellente Lehre, Netzwerke, Verwaltungsexpertise, menschlich-ethisch vorbildlich und dann auch noch Öffentlichkeitsprofi) dem Alltag nicht immer gerecht - und im Zweifelsfall sollte es doch auch Leute geben, die beispielsweise exzellente Forscher oder (nicht weniger wichtig) Lehrer sind, auch wenn sie sich nicht kaum auf PR verstehen.

    Daher sehe ich zwei ergänzende Funktionen und würde gerne wissen, wie Du (oder andere Blogger) das sehen:

    1. Wissenschaftsjournalisten. Sie sind Fachleute auf Ihren jeweiligen Gebieten und gleichzeitig in der Lage, verständliche, ja unterhaltsame Medieninhalte zu erstellen, kompetente Wissenschaftler ausfindig zu machen und auch Pros und Contras zu setzen. Könnte bzw. sollte ihnen nicht eine tragende Rolle zukommen?

    2. Blogs. Wo schon junge Forscher ermutigt werden, auch online zu "publizieren", entsteht nicht nur ein reichhaltiges, vielfältiges und durch Diskussionen geprägtes Web - sondern es werden auch Erfahrungen gesammelt, die noch dazu mit direkten Rückmeldungen (bspw. Klickzahlen, Trackbacks, v.a. fachlichen und interdisziplinären Feedbackdiskussionen) einhergehen. Abgesehen davon, dass damit Wissenschaft niedrigschwellig, praktisch kostenlos und im Wettbewerb präsentiert wird, ist das doch auch eine hervorragende Übung in Öffentlichkeitskommunikation, mit ihren Chancen und auch Risiken.

    Könnte eine stärkere Anerkennung und Förderung von Wissenschaftsjournalismus einerseits und Wissenschaftsblogosphäre andererseits mittelfristig dazu beitragen, die zu Recht beklagte Kluft zu schließen? Ich glaube, ganz offen gesagt: Ja.

    Herzliche Grüße

    Michael

  2. Stefan Rahmstorf verständliche Experten
    01.04.2008 | 13:26

    Lieber Herr Große,

    vielen Dank für diesen interessanten Kommentar! Sie legen den Finger auf ein wichtiges Problem: nicht alle exzellenten Wissenschaftler können Ihre Forschung auch verständlich für Laien erklären.
    Viele können das aber - zumindest von einigen der in meinem Artikel "Bundesliga der Klimaforschung" genannten Experten weiß ich auch, dass sie es können.

    Ich erwarte von Journalisten natürlich nicht, dass sie Forscher interviewen, die sich nur in Fachlatein ausdrücken. Aber wie wäre es damit: man wählt jemanden, der sowohl ein Experte ist (durch entsprechende eigene Forschung ausgewiesen), als auch sich gut ausdrücken kann.
    Ich vermute stark, dass auch ein Spiegel-Leser zur Wirkung des Klimawandels auf die Eisbären eigentlich am liebsten von den Forschern etwas hören möchte, die vor Ort das Leben der Eisbären erforschen. Oder nicht?

  3. amazeman Wieso das ganze?
    01.04.2008 | 13:49

    Diesen Beitrag hier lese ich als Wissenschaftsideologie.

    Den Konsens, den sie im ersten Satz beschreiben, den gibt es doch nur unter Wissenschaftlern. Politiker, Manager, Lehrer könnten diesen Satz ebenso schreiben - sie müssten nur den Begriff "Wissenschaft" mit ihrer Disziplin ersetzen.

    Die verwissenschaftlichung der Gesellschaft ist kein drängendes Problem. Und was meinen sie mit Gesellschaft? Das jeder, der auf der Strasse läuft ad hoc auf eine Frage mit ordentlichem wissenschaftlichen Kaliber antworten kann?

