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Loveparade-Unglück in Duisburg: War der Eingang groß genug?

25. Juli 2010, 13:51

Bei der Loveparade in Duisburg war der Straßentunnel der Karl-Lehr-Straße der einzige Ein- und Ausgang für insgesamt eine Million erwartete Besucher. In diesem Tunnel kam es auch zu dem Unglück, das gestern 19 Menschen das Leben kostete. Die geringe Kapazität dieses Zuganges drängt sich als mögliche Ursache des Unglücks auf. Eine kurze Überschlagsrechnung erhärtet diesen Verdacht und deutet darauf hin, dass das ursprüngliche Zugangskonzept der Loveparade in Duisburg selbst bei den günstigsten Annahmen wohl unzureichend war.

Addendum: Es handelt sich um ein Modell auf der Basis von Informationen aus zweiter Hand. Bitte nicht vergessen.

Die nachfolgenden Überlegungen basieren auf der von den Veranstaltern im Vorfeld erwarteten Besucherzahl von einer Million Menschen und der angegebenen Kapazität des Geländes. Die Fachliteratur liefert realistische Größen für Fußgängerströme durch Ein- und Ausgänge bei Großereignissen und das Verhalten von Menschenmengen bei Gedränge. Als Breite für den Tunnel gibt ein Kommentator in obigem Link 15 Meter an, ich komme auf der Basis von Fotos auf maximal 16 Meter.

Alle Angaben gelten für einen idealisierten Fußgängerstrom unter optimalen Bedingungen bei koordiniertem Verhalten und freiem Fluss auf das Gelände am Eingang hinter dem Tunnel, ohne aggressives Verhalten der Teilnehmer oder sonstige Zwischenfälle. Die Resultate dieser Rechnungen beschreiben das günstigste Szenario, keinesfalls die Realität vor Ort.  (weiter)

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Die globale Bedrohung durch Rostpilze

24. Juli 2010, 16:41

Die Welt steht an der Schwelle einer vernichtenden Pandemie. Seit zehn Jahren ist der schon besiegt geglaubte Erreger zurück und breitet sich unaufhaltsam aus. Schon bald, fürchten Wissenschaftler, wird er eine globale Katastrophe auslösen, wenn es nicht gelingt, ihn aufzuhalten. Vergesst die Vogelgrippe. Der nächste Killer heißt Puccinia, und sein Opfer ist der Weizen.

Der Weizen, wissenschaftlich Triticum, ist gemessen an der Anbaufläche das zweitwichtigste Getreide der Welt, aber seine tatsächliche Bedeutung ist noch größer. Weizen ist das ultimative Brotgetreide, Grundnahrungsmittel für Milliarden Menschen. Nun aber fürchten Wissenschaftler globale Ernteausfälle, mit potentiell dramatischen Folgen.

Ursache sind Rostpilze (Puccinia spp., siehe Bild, Quelle: FAO), die Blätter und Halme des Weizens befallen und je nach Pilz bis zu achtzig Prozent der Ernte vernichten können. Durch sorgfältige Züchtung war es Mitte des 20. Jahrhunderts gelungen, kommerzielle Weizensorten mit Clustern einer Handvoll verschiedener Gene auszurüsten, die in ihrer Gesamtheit eine Resistenz gegen die meisten wichtigen Rostpilze mit sich brachten. Nun ist der Weizenrost mit Macht zurückgekehrt.  (weiter)

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Wohnung ausgebrannt - Bloggerin Melody von moving-target.de braucht unsere Hilfe

12. Juli 2010, 13:00

Update: Auf der in den Kommentaren erwähnten Spendenwebsite sind inzwischen über 10.000 Euro zusammengekommen. Dank an alle, die mitmachen.

