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Bologna - Das Problem ist die Umsetzung, nicht das System!

Beitrag vom 19. Juni 2009, 21:10

Frank FeilEin Beitrag von Frank Feil
Student an der Universität Heidelberg



Ich selbst studiere nun seit 6 Semestern an der Universität Heidelberg und habe den „Bologna-Prozess“ quasi von Anfang an miterlebt. Nach zwei Semestern Jura entschloss ich mich zu einem Studienfachwechsel in die Fächer „politische Wissenschaft“ und „Anglistik“. Während die vorangegangenen Jahrgänge noch zwischen Diplom, Magister und Staatsexamen wählen konnten, hatte ich plötzlich nur noch die Wahl zwischen Staatsexamen und dem neueingeführten Bachelor-Studiengang. Nach zahlreichen Überlegungen entschloss ich mich gegen den neuen Bachelor-Abschluss, da mir die Erfahrung der einzelnen Fakultäten damit einfach noch zu gering erschien - ich sollte recht behalten.

Der Titel dieses Beitrags lautet „Bologna - Das Problem ist die Umsetzung, nicht das System!“. Was meine ich damit?

Bereits in meiner Zeit an der juristischen Fakultät fiel mir auf, dass die Bologna-Reform gerade bei älteren Professoren als verpönt gilt. Prägend war hierbei die Aussage eines Professors, der meinte: „Wenn zu mir jemand sagt, er studiert Bachelor, frage ich ihn zuerst ob das eine Krankheit ist!“. Dieses Statement sollte zwar nicht als repräsentativ für alle Dozenten angesehen werden, dennoch spiegelt es einen in manchen Kreisen herrschenden Grundtenor wieder. Es steht ausser Frage, dass die Bologna-Reform bei solchen Ansichten sehr schwere Startbedingungen hat.

Obwohl ich das Staatsexamen als Abschlussziel habe, fanden von Anfang an, alle meine Vorlesungen und Seminare zusammen mit Studierenden im Bachelor-Studiengang statt und diese konnten einem nur Leid tun. Vom ersten Tag an, erhielten diese de facto von jedem Ansprechpartner andere Auskünfte und man bekam den Eindruck, dass die Verantwortlichen sich um die Systemumstellung überhaupt keine Gedanken gemacht hatten. In manchen Fakultäten wurden zu wenige Seminare angeboten, die dann völlig überfüllt waren und die Dozenten dazu nötigten, teilweise zwei Referate pro Sitzung zu vergeben, in anderen Fakultäten wurden studienrelevante Module zum Teil erst gar nicht angeboten.

Wie viel Credit Points gibt es denn nun in diesem Modul? Ist die Teilnahme am Tutorium Pflicht? Unterscheidet sich die Abschlussklausur der Bachelor-Studenten von der Staatsexamens-Klausur? Wieso sind die einzelnen Noten auch nach mehreren Monaten noch nicht im elektronischen System eingetragen? - Dies sind alltägliche Fragen der Bachelor-Studenten, die teilweise auch nach mehreren Semestern der Umstellung noch nicht richtig beantwortet werden können. Auch kam es vor, dass es mitten im Semester hieß, dass Bachelor-Studierende eine zusätzliche Leistung in Form eines Essays erbringen müssen, was in den Modul-Anforderungen am Anfang des Semesters jedoch nirgendwo nachzulesen war.

Für viele wurde ihr Bachelor-Studium somit im wahrsten Sinne des Wortes zum Überraschungsei und der Stress für manche einfach zu groß. Zeitgleich tauchten in den Medien immer häufiger Berichte darüber auf, dass man auf dem Arbeitsmarkt mit einem Bachelor-Abschluss ohnehin keine Chance hat und die Akzeptanz dieses „Schmalspurabschlusses“ bei Unternehmen relativ gering sei. Es erscheint logisch, dass der Frust der Studenten somit immer größer wurde und manch einer darüber nachdachte, das Studium einfach ganz hinzuwerfen. Für viele hat das Studium nichts mehr mit Studieren zu tun, sondern stellt einfach eine direkte Fortsetzung der Schulzeit dar - Raum für individuelle Entfaltung, Fehlanzeige!

All diese Entwicklungen haben in dieser Woche zum so genannten „Bildungsstreik 2009“ geführt, bei dem vor allem der Bologna-Prozess heftige Kritik erfahren hat. In meinen Augen ist jedoch nicht Bologna Schuld an der Misere, sondern die Art und Weise, wie der deutsche Staat und die deutschen Hochschulen das ganze umgesetzt haben. Von Anfang an wurde alles falsche gemacht, was man nur falsch machen kann und die negative Stimmung innerhalb der Studentenschaft wächst immer noch stetig an - allein die Zukunft wird zeigen, ob man das Ruder noch umreißen kann.



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Kommentare

  1. 20.06.2009 | 05:41

    Hallo,
    vielleicht können Sie mir ja mal erklären, welches die Vorteile sind, die ein mit Bachelor abgeschlossener Studiengang, gegenüber dem Fachhochschulstudium hat?
    Außer das Fachhochschulen, eine eingeschränkte Palette an Fächern anbieten kann.
    Es ist und war doch noch nie verwerflich Menschen eine Ausbildung in einem vor allen berufsorientierten Studiengang anzubieten.

    Gruß Uwe Kauffmann

szmtag