    Ich denke es wäre völlig falsch, die Wissensvermittlung jedermann gegenüber zum wissenschaftlichen Kriterium zu machen. Das ein wissenschaftler didaktische Fähigkeiten besitzen muss ist klar. Aber das was sie beschreiben halte ich für eine Aufweichung einer besonders wichtigen Grenze zwischen Wissenschaft und Restgesellschaft.

  4. Werner Grosse @ Rahmstorf , Blume
    02.04.2008 | 10:44

    Lieber Herr Rahmstorf,
    lieber Michael,

    wir sind uns soweit einig: Der wissenschaftliche Experte, der seine Inhalte auch dem Laien gut vermitteln kann, kommt erstens in der Wirklichkeit vor und stellt zweitens die beste Lösung dar. Ich denke, dass ich diesen Fall hinreichend würdige. Wer solch einem Menschen begegnet, kann von Glück sagen. Und wer selbst ein solcher geworden ist, führt vermutlich ein beneidenswert erfülltes Leben.

    Leider sind diese Menschen selten – zu selten gemessen am wissenschaftlichen Output und dessen Bedeutung für die Gesellschaft. Auf ihre wundersame Vermehrung [:-)Anm. nur für Michael] können wir wohl nicht hoffen. Würden wir aber eine entsprechende berufliche Qualifikation beim Wissenschaftler zusätzlich einfordern, würden wir sein Anforderungsprofil nicht nur überfrachten, wie Michael Blume richtig bemerkt, es würde vermutlich das gewünschte Ergebnis sogar verhindern: Eben weil der Selektionsdruck für den erfolgreichen Forscher so ganz in eine andere Richtung zielt (zielen muss), bleibt der auch in der Öffentlichkeit geschickt operierende Wissenschaftler von Rang die Ausnahme.

    Was das Individuum überfordert, sollte aber für die Wissenschaftsgemeinde insgesamt möglich sein. Einzelne Fachgebiete werden auf Dauer nicht darum herumkommen, aus sich selbst auch einen Typus Experten zu generieren, der einer breiteren Öffentlichkeit im besten Sinne Auskunft geben kann, ohne zugleich sein eigenes Forscherprofil befördern zu müssen.

    Diese „im besten Sinne Auskunft“ erhielte ihre Qualität weniger durch angespitztes Spezialwissen, als vielmehr durch Überblick und Methodenkenntnis im eigenen Fach sowie Verständnis für die Informationsdefizite und Kenntnis der Wissensnachfrage auf Seiten der Öffentlichkeit. Das ist ein schwieriges Feld, das vom Wissenschaftsbetrieb leider kaum bestellt wird.

    Ich mag ein kleines Beispiel als Erläuterung hinzufügen, wohl wissend, wie wenig Beispiele „beweisen“ können: Seit Jahren läuft der Satz „Wenn die Polkappen schmelzen, steigt der Meeresspiegel“ um die Welt. Vermutlich hat kein wissenschaftlicher Experte den je so gesagt. Kein Physiklehrer würde ihn so durchgehen lassen. An Stammtischen wurde er in dieser Formulierung durch geschickte Wetten ad absurdum geführt. Keine wissenschaftliche Instanz oder Kapazität hat ihn öffentlich korrigiert – und das ist das Beispielhafte. Wo, so frage ich mich in solchen Fällen, bleibt die physikalische Gemeinde, die physikalische Autorität, die kurz und kräftig das öffentliche Wort ergreift, wenn aus Schlurigkeiten Urteile und Meinungen werden, obwohl wir es besser wissen. Man unterschätze dieses Beispiel nicht. Die nie bereinigten Irrläufer in Form von Zukunftsdeutungen aus Grafiken sind ungezählt und beschädigen inzwischen zunehmend die Reputation ansonsten schwer wiegender Erörterungen.

  5. Andreas Müller Wissenschaftskommunikatoren sind rar.
    03.04.2008 | 18:36

    Vielen Dank für diesen wunderbaren Beitrag! Auch Dank an die ersten beiden Kommentatoren, denen ich gerne beipflichte.