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Habe ich Leser in Düsseldorf oder Umfeld? Könnt Ihr, wenn Ihr Zeit und Möglichkeit habt zu helfen, bitte Melody (Carola Heinze) und ihrer Familie vielleicht aktiv vor Ort unter die Arme greifen? Ihr und ihrer Familie ist am 9.7.2010 die Wohnung ausgebrannt – zum Glück sind fast alle (ihr Mann musste kurzfristig ins Krankenhaus), auch die Katzen, unverletzt geblieben und konnten noch rechtzeitig vor dem Feuer flüchten – aber es wird jetzt Hilfe benötigt. Das Dachgeschoss, das Carola mit ihrer Familie bewohnte und das sie in letzter Zeit mit viel eigener Kraft unter schwierigen Bedingungen ausgebaut haben, war als Altersvorsorge gedacht!

Melody ist schwer krank, sie hat akut gerade mit einer Thrombose zu kämpfen. Es werden Mannkraft, Kartons, vielleicht Dinge, die ersetzt werden müssen, gebraucht. Es gibt leider wohl erste Anzeichen, dass die Versicherung sich querstellen möchte. Kennt jemand einen guten Anwalt für Versicherungsfragen?

Wer Hilfe anbieten kann, bitte mailt ihr. So ich das mitbekommen habe, kann sie derzeit nur sporadisch ins Internet. Sie wird sich sicherlich bei Euch melden, wenn akut Einsatz gefordert ist. Sie wird sich nicht bei allen melden können, bitte daher nicht traurig sein!

Carolas Ehemann Oliver hat auf seiner Homepage für Freeware, die er entwickelt, einen Donate-Button. Bitte helft! Finanzielle Unterstützung ist zur Zeit wirklich eine große Hilfe für die ganze Familie!

(via Claudine, mehr dazu bei Terrorzicke)



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Nobelpreisträger-Countdown

22. Juni 2010, 14:19

Die meisten meiner Leser werden schon gemerkt haben, dass dieser Tage in den Wissenslogs ein neuer Blog aufgetaucht ist, zu dem auch ich schon beigetragen habe. Das ist der von Nature und Spektrum präsentierte offizielle Blog zum alljährlichen Nobelpreisträgertreffen in Lindau, bei dem ich dieses Jahr wieder zum offiziellen Bloggerteam gehöre. Mit Markus und Bastian sind noch zwei weitere Scilogger unter den Blog-Söldnern, die in der nächsten Woche live und direkt von der Tagung berichten werden. Außerdem hat Nature ein Video-Team vor Ort, das jeden Tag aktuelle Filme und Interviews zur Verfügung stellen wird, die dann auf der Übersichtsseite zu sehen sein werden.

Außerdem habt ihr dort die Möglichkeit, über die Homepage eigene Fragen an die Nobelpreisträger zu richten, oder euch per Mausklick den Fragen anderer Teilnehmer anzuschließen. Die Populärsten Fragen werden wir dann auf der Tagung ausgewählten Laureaten stellen und die Antworten auf der Homepage präsentieren.  (weiter)

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Gab es eine Dinosaurier-Zivilisation?

20. Juni 2010, 18:11

Die Dinosaurier waren etwa 170 Millionen Jahre lang – von der mittleren Trias bis zum Ende der Kreidezeit – die dominanten Landwirbeltiere auf diesem Planeten. Huhngroße gefiederte Nesträuber gab es in dieser Klasse ebenso wie bis zu hundert Tonnen schwere Pflanzenfresser. Eines jedoch haben die Dinos nicht hervorgebracht: Eine technische Zivilisation. Oder?

ResearchBlogging.orgErstaunlicherweise haben Forscher in den Gesteinsschichten der Kreide-Tertiär-Grenze vor 65 Millionen Jahren besondere Spuren gefunden, die auf diesem Planeten, so glaubte man bisher, erst mit der industriellen Revolution Einzug gehalten haben. Der Ruß, der in diesen Lagen gehäuft auftritt und bisher auf globale Waldbrände durch einen Meteoriten zurückgeführt wurde, enthält wenige Mikrometer große kugelförmige Partikel, die nur bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehen.  (weiter)

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Die Folgen der Ölpest - Teil zwei (mit Ergänzung: Öl im Golfstrom)

03. Juni 2010, 13:28

Ausgehend von historischen Erfahrungen sind erste Schätzungen möglich, welche langfristigen Folgen die Ölpest im Golf von Mexiko haben wird. Für die Golfküste gibt es Hoffnung - bei früheren Havarien haben sich vergleichbare Ökosysteme als sehr regenerationsfähig erwiesen. Offen ist jedoch, was das fein verteilte Öl in der Tiefsee anrichten wird.

