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Die Zukunft gemeinsam gestalten

Beitrag vom 21. Juni 2009, 07:52

Ernst Th. RietschelEin Statement von Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Th. Rietschel
Präsident der Leibniz-Gemeinschaft

Foto: David Ausserhofer 

Sie haben begeisterungsfähige Professoren und Studenten. Sie verfügen über die grundgesetzlich verbriefte Freiheit, ihre Ziele in Forschung und Lehre ohne äußeren Einfluss zu verfolgen, die Wissenschaft in Disziplinen zu entwickeln und den wissenschaftlichen Nachwuchs heranzuziehen. Sie sind Drehscheibe für den Austausch von klugen Köpfen. Unsere Universitäten haben viele Stärken.

Es gibt aber auch Schwächen. Ein Teil ist hausgemacht, der Kern der Probleme liegt jedoch darin, dass die deutschen Universitäten dramatisch unterfinanziert sind. Ein schlagendes Beispiel sind die Betreuungsrelationen, die lange kritisch waren und sich zu einem katastrophalen Zustand hin entwickelt haben.

Die Forschung, die nicht an Universitäten betrieben wird, hat ebenfalls große Stärken, es sei hier nur an die drei Nobelpreise 2007 und 2008 erinnert. Das hat viel mit Finanzsicherheit zu tun, denn Geld gibt hier, anders als bei den Universitäten, auch der Bund.

Zur guten Infrastruktur kommt speziell bei Leibniz-Einrichtungen eine klare Profilierung – man kann es auf die Formel bringen „ein Institut, ein Thema, ein Direktorium“. Unser striktes Qualitätsmanagement sowie die reduzierte Lehrverpflichtung tun ihr Übriges, um unsere Universitäts-komplementäre Forschung florieren zu lassen.

Gerade das aber erzeugt immer wieder Unbehagen und provoziert die Frage, ob die Trennung der beiden Systeme sinnvoll ist. Ich halte es für besser zu fragen, ob nicht über eine Kombination der Stärken, bei gegenseitigem Ausgleich der Schwächen, eine Steigerung der Leistungsfähigkeit erreicht werden kann. Kooperationen gibt es seit langem: durch gemeinsame Berufungen, Graduiertenschulen oder in Sonderforschungsbereichen (SFB). In den letzten Jahren hinzugekommen sind Modelle der Zusammenarbeit in DFG-Forschungszentren oder Exzellenz-Clustern.

Darüber hinaus gibt es an mehreren Standorten bereits enge Verzahnungen, die wir künftig als „WissenschaftsCampus“ organisieren wollen. Die bundesweit erste derartige Struktur entstand im Frühjahr 2009 in Tübingen. Die dortige Universität und das Leibniz-Institut für Wissensmedien haben das Forschungsnetzwerk „Bildung in Informationsumwelten“ gegründet. Der WissenschaftsCampus ist als Struktur auf Zeit angelegt. Ziel ist es, damit den Keim für künftige Exzellenz-Cluster oder SFB zu schaffen – und zwar durch eine gemeinsame Schwerpunktsetzung von Hochschulen und den Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft.

Wir sehen uns dafür als prädestiniert an, denn die Leibniz-Gemeinschaft ist diejenige unter den großen außeruniversitären Forschungsorganisationen, die den Hochschulen und den Bundesländern am nächsten steht. Am Ende kann es aber nicht um Bund oder Länder, um universitär oder nicht-universitär gehen, sondern darum, gemeinsam erfolgreiche Forschung zu ermöglichen und diese Erfolge international sichtbar zu machen. Wir sollten die Zukunft gemeinsam gestalten.



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