    Ich denke schon, dass (zumindest in den Naturwissenschaften) populärwissenschaftliche Werke den wissenschaftlichen Ruf gleichermaßen befördern wie wiss. Publikationen und ihre Citations.

    Ich würde auf der Grundlage meiner Erfahrungen im Wissenschaftsbetrieb (Physik und Astronomie) sogar so weit gehen zu sagen, dass man nicht beides sein kann: ein exzellenter, international anerkannter Wissenschaftler UND ein exzellenter, renommierter Wissenschaftskommunikator. Abschwächend gesagt: Es gibt nur sehr wenige Persönlichkeiten, denen beides gelingt (vgl. Kommentar W. Große). Damit hängt auch zusammen, dass Popularisierung von Wissenschaft unter Wissenschaftlern bisweilen verpönt ist.

    In Bezug auf Einsteins Theorien ist mir ein großes, laienhaftes Publikum bekannt, dass sich dafür interessiert.

    Im Kern stimme ich zu: Wir brauchen mehr rhetorisch und multimedial begabte Wissenschaftler, die popularisieren und aufnahmebereite, laienhafte Empfänger, die sich interessieren.
    Vermehren kann man die o.g. wenigen "Grenzgänger" kaum, aber man kann durch hervorragende PR-Experten an den wiss. Instituten Sprachrohre installieren, die die Erkenntnisse der Wissenschaftler bündeln und verständlich weitergeben.

    Zu letztgenannten Beispiel im Kommentar von W. Große: Die Autoritäten widersprechen den falschen, sensationsheischenden Meldungen schon; aber sie wollen nicht (zumindest von zu vielen Journalisten) erhört werden. Immer wieder tauchen "olle Kamellen" auf, die längst entkräftet wurden – aber die verkaufen sich eben einfach immer wieder gut!
    Aktuelles Beispiel: die Schwarzen Mini-Löcher in den Medien – siehe aktuellen Blog "Das Ende der Welt?" von KOSMOlogger Leonard Burtscher.

    Beste Grüße,
    Andreas Müller
    (KOSMOlogs – Einsteins Kosmos)

  6. Werner Grosse @ Andreas Müller
    04.04.2008 | 17:31

    Lieber Andreas Müller,
    danke für die Blumen, die ich gerne an Ihren Artikel über die schwarzen Löcher
    http://www.kosmologs.de/...schwarzes-loch-entdeckt
    zurückgebe. Dort kommentiere und begründe ich mein Lob aus meiner Sicht der „Wissenschaftsvermittlung“.
    Hier lediglich ein weiteres Beispiel, diesmal aus der Raumfahrt, die ja im Gegensatz zum Thema „schwarze Löcher“ für die meisten Menschen einiges an Abstraktionsgrad verloren hat und ihrer Lebenswirklichkeit mächtig auf den Pelz rückt:
    Die Videoübertragung des Außenbord-Einsatzes unseres Astronauten Hans Schlegel an der ISS wurde neulich von der ARD als besonders schwierig bezeichnet, da er zu allem auch noch – wie aus den Bildern ersichtlich – „kopfüber“ arbeiten müsse. Heute morgen nun konfrontierte die Morgenmagazin-Moderatorin der ARD Anne Gesthuysen den Astronauten mit der genialen Frage wie man sich da „oben“ so fühle. Ihre Kollegin Patricia Schäfer fragte seinerzeit in einem Bericht über den geplanten Zusammenstoß der Weltraumsonde Deep Impact mit dem Kometen Tempel 1 ihren astrophysikalischen Experten-Gast ängstlich: „Da kann hier unten doch nichts passieren – oder?“ In keinem der Fälle erfolgte eine Aufklärung seitens der Experten. Über das Qualitätsprofil der beteiligten Journalisten werde ich einen eigenen Blog-Beitrag schreiben, deshalb bohre ich zunächst weiter in der alten Wunde und frage, ob sie denn nicht auch seitens der Wissenschaft geheilt werden müsse.
    Irgendwie besteht immer noch die lainehafte Vorstellung, dass Astronauten „ganz weit oben“, „im schwerelosen Raum“ und „irre schnell unterwegs“ seien. Wenn nach 50 Jahren Weltraumfahrt solche öffentlichen, schrägen Vorstellungen nicht wie selbstverständlich bei passender Gelegenheit und in geeigneter Art von denen gerade gestellt werden, die es besser wissen, dann muss man sich nicht wundern. Wundern darüber, dass insgesamt schräge Weltbilder sozusagen subkutan unter der von Sensationen und Sensatiönchen gebildeten dünnen Wissenshaut unserer überinformierten Gesellschaft wachsen. Was passiert denn auf Dauer mit dem Common Sense, wenn permanent Widersprüche, Ungereimheiten und nicht ins Weltbild Passendes gemeldet wird? Kann unter solchen Umständen ein Menschenverstand gesund bleiben?