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Update: Mit-Blogger Martin Visbeck von der Klimalounge ist an einer Forschungsgruppe beteiligt, die in einem Computermodell die Ausbreitung des Öls mit den lokalen Meeresströmungen simuliert hat (Pressemitteilung hier). In diesen Modellen gelangt das Öl in den Golfstrom und mit ihm in den Nordatlantik.

Ausbreitung eines passiven Farbstoffs, der an der Stelle des Öllecks über die oberen 20 Meter Tiefe ausgebracht wurde, in einem Ozeanmodell.

Dazu gibt es auch eine schöne Animation:

Trotzdem bräuchten die Europäer gegenwärtig keine Angst vor einer Ölpest an ihren Stränden zu haben. Durch die starke Verwirbelung des Golfstroms dürfte sich das Öl anschließend weiträumig im Nordatlantik verteilen und die Konzentrationen damit stark absinken. Außerdem wurde in den Modellstudien kein biologischer Abbau berücksichtigt, der auf Dauer die Ölbelastung deutlich abschwächt. 

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Das Öl aus der Deepwater-Horizon-Quelle wird noch eine Weile weiter in den Golf von Mexiko fließen, und während wir auf die Entlastungsbohrungen von BP warten, können wir schon mal einen Ausblick auf die wahrscheinlichen Folgen der Ölpest werfen. Wie das im ersten Teil diakutierte Beispiel der Ixtoc-Quelle von 1979 zeigt, ist die Größenordnung der Havarie keineswegs beispiellos in der jüngeren Geschichte. Große Mengen Öl gelangen auf einigermaßen regelmäßiger Basis ins Meer und in küstennahe Ökosysteme, und deswegen gibt es auch reichlich wissenschaftliche Literatur zum Thema.

Was das an der Oberfläche schwimmende Öl der Deepwater-Horizon-Quelle betrifft, so kann man die historischen Erfahrungen ganz gut als Richtschnur heranziehen, wie es weiter geht. Ein beträchtlicher Teil der Gesamtmenge wird auf dem offenen Meer verwittern und dort zu Boden sinken, ohne jemals auf Land gestoßen zu sein. Nur etwa ein Zehntel des Ölteppichs gelangt wahrscheinlich an die Küste. Dort sind allerdings wegen der großen Menge Öl beträchtliche direkte Schäden zu erwarten, insbesondere in der Tierwelt. Die einprägsamen Bilder von eingeölten Vögeln und vergifteten Meerestieren sind ja sattsam bekannt, das muss ich wohl nicht weiter ausführen.  (weiter)

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Die Folgen der Ölpest – Teil eins: Die Lehren von Ixtoc

02. Juni 2010, 11:05

Angesichts des Ausmaßes der Ölpest im Golf von Mexiko mag das verblüffen, doch die Deepwater-Horizon-Katastrophe ist nicht die erste ihrer Art. Ein Ölausbruch vor dreißig Jahren bietet interessante Parallelen zur heutigen Situation.

ResearchBlogging.orgRückblende ins Jahr 1979: Seit Dezember des Vorjahres bohrte die staatliche mexikanische Ölgesellschaft PEMEX vor der Stadt Campeche in Yucatan in etwa 50 Metern Wassertiefe nach Öl. Diese Ixtoc I genannte Bohrung hatte bis zum 2. Juni eine Tiefe von 3600 Metern erreicht, als plötzlich der Bohrschlamm im umliegenden Gestein zu verschwinden begann.