  7. Krishnag Wer wäre nicht gern....
    05.04.2008 | 00:24

    Wissenschaftler, die gut vermitteln können und denen es ein Anliegen war / ist sind wirklich rar.
    Spontan fallen mir nur Carl Sagan, Isaac Asimov, Fridjof Capra, Steven M. Stanley, Ken Wilber, Paul Davis, Frank Drake und Timothy Ferris ein.
    Die Bereitschaft in der Bevölkerung ist sicher da, gut rübergebrachtes Wissen zu konsumieren. Interessant wird es, wenn diese Wissenschaftler zudem noch die Fähigeit haben, ihr Wissen "en passant" in Romanform unter die Leute zu bringen.
    (C.Sagan - Contact, wenn auch SciFi mit viel Wissen)

  8. Michael Blume @ Krishnag: Ja, Sagan...
    05.04.2008 | 23:27

    ...das hatte Klasse! Hat Sagen nicht sogar einen Pulitzerpreis für das Ecolutionsbuch "Dragons of Eden" bekommen?

    Sein Sohn Dorion Sagan hat mit "Up from Dragons" zur Evolution des Gehirns (aufbauend auf dem Reptilhirn) versucht, in die Fussstapfen seines Vaters zu treten. Allerdings war die Titelwahl nicht gut, das durchaus lesenswerte, streckenweise brillante Buch wurde leider kaum wahrgenommen...

    Heute würde ich übrigens Jarred Diamond nennen, vor allem "Der dritte Schimpanse" sowie "Guns, Germs and Steel", auf deutsch "Arm und Reich", haben weit über den Wissenschaftsbereich hinaus Millionen informiert und begeistert.

  9. Jürgen vom Scheidt Labyrinth der Evolution
    08.04.2008 | 20:00

    (Dies ist meine Antwort auf Ihren Kommentar zum L-Blog:)
    Ich habe die Macher von "Genesis" so verstanden, dass das Leben und die Entwicklung im Universum einfach so komplex ist, dass jede Entscheidung für einen "Weg" fatal werden kann - wie das halt auch im Labyrinth mit dem Minotauros sehr treffend angedeutet ist. Es ist wohl - im Film - mehr ein Spiel mit der vaguen Vorstellung vom "Labyrinth" als etwas Gefährlichem - was es ja auch ist. Genau wie das Universum. Und die Evolution. Eigentlich eine Plattitude. Aber deshalb nicht weniger zutreffend. Das "Labyrinth-Motiv" finde ich deshalb in diesem Zusammenhang so interessant, weil es ja auch eine Wahlmöglichkeit und die Chance des Überlebens andeutet - s. Theseus.
    Mit freundlichen Grüßen - J vom Scheidt

  10. linda isiklar zitate von albert einstein
    29.05.2008 | 20:07

    ichfinde es sehr gelungen, wie sie die zitate von albert einstein eingebracht haben. vorallem das erste gefällt mir sehr gut. daran kann man erkennen, dass es immer menschen gibt, die wichtige aussagen so vormolieren können, dass sie noch jahre in den köpfen der menschen bleiben.

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