Das deutete auf Risse im Gestein hin, und die Arbeiter zogen den Bohrstrang aus dem Loch, um den Hohlraum mit Zement zu verfüllen. Dazu kam es aber nicht, denn ihnen kamen zuerst Bohrschlamm und dann Öl und Gas entgegen, es gab eine große Explosion und die Bohrinsel sank. Öl strömte aus dem Loch am Meeresboden ins Meer, 297 Tage lang, insgesamt geschätzte 3,3 Millionen Barrel. Das ist etwa vier mal so viel wie bis jetzt aus dem Deepwater-Horizon-Leck geströmt ist.  (weiter)

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Die Wahrheit...

30. Mai 2010, 08:50

... ist wie eine kleine schmutzige Walnuss, die nie glatt und rund werden wird, wie sehr man sie auch poliert. Die meisten Leute ziehen ihr eine glänzende Kugel Bullshit vor.

(Cartoon mit freundlicher Genehmigung von Clay Bennett)



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Kick it like Einstein: Der Klimawandel kommt nach Kalundborg

28. Mai 2010, 11:00

Dass die Klimaforschung für Dänemark eine besondere Bewandtnis hat, liegt nahe. Einerseits hat das Land mit Grönland einen ganz substanziellen Fuß in der Tür, wenn es um die Erschließung der zunehmend eisfreien Arktis geht, zum anderen liegt eben dort auch der zweitgrößte Eispanzer des Planeten, der für sich allein genommen den Meeresspiegel um sieben Meter steigen lassen könnte.

Das wiederum ist für den Rest Dänemarks relevant, denn das Land zwischen Nord- und Ostsee ist streng genommen kaum mehr als ein Stück Rasen auf Meeresniveau. Der höchste Berg ist knapp 171 Meter hoch, und weite Teile des Landes liegen weniger als zwanzig Meter über dem Meer. Es war nicht ganz einfach, von Dänemark eine Höhenkarte zu bekommen – es lohnt einfach nicht...

 Für ein solches Land hat Wasser natürlich eine ganz entscheidende Bedeutung, die sich unter anderem im internationalen Projekt BaltCICA – Climate Change: Impact, Costs and Adaptations widerspiegelt, an dem von dänischer Seite der Geological Survey of Denmark and Greenland, der dänische Technologierat und die Kommune Kalundborg beteiligt sind.  (weiter)

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Brachte die Chemie zwei Mal Leben hervor?

26. Mai 2010, 11:50

Hatte der erste aus der chemischen Evolution hervorgegangene Organismus Geschwister? Einige Argumente sprechen dafür, dass zeitgleich mit der ersten Zelle das erste Virus aus unbelebter Materie entstand.

Das Lindauer Nobelpreisträgertreffen naht mit Riesenschritten, und mein persönlicher Höhepunkt ist natürlich der Vortrag von Jack Szostak. Der arbeitet nämlich tatsächlich an künstlichen Zellen und hat auch viel Sinnvolles über den Ursprung des Lebens zu sagen. Außerdem hat mir Alex von Alles was lebt vor einer Weile zwei Papers zukommen lassen, die sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigen, allerdings aus einem etwas anderen Blickwinkel.

ResearchBlogging.orgDie Veröffentlichungen von Eugene Koonin et al. stellen die Hypothese vor, dass Viren zu den ersten Lebensformen überhaupt gehörten. Das erscheint zuerst einmal unlogisch, denn Viren können sich ohne die biochemische Maschinerie der Zellen nicht vermehren – deswegen geht man davon aus, dass Viren erst nachträglich entstanden. Es gibt allerdings die Alternative, dass Zellen und Viren von Anfang an nebeneinander evolviert sind, und zwar aus den selbstreplizierenden Erbgutschnipseln der RNA-Welt, die von vielen als wahrscheinlicher Ursprung des Lebens betrachtet wird. (weiter)

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